Mitgliederversammlung

FC St. Pauli glänzt mit einem Rekordumsatz

Präsident Oke Göttlich konnte beim FC St. Pauli neue Rekordzahlen vermelden, übte aber Selbstkritik am sportlichen Ergebnis.

Präsident Oke Göttlich konnte beim FC St. Pauli neue Rekordzahlen vermelden, übte aber Selbstkritik am sportlichen Ergebnis.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Gesamteinnahmen steigen auf 55,1 Millionen Euro – Trauer um den früheren Vizepräsidenten Tjark Woydt.

Hamburg. Mit einer deutlichen Selbstkritik an der sportlichen Entwicklung in den vergangenen Jahren eröffnete Präsident Oke Göttlich am Mittwochabend die Mitgliederversammlung des FC St. Pauli. „Seit der Saison 2011/12 gibt es eine Stagnation. In diesen Jahren haben wir nur dreimal das erreicht, was unser Selbstverständnis ist“, sagte er angesichts der seit dem Bundesliga-Abstieg 2011 erreichten Platzierungen in der Zweiten Liga mit nur zwei vierten Rängen und einem siebten Platz.

Gleichzeitig verteidigte er vor den mehr als 700 anwesenden Mitglieder vehement die Verpflichtung von Cheftrainer Jos Luhukay und Sportchef Andreas Bornemann. „Mit ihnen haben wir Zwei, die Klartext reden“, sagte er und stärkte beiden trotz des aktuellen 13. Tabellenplatzes betont den Rücken.

Gewinn lag bei 1,56 Millionen Euro

In wirtschaftlicher Hinsicht konnte Göttlich erneut Rekordzahlen vermelden. So stieg der Gesamtumsatz des „Konzerns“, also des Vereins und der angeschlossenen Gesellschaften gegenüber dem Vorjahr deutlich auf 55,1 Millionen Euro (Vorjahr 49,42). Dazu trugen erheblich die Einnahmen aus den medialen Verwertungsrechten, also im wesentlichen den Fernsehrechten, bei. Diese stiegen auf den bisherigen Rekordwert 13,29 Millionen Euro, nachdem es in der Saison zuvor 12,24 Millionen waren.

Der erhöhte Umsatz sorgte auch für einen erheblichen Gewinn. Dieser lag, wie bereits exklusiv berichtet, für den Konzern bei 1,56 Millionen Euro. Dazu trug allein der Verein (ohne Gesellschaften) bei einem Umsatz von 38,61 Millionen Euro mit einem Jahresüberschuss nach Steuern von 696.514,47 Euro bei.

Göttlich: weitere Steigerungen an Einnahmen dringend notwendig

Doch nicht allein die Einnahmen und Überschüsse stiegen im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete. Auch die Kosten für die Zweitliga-Mannschaft erreichten die neue Rekordhöhe von 13,2 Millionen Euro, nachdem es im Jahr zuvor noch 1,7 Millionen Euro weniger gewesen waren.

In seiner Rede stellte Präsident Göttlich klar, dass in Zukunft weitere Steigerungen an Einnahmen dringend notwendig sind, um bei einer immer finanzstärkeren Konkurrenz seine sportlichen Ziele erreichen kann. „Wir werden uns Jahr für Jahr strecken müssen“ sagte er und wies dabei darauf hin, dass der Verein auch weiterhin auf viele Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen, verzichten wird, etwa die Vermarktung des Stadionnamens oder die Einbindung eines externen Investors. „Wir verzichten auf einen vielfachen Millionenbetrag, aber wir tun das aus Überzeugung“, sagte er. „Ein anderer Fußball ist möglich.“

Schwedler: Verein muss neue Finanzierungsquellen erschließen

Entgegen aller Erwartungen ging Oke Göttlich nicht näher auf das von ihm vor einem Jahr erstmals erwähnte Genossenschaftsmodell ein. Es sei noch eine weitere interne Abstimmung über dieses mögliche Modell einer zusätzlichen Finanzierung möglich, erklärte er. Bis zu 23 Millionen Euro könnten über den Verkauf von Genossenschaftsanteilen eingenommen werden. Etwas konkreter wurde er in einer anderen aktuellen Frage: „Wir wollen künftig eine viel aktivere Rolle im Klimaschutz spielen.“

Die Aufsichtsratsvorsitzende Sandra Schwedler betonte bei ihrer Rede, dass der Verein neue Finanzierungsquellen erschließen muss, um den künftigen Herausforderungen gerecht zu werden. Bei allem grundsätzlichen Konsens mit dem Präsidium über die Vereinspolitik konnte sie sich aber doch eine verbale Spitze nicht verkneifen. „Ich muss den Zeigefinger erheben, weil der Aufsichtsrat im abgelaufenen Jahr bei Entscheidungen mehrmals vor vollendete Tatsachen gestellt worden ist“, sagte sie, ohne konkrete Beispiele zu nennen.

Vereinssatzung wird gendergerecht angepasst

Überschattet wurde die Mitgliederversammlung von der Nachricht, dass der frühere Vizepräsident Tjark Woydt am Dienstag verstorben ist. Er war bis 2014 für die Finanzen des Vereins verantwortlich und hatte die erfolgreiche Fan-Anleihe über acht Millionen Euro maßgeblich auf den Weg gebracht. „Diese Nachricht hat mich hart getroffen“, sagte Präsident Göttlich.

Um 21 Uhr, weit vor dem Ende der Mitgliederversammlung, verabschiedete Göttlich die komplett anwesende Profimannschaft und rief ihr unter großem Beifall zu: „Verteidigt unseren Verein mit Zähnen und Klauen. Und das schon am Sonnabend gegen Hannover 96!“

Am späten Abend stimmte die Versammlung dem Antrag zu, dass das Präsidium berechtigt ist, die Vereinssatzung gendergerecht anzupassen. „Die aktuellen Formulierungen sind nicht mehr zeitgemäß“, begründete Sandra Schwedler als eine der Antragstellerinnen.

Innenverteidiger Leo Östigard und Außenbahnspieler Jakub Bednarczyk sind am Mittwoch ins reguläre Mannschaftstraining zurückgekehrt. Der am Knie verletzte Außenverteidiger Daniel Buballa konnte erstmals wieder leichte Übungen mit dem Ball absolvieren.