Corona-Krise im Sport

Die Profis des FC St. Pauli trainieren doch nur individuell

Auch Daniel Buballa muss jetzt auf Training mit Toren verzichten.

Auch Daniel Buballa muss jetzt auf Training mit Toren verzichten.

Foto: Witters

Die für Dienstag geplante gemeinsame Übungseinheit wurde abgesetzt. Spieler nehmen Geräte mit nach Hause.

Hamburg.  Der Sinneswandel beim FC St. Pauli war am Dienstag gegen 13.30 Uhr perfekt. Anstatt wie ursprünglich geplant um 14 Uhr das Teamtraining nach zwei freien Tagen wieder aufzunehmen, wurden die Spieler für die kommenden fünf Tage mit individuellen Plänen versorgt. Jetzt hat jeder Profi die Aufgabe, sich allein fit zu halten. Dafür holten die Spieler am Dienstag verschiedene Geräte, wie zum Beispiel Fahrradergometer, aus dem Trainingszentrum ab. Ganz bewusst sollten die Profis auch nicht gleichzeitig, sondern nacheinander auf das Gelände kommen.

„Wir haben uns mit dem Trainerteam intensiv ausgetauscht und beratschlagt und sind zum Entschluss gekommen, dass wir die Spieler mit individu­ellen Trainingsplänen ausstatten. Die Spieler sind angehalten, sich weiter in Hamburg aufzuhalten und hier vor Ort ihre Trainingspläne zu absolvieren und natürlich weitestgehend Kontakte zu vermeiden“, sagte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann zu der neuen Marschroute. Solange es möglich ist, gehören auch längere Läufe zum Programm. Diese sollen die Spieler auf jeden Fall allein absolvieren und sich dazu nicht etwa untereinander in Kleingruppen verabreden.

Wichtiger Aspekt bei der Entscheidung

Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung war auch, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) tags zuvor beschlossen hatte, mindestens auch den 27. Spieltag der Bundesliga und Zweiten Liga zu verschieben. So erhielten die Clubs weiteren zeitlichen Spielraum. Noch wichtiger aber war die aktuelle, dynamische Entwicklung rund um das neuartige Coronavirus. Ein gemeinsames Training des Profiteams hätte immer noch bedeutet, dass sich inklusive der Trainer und Physiotherapeuten knapp 40 Personen gemeinsam auf dem Trainingsgelände aufgehalten hätten.

Einen generellen Verzicht auf ein Mannschaftstraining in nächster Zeit bedeutet die Entscheidung der sportlichen Führung vom Dienstag nicht. Seinen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung für das vom Hamburger Senat verhängte Trainingsverbot hält der FC St. Pauli daher weiter aufrecht.

Zeitgewinn von sechs Wochen

Grundsätzlich werden die kommenden Wochen beim FC St. Pauli als Vorbereitungsphase für die – im Idealfall – noch neun Spieltage umfassende Restsaison betrachtet. Die Entscheidung der Uefa vom Dienstag, die Fußball-Europameisterschaft um ein Jahr in den Sommer 2021 zu verschieben, gibt jetzt auch der Zweiten Liga die Möglichkeit, bis Ende Juni ihre Spiele auszutragen. Bis dahin sind auch die in diesem Sommer auslaufenden Spielerverträge datiert.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Das bedeutet einen Zeitgewinn von rund sechs Wochen gegenüber der bisherigen Planung mit einem Saisonende Mitte Mai. „Dadurch, dass wir jetzt den kompletten Juni für Ligaspiele nutzen können, hat sich – bei aller gebotenen Vorsicht – immerhin die Chance erhöht, die Wiederaufnahme des Spielbetriebs weiter nach hinten zu verlegen und dennoch die Saison zu Ende bringen zu können“, sagte Andreas Bornemann am Dienstag.

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Die Ausstattung der Profis mit Trainingsgeräten ist gleichzeitig eine prophylaktische Maßnahme für den Fall, dass es demnächst auch hierzulande zu einer generellen Ausgangssperre kommt oder ein Spieler positiv auf das Coronavirus getestet werden sollte.

Der FC St. Pauli hat am Dienstag angesichts der Entwicklungen um das Coronavirus auch seine Geschäftsstelle im Millerntor-Stadion geschlossen. Alle Mitarbeiter sind ab sofort im Homeoffice tätig. Nicht mehr geöffnet sind auch die Fan-Shops sowie das Clubheim und das Museum. Zudem finden vorerst keine Stadionführungen mehr statt.