FC St. Pauli

„Sahin wusste, dass ein Staat Krieg gegen Zivilisten führt“

Cansu Özdemir, Vorsitzende der Linkebürgerschaftsfraktion.

Cansu Özdemir, Vorsitzende der Linkebürgerschaftsfraktion.

Foto: HA / Mark Sandten

Linke-Fraktionschefin begrüßt Freistellung des Spielers durch den FC St. Pauli. Himmelmann: „Rückkehr wäre schwierig geworden“.

Hamburg.  Auch am Mittwoch ließ es sich der seit Montag vom FC St. Pauli freigestellte Offensivspieler Cenk Sahin nicht nehmen, per Instagram an die Gemeinde seiner inzwischen 42.200 Abonnenten eine Botschaft zu senden. Diesmal bedankte er sich unter anderem ausdrücklich beim türkischen Jugend- und Sportminister Mehmet Muharrem Kasapoglu für all die Unterstützung, die er „während des Prozesses“ erfahren habe.

Unterdessen ist in Hamburg die Freistellung Sahins, der erstmals am Donnerstag vergangener Woche mit einem Instagram-Post die Militär-Offensive seines Heimatlandes in Nordsyrien unterstützt hatte, weiter ein Gesprächsthema. Die Ansichten dazu sind durchaus unterschiedlich. „Ich bin nicht der Meinung, dass der FC St. Pauli Cenk Sahin für seine Instagram-Posts und darin getätigte Äußerungen hätte suspendieren müssen. Ich hätte es für besser gehalten, wenn man die Sache intern mit ihm diskutiert und geklärt hätte. Durch die Freistellung ist die ganze Angelegenheit ein größeres Thema geworden, als es hätte sein müssen. Jetzt wird Cenk Sahin von der einen Seite öffentlich sogar noch viel mehr verehrt und gelobt“, sagte am Mittwoch etwa Murat Kaplan, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Hamburg, dem Abendblatt.

Kritik an Cenk Sahin

Anderer Meinung ist in dieser Hinsicht Cansu Özdemir, die Linke-Fraktionsvorsitzende in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Es war weit mehr als nur eine Meinungsäußerung. Hier führt ein Staat einen Krieg gegen Zivilisten. Das hat Cenk Sahin gewusst. Ich halte daher die Freistellung für völlig richtig. Es gab keinen anderen Weg mehr. Der FC St. Pauli musste davon ausgehen, dass Sahin seine Meinung nicht ändern würde. Er glaubt offenbar daran, dass es richtig ist, was Erdogan macht“, sagte sie am Mittwoch. Und weiter: „Ich habe es schon für sehr skurril gehalten, dass sich Cenk Sahin in seinem Instagram-Post so positiv zu einem Angriffskrieg, bei dem auch viele Zivilisten ums Leben kommen, geäußert hat. Es ist doch allgemein bekannt, welche Menschenrechts- und Kriegsrechtsverletzungen jetzt dabei in Nordsyrien stattfinden. Ich finde es verwerflich, diese Taten abzufeiern. Gerade als Angestellter des FC St. Pauli, der sich klar gegen jede Art von Krieg engagiert, darf man dies nicht tun.“

Murat Kaplan stellt derweil klar, dass auch er „gegen Krieg und ganz allgemein gegen Gewalt“ sei. „Ich bin gebürtiger Hamburger, habe in meiner Jugend auch beim FC St. Pauli gespielt und kenne die Werte des Vereins. Ich finde aber auch, dass man sich nicht immer gleich von Personen trennen muss, die eine andere Meinung vertreten. Vielleicht hat man dann am Ende gar keine Spieler mehr, wenn man bei allen so konsequent vorgeht“, sagte er.

Für beide Seiten die beste Lösung

In der Mannschaft des FC St. Pauli, so berichtete am Mittwoch Torwart Robin Himmelmann, seien Sahins umstrittene Instagram-Posts und seine Freistellung durch die Vereinsführung „zwei, drei Tage ein Thema gewesen“. Jetzt aber, nachdem die Trainingswoche im Hinblick auf das Heimspiel gegen Darmstadt 98 am Sonnabend (13 Uhr) in vollem Gange sei, spiele der Vorgang keine Rolle mehr.

„Der Verein hat mit der Freistellung und der Handhabung alles gesagt. Eine Rückkehr wäre für Cenk in dieser Woche schwierig und nicht angenehm geworden. Es ist so für beide Seiten die beste Lösung gewesen“, sagte Himmelmann, der angab, seither mit Sahin nicht gesprochen zu haben. „Es ist in dem Moment schon ein Stück weit komisch, dass er jetzt einfach weg ist“, sagte Himmelmann weiter. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir schon einmal mitten in der Saison ohne Transferfenster einen Spieler verloren haben.“