FC St. Pauli

Erfolgreicher Debütantenball am Hamburger Millerntor

Torschütze Finn Ole Becker (l.) jubelt über sein Tor zur 1:0-Führung gegen den SV Sandhausen, Viktor Gyökeres (r.) gratuliert ihm. Später erzielte der Schwede St. Paulis zweites Tor.

Torschütze Finn Ole Becker (l.) jubelt über sein Tor zur 1:0-Führung gegen den SV Sandhausen, Viktor Gyökeres (r.) gratuliert ihm. Später erzielte der Schwede St. Paulis zweites Tor.

Foto: TayDucLam / WITTERS

St. Paulis Finn Ole Becker und Viktor Gyökeres stellen mit ihren Premierentoren das 2:0 gegen Sandhausen sicher.

Hamburg.  So richtig erinnern konnte sich Viktor Gyökeres nicht, wie sein erstes Pflichtspiel-Tor für den FC St. Pauli zustande gekommen war. „Ich weiß nur, dass ich den Ball von Ryo bekommen und dann ins Tor geschossen habe“, sagte der 21 Jahre alte Schwede nach dem 2:0-Heimsieg gegen den SV Sandhausen am Sonntagnachmittag. Ganz sicher aber wusste er: „Dieses Tor bedeutet mir sehr viel.“

Tatsächlich hatte Gyökeres in der letzten Aktion der ersten Halbzeit eine einstudierte und nahezu perfekt umgesetzte Kombination über Mats Möller Daehli und Ryo Miyaichi über die rechte Angriffsseite mit einem „Torschüsschen“ aus kurzer Distanz vollendet. Fast wie in Zeitlupe war der Ball zum 2:0 über die Torlinie gerollt. „Es war auch aus Trainersicht einfach sehr schön anzuschauen. Das war ein klasse herausgespieltes Tor“, schwärmte später sogar St. Paulis Trainer Jos Luhukay.

Becker spricht nicht über seine Gefühle

Den Debütantenball am Sonntagnachmittag hatte bereits in der Anfangsphase Finn Ole Becker eröffnet, als er sich – endlich einmal – aus vollem Lauf einen Distanzschuss mit seinem starken linken Fuß zutraute – und prompt für diesen Mut belohnt wurde.

Der Ball setzte auf dem regennassen Boden noch einmal auf und schlug unten rechts knapp neben dem Pfosten im Sandhäuser Tor ein. Es war auch das erste Pflichtsp ieltor des 19 Jahre jungen Mittelfeldtalents, auf den Trainer Luhukay seit seiner Amtsübernahme im April setzt. Auch am Tag seines Premierentreffers wollte Becker nicht öffentlich über sein Erfolgserlebnis und seine Gefühle dabei sprechen.

Coach nicht begeistert von Becker

Dafür sprachen andere mit Freude über ihn, zum Beispiel Mittelfeldkollege Marvin Knoll. „Ich habe Finn ja schon seit längerer Zeit damit aufgezogen, dass er immer noch kein Tor für uns gemacht hat. Er macht es sehr gut. Wir wollten generell flach aufs Tor schießen, weil der Ball bei diesem nassen Boden brutal schnell wird“, sagte Knoll. „Zum Glück hat er den Ball gut getroffen. Jetzt hat Finn erst einmal ein paar Tage Ruhe vor mir.“

Trainer Luhukay verriet: „Ich habe ihm schon seit einigen Wochen ans Herz gelegt, endlich ein Tor zu schießen. Aber er muss künftig noch weitere schießen und Torvorlagen geben. Er wartet ja auch noch auf seinen ersten direkten Assist. Damit werde ich ihn in den kommenden Tagen kitzeln.“

Überhaupt bewertete der Coach die Leistung des jüngsten Spielers seines Teams nicht gerade euphorisch. „Finn war heute einige Male zu tief in einem Wellental. Seine Ballverluste hätten uns auch richtig wehtun können. Er steht erst am Anfang seiner Karriere, aber es muss noch viel kommen, um stabiler zu werden“, sagte Luhukay weiter.

Konterchancen ungenutzt

Tatsächlich war der stark in die Saison gestartete SV Sandhausen am Millerntor nicht so chancenlos gegen die insgesamt gut spielende St.-Pauli-Mannschaft, wie es das Resultat glauben lassen könnte. So musste Torwart Robin Himmelmann in der zweiten Halbzeit gegen Kevin Behrens (76.) und bei Julius Biadas Freistoß (90.) seine starken Reflexe zeigen, um sein zweites Spiel ohne Gegentor in dieser Saison sicherzustellen.

Auf der anderen Seite ließ St. Pauli beste Konterchancen ungenutzt. „Vielleicht kann man der Mannschaft vorwerfen, dass sie es versäumt hat, weitere Tore zu erzielen und damit früher mehr Ruhe ins Spiel zu bringen“, befand Trainer Luhukay denn auch treffend. Vor allem Gyökeres, Knoll und schließlich Miyaichi scheiterten allein vor Sandhausens Torwart Martin Fraisl.

Von Spieltag zu Spieltag stabiler

Ein höherer Sieg wäre also am Ende ebenso möglich gewesen wie ein Zittern bis zum Schlusspfiff um die drei Punkte. Doch seit nunmehr drei Spielen hat es das Team geschafft, kein spätes Gegentor mehr hinnehmen zu müssen. „Wir sind von Spieltag zu Spieltag stabiler geworden“, befand Luhukay. „Wir spielen aktiv, es ist attraktiv anzusehen. Und ich ziehe meinen Hut davor, wie die Mannschaft es verkraftet hat, dass unser Abwehrchef James Lawrence und Topscorer Dimitrios Diamantakos ausgefallen sind.“ Die für die beiden neu ins Team gekommenen Waldemar Sobota (als offensiver Außenbahnspieler) und Gyökeres empfahlen sich für weitere Einsätze.

Das 2:0 gegen Sandhausen war der dritte Heimsieg in Folge. Gleiches war St. Pauli zuletzt Ende Januar mit dem 3:2 gegen Union Berlin gelungen und war danach Tabellenzweiter. Davon ist das Team jetzt vier Plätze und fünf Punkte entfernt.

Ganz nebenbei bezwang St. Pauli auch den „Derbyfluch“. Statt einer langen Negativserie nach dem Sieg im Stadtderby, wie sie zuvor der HSV in diesem Frühjahr und St. Pauli 2011 erlebt hatten, hat das Team vom Millerntor jetzt seit dem 2:0 gegen den HSV vor zwei Wochen vier Punkte aus den beiden Partien danach geholt – auch dank des Debütantenballs gegen Sandhausen.