FC St. Pauli

Doppeltorschütze Alex Meier: "Menschlich eine Rakete"

Stürmer wird von Fans als "Fußball-Gott" gefeiert und von Mitspielern hoch angesehen. Nur Trainer Kauczinski gießt Wasser in den Wein.

Hamburg.  St. Paulis Trainer Markus Kauczinski gab sich großzügig am Tag nach dem hart und glücklich erkämpften 3:2-Sieg seiner Mannschaft im Zweitliga-Spitzenspiel gegen den 1. FC Union Berlin. Zum einen hatte er statt des Trainings zur üblichen Zeit um 10 Uhr ein gemeinsames Frühstück für 10.30 Uhr angesetzt. Danach durften die elf Akteure der Startformation ihr obligatorisches Regenerationstraining so absolvieren, wie es ihnen beliebte.

Während der als Dauerläufer bekannte Außenverteidiger Daniel Buballa einige Runden auf dem Rasen drehte und einige seiner Teamkollegen mit dem Mountainbike durch das Niendorfer Gehege radelten, zog es der umjubelte Star des Vorabends, der zweifache Torschütze Alexander Meier, vor, im Gebäude des Trainingszentrums auf dem Ergometer seine Einheit abzuarbeiten.

Von den Fans als "Fußball-Gott" gefeiert

Seine Muskeln hatte Meier beim dramatischen Sieg über den Tabellennachbarn aus der Hauptstadt weit mehr und vor allem länger strapaziert, als es zuvor geplant und erwartet worden war. Es war letztlich eine sehr glückliche Fügung, dass sich Trainer Kauczinski genötigt sah, Sami Allagui und Mats Möller Daehli früher als den 36 Jahre alten Stürmer vom Feld zu nehmen. So ermöglichte der Coach es dem von den Fans als „Fußball-Gott“ gefeierten Meier, bei seinem ersten Zweitliga-Heimspiel am Millerntor seit fast 16 Jahren per Strafstoß in der vierten Minute der Nachspielzeit das Siegtor zu erzielen.

Der normalerweise als Elfmeterschütze vorgesehene Marvin Knoll, der zuvor schon mit einem Eckstoß die Vorlage zu Meiers Kopfballtor zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung gegeben hatte, sah sich aufgrund von Krämpfen in den Beinen nicht mehr in der Lage, den Strafstoß auszuführen.

"Menschlich eine absolute Rakete"

„Marvin hat mich gefragt, ob ich schießen kann. Ich glaube, er war kaputt. Dann habe ich gesagt: Okay, kein Pro­blem“, berichtete Meier später. Genauso selbstverständlich beförderte er den Ball dann auch ins Tor. „Wenn du einen Alex Meier in deinem Team hast, dann gibst du den Elfmeter auch gern ab“, sagte Knoll am Dienstag nach dem Teamfrühstück. „Ich wusste, dass er ihn reinmacht. Er ist wirklich ein super Typ, menschlich eine absolute Rakete. Die jungen Spieler, aber auch ich können noch unheimlich viel von ihm lernen“, schwärmte der 28 Jahre alte Knoll. Noch nie habe er beim Torschusstraining einen Spieler gesehen, der so stark und präzise mit der Innenseite schießen könne. Genau diese Qualität war auch beim Elfmetertor zu besichtigen.

St. Paulis Profis in der Einzelkritik

Auch Sami Allagui, am Montagabend gegen Union Berlin Sturmpartner von Meier, bezeichnet den vor einem Monat ins Team gekommenen Torjäger als „riesige Bereicherung“. „Jeder weiß um seine Qualitäten auf dem Platz. Aber vor allem ist er ein richtig cooler Typ neben dem Platz. Er sitzt in der Kabine, wir verstehen uns prima und ergänzen uns im Spiel. Es macht einfach Spaß mit ihm. Ich freue mich sehr, dass er hier am Millerntor so ein starkes Comeback gegeben hat. Ich gönne ihm das von ganzem Herzen und hoffe auf weitere solche Momente“, sagte Allagui am Dienstag. Diese könnten am Freitag im Auswärtsspiel bei dem auf den dritten Tabellenplatz verdrängten 1. FC Köln folgen.

Trainer mag den Hype nicht

Trainer Markus Kauczinski gefällt der Hype um seinen prominenten Stürmer derweil nur bedingt. „Wir bestehen nicht nur aus Alex Meier. Wir haben viele gute Spieler, und Henk Veerman hat seine Sache vor seinem Kreuzbandriss auch gut gemacht. Alex ist Teil des Ganzen. Das hat er gezeigt, auch, dass er gar nicht mehr sein will. Wir sind ein Team“, stellte Kauczinski nach dem Sieg gegen Berlin klar. Rein sportlich gesehen sei in einzelnen Aktionen zu erkennen, dass ihm noch Spielpraxis fehlt. In dieser Hinsicht holte Meier jetzt aber schon mal auf. Mit 11,13 Kilometer Laufleistung war er gegen Union hinter Waldemar Sobota (11,78) und Marvin Knoll (11,49) sogar Drittbester seines Teams.

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