G20

"Wahnsinnig sauer": St.-Pauli-Profi erlebte Schanzen-Randale

Seit Sonntag befindet sich Philipp Heerwagen mit dem FC St. Pauli im Trainingslager in Österreich

Seit Sonntag befindet sich Philipp Heerwagen mit dem FC St. Pauli im Trainingslager in Österreich

Foto: Witters

Torhüter Philipp Heerwagen wohnt in dem Viertel, das während des Gipfels übel heimgesucht wurde. Jetzt schildert er seine Erlebnisse.

Maria Alm. Die beiden Krawallnächte im Schanzenviertel hatte Philipp Heerwagen noch aus nächster Nähe miterlebt, ehe er am Sonntag mit dem Zweitligateam des FC St. Pauli nach Österreich ins Trainingslager in Maria Alm flog. Hier sprach der 34 Jahre alte Torwart des Kiezclubs am Montag mit dem Abendblatt über seine Erfahrungen und Schlüsse aus den Ereignissen.

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"Es war eine Mischung aus Respekt und Angst vor der Situation und ein bisschen auch Wut. Denn die Randale, die bei uns im Viertel abgegangen ist, die mit Demonstrationen und Protest nichts mehr zu tun hatte, war absolut kontraproduktiv für die Sache, auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen. Den Leuten ging es nur noch darum, Menschen und insbesondere Polizisten zu verletzen. Das hat mich und meine Nachbarn wahnsinnig sauer gemacht", sagte Heerwagen, der seine Wohnung auf der Grenze zwischen Schanzen- und Karolinenviertel hat.

"Eigentlich keiner hat Deutsch gesprochen"

„Man hat mitbekommen, dass von den Randalierern eigentlich keiner Deutsch gesprochen hat. Das waren Franzosen und Skandinavier, Spanisch habe ich auch gehört. Das heißt also, dass Leute bewusst nach Hamburg gefahren sind, um hier Krawall zu machen“, berichtete er weiter.

Dazu erlebte er, wie sich Anwohner selbst gewehrt haben: "In den Innenhof, an den unser Haus angrenzt, hat sich eine kleine Gruppe von Vermummten geflüchtet. Die Anwohner haben von oben gerufen, dass sie sich entfernen sollen. Es hat keine zwei Minuten gedauert, bis Gegenstände auf die Vermummten herunterregneten.“

Heerwagen freut sich über Solidarität

Positiv wertet der sozial sehr engagierte Fußballprofi die nach den Krawallen entstandene Solidarität unter den Einheimischen. „Das Viertel ist wahnsinnig zusammengerückt. Nicht nur die Bewohner selbst, sondern auch Leute aus angrenzenden Wohnvierteln sind zusammengekommen, um aufzuräumen. Sie haben ein Zeichen gesetzt, dass das Viertel ihnen gehört.“

Schon gar nicht sei das Schanzenviertel ein Wallfahrtsort für Leute, die nach Hamburg kommen und Fotos machen, weil dort die Krawalle waren. „Es ist vielmehr ein Ort, der multikulti ist, wo jeder willkommen ist und der natürlich auch linksliberal ist“, findet Heerwagen. „Es ist für mich weiter ein wunderschöner Ort, um dort zu wohnen.“