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FC St. Pauli: Zweitliga-Quizduell um die neue Aufstellung

James Lawrence (l.) und Boris Tashchy haben Einsatz-Chancen.

James Lawrence (l.) und Boris Tashchy haben Einsatz-Chancen.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

St. Pauli muss in Sandhausen die Stammspieler Henk Veerman und Sebastian Ohlsson ersetzen und macht ein Rätsel daraus.

Hamburg. Der Sinn von Geheimtrainings ist ja, dass sie geheim sind. Dem Gegner keine Hinweise geben, taktische Kniffe einstudieren. Deshalb war es schon etwas überraschend, dass Trainer Jos Luhukay vom FC St. Pauli vor dem Geheimtraining am Freitag in Vorbereitung auf die Partie am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) beim SV Sandhausen ganz offen erklärte: „Wir versuchen es heute im Training mit James Lawrence zentral.“

Luhukay muss zwei gesetzte Stammspieler aus der zuletzt zweimal siegreichen Mannschaft ersetzen. Stürmer Henk Veerman, der mit seinem ausgekugelten Arm frühestens nach der Länderspielpause im März wieder auflaufen kann, und den gelbgesperrten Verteidiger Sebastian Ohlsson. Außerdem fehlt der erkrankte Christopher Buchtmann. Schon sind wir mittendrin im kniffligen Personal- und Formations-Quiz. Von dem Luhukay hofft, dass es Kollege Uwe Koschinat nicht lösen kann.

FC St. Pauli: Weiter mit drei zentralen Verteidigern?

Weiter mit zwei Spitzen? Und wer spielt dann neben dem gesetzten Dimi­trios Diamantakos? Victor Gyökeres oder Boris Tashchy? Oder doch wieder drei Angreifer? Weiter mit drei zentralen Verteidigern? Lawrence oder Luca Zander oder beide in einer Viererkette? Fragen über Fragen – wer die richtigen Antworten in dem Spiel findet, wird mit drei Punkten belohnt.

„Wir haben einige taktische Möglichkeiten und können unterschiedliche Formationen spielen“, sagt Johannes Flum, „das haben wir uns im Training erarbeitet. Jeder kann sich hier im Training aufdrängen.“ Und bekommt dann irgendwann auch seine Chance. Wie zuletzt Marvin Knoll, der im zentralen Mittelfeld Finn-Ole Becker zunächst wieder verdrängt hat. Wie Rico Benatelli, der in der Hinserie praktisch keine Rolle spielte und jetzt gesetzt scheint. Wie auch Diamantakos, der aus disziplinarischen Gründen gegen Kiel nicht im Kader stand, seine Lektion gelernt hat und sich ebenfalls durch starke Trainingsleistungen wieder ins Team arbeitete. „Dimi hat beeindruckt“, sagte Luhukay.

Trainer Luhukay lobt die Mannschaft

Jedem seine Chance, und jeder glaubt daran, weil es eben Beispiele gibt. Dementsprechend hauen sie sich in den Übungseinheiten rein. „Ich habe am Donnerstag die Mannschaft zusammengeholt und gesagt, dass ich unglaublich zufrieden bin, wie in den letzten Tagen trainiert wurde“, lobte der Coach. „Auch nach dem Erfolg gegen Osnabrück haben die Spieler immer eine hohe Konzentration gehabt.“

Das führt offenbar zu einer Verbesserung der gesamten Teamperformance. „Jeder zieht hier voll mit, wir haben einen großen Kader mit sehr guten Jungs“, urteilt Benatelli, „das Trainingsniveau ist sehr hoch bei uns.“

Für einen Trainer ist das eine ideale Situation. Entsprechend glücklich ist Luhukay derzeit. „Jeder Spieler, der selten eingesetzt wurde, möchte gerne spielen“, weiß der Niederländer von seinem Team, „sie arbeiten alle sehr intensiv und versuchen, die Woche durch sich anzubieten.“

Luhukay hat großen Respekt vor Sandhausen

Jetzt also sind zwei Plätze richtig zu besetzen, damit der Erfolgslauf der vergangenen Wochen durch einen ersten Sieg außerhalb der Stadtgrenzen veredelt und der Sicherheitsabstand nach unten noch größer wird. Luhukay hat jedoch großen Respekt vor Sandhausen, obwohl der SVS seit fünf Spielen sieglos ist.

Vor allem fürchtet er die Stürmer Kevin Behrens (10 Tore) und Ex-St. Paulianer Aziz Bouhaddouz (6): „Es ist entscheidend, diese beiden zu neutralisieren. Wenn uns das gelingt, sind wir auf einem guten Weg.“ Eine Gefahr gibt es aber auch bei Standardsituationen, weiß Luhukay: „Bei ruhenden Bällen müssen wir auch hellwach sein, weil sie neben den beiden Stürmern auch noch die beiden Innenverteidiger haben, die über 1,90 Meter groß sind.“

Das spricht für einen Einsatz des lange verletzten Lawrence in einer Viererkette. Oder es wird alles ganz anders. Sandhausens Trainer Koschinat soll doch was zum Rätseln haben. Dafür sind Geheimtrainings schließlich da.