Woche der Niederlagen

FC St. Pauli kassiert einen heftigen Rückschlag in Darmstadt

Nach dem Pokalaus in Paderborn verliert St. Pauli auch in der 2. Bundesliga deutlich. Niederlage liefert bittere Erkenntnis.

Darmstadt.  Die Serie ist gerissen. Fünf Auswärtssiege in Folge hatte der FC St. Pauli saisonübergreifend in der Zweiten Liga gefeiert, am Freitagabend setzte es mit dem 0:3 (0:1) beim Bundesliga-Absteiger Darmstadt 98 die erste Niederlage auf fremdem Platz seit Ende März. Nach dem Pokalaus zuvor beim SC Paderborn war dies der zweite, heftige Rückschlag für die Millerntor-Elf innerhalb von vier Tagen. Nach dem Sieg zum Saisonauftakt in Bochum und dem Unentschieden gegen Dresden muss sich St. Pauli nun erst einmal damit anfreunden, noch längst kein Spitzenteam der Zweiten Liga zu sein, sondern sich eher nach unten orientieren. Es passte ins Bild, dass den Hamburger noch nicht einmal gelang, einen Strafstoß zu verwandeln.

"Wir haben ein komisches Spiel gesehen. Wir haben es nach vorne eigentlich gut gemacht und hatten das Gefühl, hier fällt gleich der Ausgleich. Und dann kassieren wir direkt nach Wiederanpfiff durch den Elfmeter das 2:0", analysierte St. Paulis Trainer Olaf Janßen die Partie.

Der Coach der Hamburger musste wie erwartet auf seinen Abwehrchef Lasse Sobiech verzichten. Die Gehirnerschütterung, die er sich am Montagabend im DFB-Pokalspiel beim SC Paderborn (1:2) zugezogen hatte, ließ einen Einsatz nicht zu. An seiner Stelle kam Christopher Avevor zu seinem ersten Zweitliga-Einsatz seit dem 16. Spieltag der vergangenen Saison. Damals war er am 11. Dezember beim 2:0-Sieg in Fürth in der 81. Minute eingewechselt worden. Seinen bis dahin letzten Startelfeinsatz in einem Pflichtspiel hatte der 25-Jährige am 7. November 2016 beim 0:1 in Würzburg.

„Er hat zuletzt im Training richtig Gas gegeben und sich empfohlen. Gefühlt hat er an den vergangenen zehn Trainingstagen nicht einen Zweikampf verloren“, sagte Janßen schon einige Tage zuvor über Avevor, der den Vorzug vor Neuzugang Clemens Schoppenhauer bekommen hatte.

St. Pauli ist abhängig von Sobiech

Doch zwischen Training und einem Spiel gegen ein Zweitliga-Topteam besteht eben ein großer Unterschied. Avevor war letztlich entscheidend an der Niederlage beteiligt, weil er mit seinem ungeschickten Einsteigen gegen Kevin Großkreutz das zweite und vorentscheidende Gegentor verschuldete. Bittere Erkenntnis: Ohne Abwehrchef Lasse Sobiech ist St. Paulis Defensive anfällig. Es fehlt nicht nur an seiner Präsenz und Kopfballstärke sondern auch an seiner Fähigkeit, die Abwehr zu ordnen .

Einzelkritik: Bouhaddouz und Allagui vergaben beste Chancen

Es hatten noch nicht einmal alle Zuschauer im ausverkauften Merck-Stadion bei strömendem Regen ihre Plätze eingenommen, als St. Pauli schon eine herausragende Chance zur Führung hatte. Nach 70 Sekunden scheiterte der bei einer Ecke von Christopher Buchtmann in den Strafraum sprintende Aziz Bouhaddouz an Darmstadts Torwart Daniel Heuer Fernandez. Der Keeper wehrte den Ball eher zufällig mit dem Kopf ab.

St. Pauli begann stark, und baute schnell ab

Nach einer anfänglichen Druckphase mit insgesamt vier Ecken in den ersten fünf Minuten geriet aber die Millerntor-Elf ihrerseits in Bedrängnis. Einen gefährlichen Flachschuss von Darmstadts Sturmspitze Artur Sobiech (6.) konnte Torwart Robin Himmelmann mit der linken Hand gerade noch zur Ecke retten.

Drei Minuten später war St. Paulis Schlussmann geschlagen. Darmstadts offensiv starker Rechtsverteidiger Sandro Sirigu, der zu viele Freiheiten genoss, flankte gefährlich in den Strafraum. Leicht bedrängt von Sobiech gewann Innenverteidiger Marc Hornschuh zwar das Kopfballduell, wehrte den Ball aber exakt auf den zentral im Strafraum lauernden Kevin Großkreutz ab. Mit einem platzierten Flachschuss schloss der (nicht eingesetzte) Weltmeister von 2014 zum 1:0 für Darmstadt ab.

Großkreutz holt Elfmeter raus

Es dauerte einige Zeit, bis die Hamburger nach ihrem guten Beginn diesen Rückschlag verdaut hatten. Langsam aber fanden sie wieder in ihr Kombinationsspiel zurück, das aber eher nur gefällig als wirklich zielstrebig wirkte. So hatten sie es ihrem Torwart Himmelmann zu verdanken, dass er mit einer Glanzparade beim Kopfball von Wilson Kamavuaka (20.) das zweite Darmstädter Tor verhinderte.

Die Vorentscheidung aber fiel schon kurz nach Wiederbeginn. Bei einem Zweikampf im Strafraum verhielt sich Christopher Avevor zu ungeschickt. Großkreutz nahm die Berührung dankend an, fiel zu Boden und erhielt dafür einen harten, aber vertretbaren Strafstoß. Tobias Kempe verwandelte sicher zum 2:0 für Darmstadt (49.).

Janßen-Elf muss jetzt punkten

St. Pauli bemühte sich in der Folge zwar, zum Anschluss zu kommen und wurde sogar mit einem eher umstrittenen Handelfmeter belohnt. Doch an diesem Abend half selbst dies nichts. Neuzugang Sami Allagui scheiterte mit seinem nicht gut genug platzierten Schuss an Heuer Fernandez (68.).

Den Schlusspunkt setzten dagegen die Darmstädter mit dem 3:0. Bei einem langen Flankenball von rechts blieb Torwart Himmelmann auf der Linie, wehrte zwar den Kopfball von Terrence Boyd noch ab, den Ball aber sprang Yannick Stark so vor die Füße, dass er aus kurzer Distanz das 3:0 (82.) erzielte.

Ein bitterer Abend für den FC St. Pauli, der jetzt schon im nächsten Heimspiel am kommenden Sonnabend gegen den 1. FC Heidenheim unter Druck steht, punkten zu müssen, um nicht sofort wieder in die untere Tabellenregionen zu stürzen.