Zweite Bundesliga

Ex-Torwart Klewer trainiert St. Paulis Köpfe

Daniel Klewer zu seiner aktiven Zeit in Nürnberg (Archivfoto von 2007)

Daniel Klewer zu seiner aktiven Zeit in Nürnberg (Archivfoto von 2007)

Foto: Witters

Seit knapp zweieinhalb Jahren arbeitet der frühere Nürnbergprofi als Mentalcoach im Nachwuchs des Kiezclubs.

Hamburg.  Daniel Klewer ist viel unterwegs auf dem Trainingsgelände des FC St. Pauli an der Kollaustraße. Die meiste Zeit des Tages verbringt der 42-Jährige irgendwo zwischen seinem Büro im ersten Stock des Funktionsgebäudes, den Umkleidekabinen, und dem Spielfeldrand des Kunstrasenplatzes. Der ehemalige Bundesligatorhüter von Hansa Rostock und dem 1. FC Nürnberg ist seit knapp zweieinhalb Jahren Mentaltrainer im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Kiezclubs. „Die Arbeit macht mir großen Spaß. Ich freue mich, dass das Thema Sportpsychologie im NLZ so viel Anklang findet“, sagt Klewer.

Vor drei Jahren hat sich der gebürtige Rostocker, damals Torwarttrainer beim 1. FC Nürnberg, entschieden, seinen Arbeitsplatz vom grünen Rasen an den Schreibtisch zu verlagern. Beim renommierten Sportpsychologen Christopher Willis (50), der in seinem Bereich Pionierarbeit in Österreich und Deutschland geleistet hat und mehrere sport-psychologische Institute betreibt, ließ sich Klewer zum Mentaltrainer ausbilden. „Der psychologische Bereich im Sport hat mich schon immer fasziniert. Was unterscheidet den erfolgreichen vom weniger erfolgreichen Sportler? Es ist ein komplexer und sehr spannender Bereich für mich“, sagt er.

Ängste, Zweifel und Leistungsdruck

Klewer macht keinen Hehl daraus, dass Sportpsychologie und Mentaltraining im Profifußball noch immer mit einer gewissen Skepsis gesehen werden. Das Klischee mit der Behandlung auf einer „Couch“ ist längst nicht mehr zeitgemäß. „Wir vermitteln unseren jungen Talenten, dass es im Mentaltraining vor allem darum geht, unsere Spieler leistungsfähiger zu machen“, sagt Klewer und ergänzt: „Hierbei geht es auch um den Umgang mit Ängsten, Zweifeln und Leistungsdruck. Dafür sind wir da, dem Spieler Handwerkszeug mitzugeben, wie sie mit diesen Themen umgehen und in Training und Wettkampf ihr volles Leistungspotenzial abrufen können.“

Gemeinsam mit Sportpsychologe Michael Schirmer kümmert sich Klewer um die psychologische Betreuung in den Altersklassen U 14 bis U 23, setzt dabei je nach Mannschaft unterschiedliche Themenschwerpunkte. „In der U 14 geht es um Teamkommunikation, in der U 15 um Selbstvertrauen, in der U 16 beispiels-weise um Emotionsregulation“, sagt Klewer.

Individuelle Betreuung

Neben den halbjährlichen Teamsitzungen finden vor allem individuelle Betreuung statt sowie Teambuildingmaßnahmen zu Saisonbeginn. Einmal pro Woche kommen alle NLZ-Mitarbeiter und Jugendtrainer zusammen und besprechen unter anderem, welche Spieler Unterstützung von Schirmer und Klewer brauchen könnten. „Die Jungs sind meist total offen, nehmen das sportpsychologische Angebot gerne in Anspruch und haben keinerlei Berührungsängste“, freut sich Klewer, der sich wünscht, dass diese auch im Profifußball nach und nach verschwinden – insbesondere zehn Jahre nach dem Tod von Ex-Nationalspieler Robert Enke.

„In TV-Interviews nach Bundesligaspielen hört man immer wieder, dass die Mentalität nicht gestimmt hat oder dass der Kopf nicht mitgespielt hat. Es gibt viele Aspekte, die im Fußball entscheidend für den Erfolg sind. Ich behaupte, die mentale Stärke ist die wichtigste“, sagt Klewer. Eine Botschaft, die den Talenten des FC St. Pauli schon früh mit auf den Weg gegeben wird.