FC St. Pauli

Sobota: „Ich bin so fit wie schon lange nicht mehr“

Waldemar Sobota jubelt nach seinem Tor gegen Bochum.

Waldemar Sobota jubelt nach seinem Tor gegen Bochum.

Foto: Witters

St. Paulis Offensivspieler genießt seine neue Position und die daraus resultierende Torgefährlichkeit. Doch sein Vertrag läuft aus.

Hamburg.  Bestens gelaunt und auskunftsfreudig kommt Waldemar Sobota am Mittwoch nur wenige Minuten nach dem Ende des Vormittagstrainings zum Gespräch mit den Medienvertretern. „Mir persönlich geht es sehr gut, als Mannschaft aber könnten wir gern einige Punkte mehr haben. Aber auch da sind wir auf einem guten Weg, denke ich“, sagt der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler des FC St. Pauli.

Sein individuelles Wohlbefinden dieser Tage hängt nicht allein damit zusammen, dass er sich zuletzt mit seinen Treffern gegen den VfL Bochum zum 1:1-Ausgleich und im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt zum 1:2-Anschluss so torgefährlich wie selten zuvor in seinen nunmehr fast fünf Jahren bei St. Pauli zeigte. „Ich bin körperlich so fit wie lange nicht, meine Formkurve zeigt nach oben“, sagt er. „Ich habe in dieser Saison noch kein Training verpasst.“

Zehn Treffer in 114 Ligaspielen

Das stellte sich in der vergangenen Saison noch ganz anders dar. Insbesondere durch einen Muskelfaserriss im Herbst 2018 sowie einen Riss des Syndesmosebandes im Frühjahr dieses Jahres war Sobota zweimal für längere Zeit außer Gefecht gesetzt worden. So waren am Ende nur 15 Zweitliga-Einsätze zusammengekommen und damit viel weniger, als man von ihm in den Jahren zuvor gewohnt gewesen war. 31, nochmals 31 und 27 waren in den Spielzeiten zuvor die Anzahl seiner absolvierten Punktspiele – das waren Werte eines zuverlässigen Leistungsträgers, der allerdings nie sonderlich torgefährlich war.

Bis zum Beginn dieser Saison standen für Sobota gerade einmal zehn Treffer in 114 Ligaspielen zu Buche. In dieser Spielzeit sind es jetzt zwei Tore in acht Spielen, nachdem er auch beim 3:3 in Dresden ein Tor zur zwischenzeitlichen 3:0-Führung beigetragen hatte. Die Quote ist also schon einmal vielversprechend. Sein bisheriger Saisonrekord von vier Toren aus der Serie 2017/18 scheint recht leicht zu überbieten zu sein.

Sobota war bisher nie konstant

„Nach meiner letzten Saison, in der ich öfter verletzt war und nicht viel gespielt habe, war es normal, dass ich am Anfang noch nicht bei 100 Prozent war“, erklärt Sobota, warum er auch jetzt zunächst nur zweite Wahl war. In fünf der jüngsten sechs Punktspiele aber wurde er von Trainer Jos Luhukay für die Startelf nominiert. Schon in der Vergangenheit hatte die St.-Pauli-Anhänger häufiger einmal gedacht, Sobota habe jetzt das Leistungsniveau erreicht, für das er im Januar 2015 zunächst als Leihgabe vom FC Brügge geholt worden war.

Doch bislang war es Sobota bei St. Pauli nie gelungen, über einen längeren Zeitraum konstant auf hohem Niveau zu spielen. Dies ist ihm selbst bewusst, er hat sich fest vorgenommen, es jetzt besser zu machen. „Ich will keinen Schritt mehr zurückgehen, im Training immer fokussiert bleiben und eher mehr als weniger machen“, sagt er. Auch bei den unter Fußballern ungeliebten Läufen ohne Ball werde er jetzt immer voll durchziehen. Eine Saison wie die vergangene solle es nicht wieder geben.

Nationalmannschaft hat er abgehakt

Seine aktuelle Steigerung hängt auch damit zusammen, dass er nicht mehr auf der offensiven Außenbahn spielt, sondern von Trainer Luhukay bevorzugt zentral eingesetzt wird. „Das habe ich früher schon gespielt und ist mir nicht fremd“, sagt er. Auf dieser Position sei es für ihn auch leichter, torgefährlich zu werden. „Wenn ich dort den Ball bekomme, komme ich besser zum Abschluss. Ich fühle mich da richtig wohl“, sagt er.

Im Januar 2015 war Sobota auch mit der Auszeichnung zu St. Pauli gekommen, mit Polens Nationalmannschaft rund drei Monate zuvor in der EM-Qualifikation das deutsche Team mit 2:0 bezwungen zu haben. Danach folgte für ihn drei Tage später aber nur noch ein Match gegen Schottland (2:2) auf internationaler Ebene, seither wartete er vergeblich auf eine Nominierung und hat das Thema inzwischen abgehakt.

Und wie sieht er die Chance, dass am Saisonende sein auslaufender Vertrag noch einmal verlängert wird? „Das ist noch weit weg. Im Fußball entscheidet sich sehr viel innerhalb von ein, zwei Monaten“, sagt Sobota.

Mittelfeldspieler Marvin Knoll konnte nach seiner am Montag erlittenen Prellung am Mittwoch wieder am Mannschaftstraining teilnehmen und setzte mit einem Tor aus rund 30 Metern einen Glanzpunkt.