Zweite Bundesliga

Darum ist der FC St. Pauli kein Spitzenteam

St. Paulis Innenverteidiger Christopher Avevor war gegen Kölns Topstürmer Jhon Cordoba und Simon Terodde überfordert.

St. Paulis Innenverteidiger Christopher Avevor war gegen Kölns Topstürmer Jhon Cordoba und Simon Terodde überfordert.

Foto: TimGroothuis / FOTO: Tim Groothuis/WITTERS

Ernüchternde Erkenntnisse aus dem 1:4 beim 1. FC Köln. Nur ein Sieg gegen die fünf direkten Konkurrenten .

Hamburg.  Das freie Wochenende konnten die Fußballprofis des FC St. Pauli selten zuvor für ihre mentale Erholung so gut gebrauchen wie diesmal. Es galt, die ernüchternde 1:4-Niederlage am Freitagabend beim 1. FC Köln zu verarbeiten, richtig einzuordnen und sich gleichzeitig für die kommenden Aufgaben wieder neu zu motivieren. Es brauchte schon ein bisschen Zeit, um sich mit der Erkenntnis zu arrangieren, dass dieses Team des 1. FC Köln der eigenen Mannschaft so deutlich überlegen ist, dass realistisch überhaupt keine Chance zu erkennen, am Saisonende in der Tabelle vor dem auf Platz zwei zurückgekehrten Aufstiegsfavoriten stehen zu können.

Viel zu groß ist der Unterschied in der individuellen, personellen Besetzung, zumal sich Kölner in der Winterpause mit den gestandenen Bundesligaspielern Johannes Geis (von Schalke 04) und Florian Kainz (von Werder Bremen) noch einmal nicht nur von den Namen her, sondern auch qualitativ erheblich verstärkt hatten. Dass auch noch China-Rückkehrer und Topstürmer Anthony Modeste dazukommen könnte, wenn Kölns juristischer Kampf um die Spielegenehmigung für ihn erfolgreich ist, mutet schon skurril an. Wer am Freitagabend die Wucht des dreifachen Torschützen Jhon Cordoba und des einmal erfolgreichen Toptorjägers Simon Terodde (23 Saisontreffer) erlebte, muss sich fragen, wozu dieses auch spielerisch funktionierende Team noch einen Modeste benötigt.

Kein Duell auf Augenhöhe

„Der 1. FC Köln ist ein Spitzenteam. Das sind wir noch nicht“, beschrieb St. Paulis Innenverteidiger Christopher Avevor nach der Niederlage am Freitagabend knapp, aber treffend den Unterschied beider Mannschaften. Zwar hatten zuvor die fünf Kölner Saisonniederlagen suggeriert, die Partie im ausverkauften Stadion in Müngersdorf könnte ein Duell auf Augenhöhe werden, doch die Realität war eine gänzlich andere. Angesichts dessen, dass Kölns Profikader mehr als doppelt so hohe Gehaltskosten verursacht wie der des FC St. Pauli (rund zwölf Millionen Euro), bleibt festzuhalten, dass Geld eben doch Tore schießt, wenn es denn zielgerichtet verwendet wird.

„Gegen einen so starken Gegner ist es nicht entscheidend, ob man in der Abwehr mit einer Vierer- oder Fünferkette spielt. Taktische Dinge geben dann nicht den Ausschlag“, sagte St.- Pauli-Trainer Markus Kauczinski nach der Niederlage in Köln und verteidigte damit auch seine Systemumstellung auf drei Innenverteidiger und damit – bei Kölner Ballbesitz – auf eine Fünfer-Abwehrkette. Nach dem 3:5 im Hinspiel sei er sich mit seinen Spielern darüber einig gewesen, dass man es nicht noch einmal mit einem offenen Schlagabtausch wie Anfang September versuchen wolle. Besser war das Ergebnis nicht. „Gegen Köln können wir nicht mithalten. Bei zehn Spielen würden wir sieben, acht verlieren und vielleicht je einmal unentschieden spielen und gewinnen“, rechnete Kauczinski vor.

Glücklicher Heimsieg

Tatsache ist auch, dass sein Team jetzt bereits zum zweiten Mal nach der Winterpause die Chance verpasste, zumindest vorerst die Tabellenführung zu übernehmen. Stattdessen fiel St. Pauli vom zweiten auf den fünften Tabellenplatz zurück, weil auch Union Berlin und der 1. FC Heidenheim am Wochenende ihre Spiele gewannen. Zudem kann Spitzenreiter HSV an diesem Montag seinen Vorsprung auf St. Pauli auf sechs Punkte ausbauen.

Doch nicht nur die beiden Spiele gegen Köln, sondern auch die bisherige Bilanz gegen die anderen Teams aus dem oberen Tabellendrittel zeigt, dass St. Pauli noch einiges fehlt, um ein echtes Spitzenteam in dieser Liga zu sein. Von den bislang sieben ausgetragenen Spielen gegen die aktuell auf Platz eins bis sechs rangierenden Teams gingen vier verloren und endeten zwei unentschieden. Nur gegen Union Berlin gab es am vergangenen Montag einen – recht glücklichen – 3:2-Heimsieg. Von 21 möglichen Punkten gegen seine Konkurrenten hat St. Pauli also gerade einmal fünf für sich verbucht.

Des Weiteren hat St. Pauli unter den Teams des oberen Drittels mit 30 die meisten Gegentore hinnehmen müssen und auch erst in fünf der bisher 21 Spiele kein Tor des Gegners zugelassen. Hier ist nur Heidenheim (3) schwächer.

Stadtderby gegen den HSV

Gleichwohl sind für den FC St. Pauli trotz der ernüchternden Erkenntnisse aus dem Spiel in Köln die Aussichten, noch lange im Rennen um einen der drei ersten Plätze dabeizubleiben, weiterhin gegeben. Eine Voraussetzung dafür ist, dass das Team jetzt die Chance des Spielplans nutzt und die aufeinanderfolgenden Heimspiele gegen Erzgebirge Aue und den FC Ingolstadt 04 für sich entscheidet, um keine zu große Lücke nach oben entstehen zu lassen. In den direkten Vergleichen gegen den 1. FC Heidenheim und Holstein Kiel ist das Team vom Millerntor auch auswärts in der Lage zu punkten. Und schließlich gibt es am 10. März auch noch das Stadtderby gegen den HSV, das ohnehin einen speziellen Charakter hat.

„Jetzt kommen die Teams, mit denen wir uns messen können und werden“, blickte Mittelfeldspieler Marvin Knoll schon am Freitagabend wieder nach vorn. Anschauungsunterricht konnten er und seine Teamkollegen schon am Sonntagmittag nehmen, als beide Teams in Aue aufeinandertrafen und Ingolstadt mit dem 3:0-Auswärtssieg aufzeigte, wie das Team aus dem Erzgebirge zu bezwingen ist.