Zweite Liga

St. Pauli blieb chancenlos im Kölner Angriffswirbel

Das Spitzenspiel der Zweiten Liga verloren die Hamburger mit 1:4. Córdoba gelang ein Hattrick, St. Pauli hoffte kurz durch Alex Meier.

Köln. Höchste Saisonniederlage statt des erhofften Sprungs auf Platz eins – die Spieler des FC St. Pauli bekamen beim 1:4 (1:1) beim 1. FC Köln aufgezeigt, dass ihnen noch ein ganzes Stück zu einem echten Spitzenteam der Zweiten Liga fehlt. Im ungünstigsten Fall kann das Team von Trainer Markus Kauczinski auf Rang sechs abrutschen.

Schon vor Spielbeginn sorgte Kau­czinski für eine handfeste Überraschung, als er im Vergleich zum 3:2-Sieg am Montagabend gegen Union Berlin fünf neue Spieler in seine Startelf rotierte. Dies hatte nur im Fall von Debütant Svend Brodersen einen erzwungenen Grund. Stammtorwart Robin Himmelmann hatte sich gegen Union eine Blessur im hinteren Muskel seines rechten Oberschenkels zugezogen.

St. Paulis mutige Systemumstellung in der Defensive

Ansonsten stellte Kauczinski sein Defensivsystem auf eine Dreierkette um und besetzte diese mit Florian Carstens und Startelf-Debütant Justin Hoogma sowie in der Mitte mit Christopher Avevor. Auf den Außenbahnen agierten Luca Zander (rechts) und Jan-Philipp Kalla, während Marvin Knoll und der ebenfalls in die Startelf zurückgekehrte Jeremy Dudziak das defensive Mittelfeld bildeten. Im Angriff sollten Alexander Meier und Sami Allagui für Gefahr sorgen. Dahinter war Christopher Buchtmann als „Zehner“ ins Team gekommen. Die Systemumstellung in der Defensive war eine mutige Maßnahme, da das Team mit dieser Variante in der Saison noch nicht gespielt hatte.

Eine massierte Abwehr war aber dringend nötig, denn die Kölner übten von Beginn an einen starken Angriffsdruck aus, dem sich St. Pauli zunächst nicht entziehen konnte. Dies bot immerhin Torwart Brodersen gleich zu Beginn die Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Unterbrochen wurde die Dauerdruckphase der Kölner in der ersten halben Stunde nur durch einen Schuss des von Jan-Philipp Kalla bedienten Sami Allagui (20.) und einem Kopfball Allaguis über das Kölner Tor.

Das erste Gegentor, ein Weckruf für die St. Paulianer

Insgesamt aber war es fast ein sportliches Wunder, dass sich St. Pauli mehr als 30 Minuten lang schadlos halten konnte. Länger ging dies aber auch nicht gut. Nach einer Ecke von rechts kam Kölns Innenverteidiger Rafael Czichos per Kopf an den Ball, den Torjäger Simon Terodde an die Latte drosch, ehe Córdoba den Ball unbedrängt zum 1:0 (32.) für den 1. FC Köln ins Tor schob. Der Schütze stand bei diesem Treffer allerdings knapp im Abseits. In der Bundesliga hätte der Treffer dank Videobeweis nicht gezählt.

Das Gegentor schien aber der Weckruf für die St. Paulianer zu sein, die nun begannen, selbst entschlossener auch nach vorn zu agieren. Dennoch war der Ausgleich eine ziemlich freudige Überraschung für die 5000 St.-Pauli-Fans. Einen Eckball Buchtmanns nutzte Allagui zu einem gefährlichen Kopfball, den Horn nur nach vorn abprallen lassen konnte.

Das hatte Meier offenbar geahnt, er stand genau richtig und schoss den Ball aus kurzer Distanz zum 1:1 (38.) ins Netz. Es war bereits sein dritter Ligatreffer, seit er im Januar als Ersatz für den am Kreuzband operierten Henk Veerman verpflichtet worden war. „Ich finde, er bezieht ein ordentliches Gehalt, da darf man erwarten, dass er auch ab und zu ein Tor macht“, sagte in der Halbzeitpause frotzelnd St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig. Lob zollte Rettig derweil Brodersen: „Besser kann man es nicht machen. Er strahlt Ruhe aus. Kompliment.“

Córdoba, Córdoba, Córdoba ... und dann Terodde

Ruhig wurde für ihn die zweite Halbzeit aber ganz und gar nicht. Binnen fünf Minuten musste er zweimal chancenlos zusehen, wie die Kölner die Hoffnungen auf einen Punktgewinn zerstörten. Zunächst nutzte erneut Córdoba ein präzises Zuspiel von Christian Clemens, der Kalla überlaufen hatte, per Direktabnahme zur 2:1-Führung (53.). Dann zeigte er beim 3:1 (58.) auch noch, dass er per Kopf Tore erzielen kann. St. Pauli hatte offensiv von ein paar Ansätzen abgesehen, nichts mehr entgegenzusetzen. Nur Kölns Torjäger Simon Terodde war noch nicht satt und steuerte aus der Drehung auch noch das 4:1 (85.) zum Sieg seines Teams bei.

Dem FC St. Pauli bleibt nur die Hoffnung, mit zwei Siegen in den Heimspielen gegen Aue und Ingolstadt den Kontakt zur Spitze zu halten.