DFB-Pokal

St. Pauli duselt sich in Lübeck in Runde zwei

Die Profis des FC St. Pauli feiern ihren Torhüter: Robin Himmelmann (rosa Trikot) war der Matchwinner im Elfmeterschießen

Die Profis des FC St. Pauli feiern ihren Torhüter: Robin Himmelmann (rosa Trikot) war der Matchwinner im Elfmeterschießen

Foto: dpa

Mit 7:6 nach Elfmeterschießen siegte das Team von Trainer Jos Luhukay beim VfB Lübeck. Torwart Himmelmann wird zum Helden.

Lübeck. Als Torhüter Robin Himmelmann den Elfmeter von Miguel Fernandes hielt, atmete Jos Luhukay tief durch. Der FC St. Pauli kam in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Regionalligaclub VfB Lübeck nach einer über weite Strecken schwachen Leistung mit 7:6 (0:1, 2:2, 3:3) nach Elfmeterschießen eine Runde weiter. Nach dem enttäuschenden Saisonstart mit nur einem Punkt aus zwei Partien, kann der Kiezclub nun zumindest bis zum Wochenende durchatmen.

"Heute ist alles zusammengekommen, aber so ist der Pokal nunmal. In der ersten Halbzeit waren wir nicht clever genug, haben viele zweite Bälle nicht bekommen. Nach der Pause haben wir es dann deutlich besser gemacht. Wir waren besser im Spiel und hatten unsere Chancen. Nach der Führung müssen wir den Sack aber zumachen, fangen uns dann aber doch noch den Ausgleich. Daraus müssen wir lernen", sagte Mittelfeldspieler Christopher Buchtmann.

Gyökeres, Sobota und Buchtmann in der Startelf

Vor dem Spiel überraschte 56 Jahre alte Trainer der Hamburger mit einem neuen System. as ungewohnte 3-5-2-System, auf das Trainer Luhukay setze, sorgte nicht für die erhoffte Stabilität im Spiel. Weder die Dreierkette mit Marvin Knoll, dem gelernten Linksverteidiger Daniel Buballa und Marc Hornschuh noch das breite, fünf Mann starke Mittelfeld, in dem überraschend Christopher Buchtmann und Waldemar Sobota von Beginn an randurften, konnten überzeugen, sodass die beiden Stürmer Dimitrios Diamantakos und Startelf-Debütant Viktor Gyökeres völlig in der Luft hingen. Doch nicht nur spielerisch wollte wenig zusammenlaufen, auch in Sachen Körpersprache und Leidenschaft waren die Lübecker vor allem in der ersten Hälfte überlegen.

Die Spieler in der Einzelkritik

Der Regionalligaclub war von Beginn an hellwach und griffig in den Zweikämpfen. Der zwei Klassen höher spielende Kiezclub tat sich schwer, klare Chancen zu kreieren. Mit dem ersten Angriff gingen die Lübecker durch den ehemaligen St.-Pauli-Profi Yannick Deichmann den Gastgeber in der neunten Minute in Führung. Und der 24-Jährige hatte Lust, die alten Kollegen zu ärgern. Nur um Zentimeter verpasste der gebürtige Hamburger den zweiten Treffer, als sein Kopfball in der 23. Minute nur knapp am Pfosten vorbeirauschte.

St. Pauli hätte einen Elfmeter bekommen müssen

Pech hatte St. Pauli in der 30. Minute, als nach einem Foul von Daniel Halke an Christian Conteh der fällige Elfmeterpfiff ausblieb. Doch auch das täuschte nicht darüber hinweg, dass St. Pauli phasenweise vogelwild agierte, und ein Klassenunterschied kaum zu sehen war. Das Luhukay-Team verlor viele Zweikämpfe, kam kaum in gefährliche Räume, sodass Lübecks Schlussmann einen ruhigen Nachmittag verlebte. Lediglich ein harmloser Torschuss von Mats Möller Daehli kam auf das Gehäuse von Raeder im ersten Durchgang.

Nach dem Seitenwechsel bot sich ein unverändertes Bild. St. Pauli hatte viel Ballbesitz, aber mehr als eine Halbchance von Möller Daehli (47.) sprang nicht heraus. Nur eine Minute später hatte St. Pauli Glück, als Daniel Buballa brutal gegen Deichmann an der Mittellinie einstieg. Schiedsrichter Willenborg zeigte nur die gelbe Karte, auch ein Platzverweis wäre vertretbar gewesen.

Kiezclub gegen Lübeck in der Defensive nicht sattelfest

Zumindest zeigte Buballa jene Härte, die vielen seiner Mitspielern komplett fehlte. Bestes Beispiel: Das 0:2 in der 57. Minute. Lübeck kann sich nahezu ohne Gegenwehr den Ball zuschieben, bis Marvin Thiel zum Abschluss kam. Der Schuss aus 16 Metern wurde von Möller Daehli unhaltbar abgefälscht. Ein Treffer mit Schockwirkung. St. Pauli lief an, ohne jedoch eine Spielidee erkennen zu lassen. Lediglich Einzelaktionen führten ab und an zu so etwas wie Torgefahr.

In der 62. Minute keimte aber trotzdem wieder Hoffnung auf, als Waldemar Sobota sehenswert aus 16 Metern in den Winkel traf. Eine Initialzündung. Nur vier Minuten später köpfte Diamantakos den Ball aus kurzer Distanz zum 2:2. Lübeck schwanden zunehmend die Kräfte, sodass St. Pauli den Regionalligisten immer tiefer in die eigene Hälfte drückte. Das letzte Risiko scheute aber der Kiezclub und hatte Glück, als Miyachi im eigenen Strafraum ungeschickt gegen seinen Gegenspieler in den Zweikampf ging. Schiedsrichter Willenborg verweigerte den Lübckern aber den Elfmeter. Und so blieb es nach 90 Minuten beim am Ende für St. Pauli schmeichelhaften 2:2.

Buballa beklagt fehlende Cleverness nach der Führung

"Das war ein aufreibendes Spiel. Wenn man als Fan im Stadion ist, wünscht man sich solche Spiele mit sechs Toren, Verlängerung und Elfmeterschießen", sagte Linksverteidiger Daniel Buballa und ergänzte: "Aus Sicht der Fans geht es nicht besser, aber wir haben uns heute das Leben selber schwer gemacht. Ein Rückstand kann mal passieren, dann wurde der noch erhöht. Aber wir sind zurückgekommen und haben Moral gezeigt. In der Verlängerung gehen wir dann in Führung, bekommen aber auch wieder einen Nackenschlag. Chapeau, dass wir es dann im Elfmeterschießen noch auf unsere Seite ziehen konnten."

Himmelmann rettet im Elfmeterschießen

In der Verlängerung sorgte Marvin Knoll in der 94. Minuten für die Führung, als er eine Ecke von Cenk Sahin reinköpfte. Die Entscheidung? Mit Nichten: Ex-HSV-Profi Ahmet Arslan trifft in der 116. Minute zum nicht unverdienten Ausgleich. Zu allem Überfluss flog in der 120. Minute auch noch Stürmer Diamantkos mit einer Tätlichkeit vom Platz. Der Grieche hatte gegen Torhüter Raeder nachgetreten.

Und so fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen. Lübeck verschoss zwei Strafstöße, bei St. Pauli lediglich Niklas Hoffmann.