Zweite Bundesliga

St. Pauli führt im Fall Lienen weiter einen Eiertanz auf

Sagt Trainer Ewald Lienen nach dem Bochum-Spiel Tschüs?

Sagt Trainer Ewald Lienen nach dem Bochum-Spiel Tschüs?

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Das Verwirrspiel um die Zukunft des Trainers geht weiter. Sportchef-Kandidat Ralf Becker weilte am Dienstag in Hamburg.

Hamburg.  Es wird in diesen Tagen rund um den FC St. Pauli viel spekuliert, jedes Wort der Verantwortlichen interpretiert, auf grammatikalische Feinheiten geachtet wie selten zuvor. Redete Ewald Lienen bewusst in der Vergangenheitsform, als er am Sonntagabend nach dem 1:1 gegen Greuther Fürth zu den Fans sprach und die besondere Stimmung („Es hat mich stolz gemacht, da im Stadion zu stehen“) lobte? Oder war diese Aussage ausschließlich auf die großartigen Feierlichkeiten Stunden zuvor bezogen? Man weiß es nicht.

Der Kiezclub befeuert mit seiner Form der Kommunikation jedenfalls seit Tagen die Gerüchte um einen möglichen Abgang seines Trainers. Andreas Rettig sagte in der vergangenen Woche im Abendblatt zwar, dass er Lienen nicht entlassen werde. Festlegen, ob der 63-Jährige auch in der neuen Saison an der Linie stehen werde, wollte der Interimssportchef sich aber nicht. Den vakanten Posten des Sportchefs wird Lienen nicht bekleiden. Welche Szenarien gibt es also? Trennt sich der Verein einvernehmlich von Lienen? Bekommt der Publikumsliebling einen ganz neuen Posten mit repräsentativen Aufgaben? Wird Co-Trainer Olaf Janßen, der Interviewanfragen bis Saisonende abgelehnt hat und erst in der Sommerpause sprechen möchte, in der neuen Saison der Chef? Fragen über Fragen, die aktuell nicht beantwortet werden.

Lienen, Rettig und Göttlich verpassen Chancen

Lienen selbst kritisierte nach dem Fürth-Spiel am vergangenen Sonntag die Tatsache, dass der Fußball auf St. Pauli medial kaum noch eine Rolle spielen würde. Die offenen Personal­fragen beherrschen die Schlagzeilen. Durch Sätze wie: „Übt euch noch ein bisschen in Geduld. Es gibt für alles über kurz oder lang eine Lösung. Wir sollten die Saison erst einmal zu Ende gehen lassen“, nimmt aber auch er keinen Wind aus den Segeln derer, die über die Trainerzukunft rätseln. Am Dienstag ließen Präsident Oke Göttlich und Rettig erneut die Chance verstreichen, sich öffentlich klar zu Lienen, der noch einen Vertrag bis Mitte 2018 hat, zu bekennen und alle Verschwörungstheorien ins Reich der Fabeln zu verbannen.

Dabei würden wenige Worte reichen, um für Klarheit in der Causa Lienen zu sorgen: „Ewald Lienen hat einen Vertrag als Trainer bis 2018. Die Frage nach einem anderen Coach stellt sich nicht.“ Zwei simple Beispielsätze, die für Ruhe sorgen würden.

Kiels Becker „geschäftlich“ in Hamburg

Auf Abendblatt-Anfrage, wie denn die Pläne mit Lienen über das Saison­ende aussehen, wollte sich weder Göttlich noch Rettig äußern. Medienchef Christoph Pieper ließ nur verlauten: „Wir kommentieren grundsätzlich keine Namen oder beteiligen uns bei Personalentscheidungen an irgendwelchen Spekulationen. Wenn Entscheidungen getroffen sind, kommunizieren wir diese zeitnah.“

Zeitnah soll auch die Suche nach einem neuen Sportdirektor abgeschlossen sein. Nach Abendblatt-Informationen war Ralf Becker, Geschäftsführer Sport, bei Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel aus „geschäftlichen Gründen“ am Dienstag in Hamburg. Der 46-Jährige lässt sich ob eines möglichen Wechsels von der Förde an die Elbe nicht in die Karten schauen. „Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu derartigen Spekulationen. Zudem ist der Zeitpunkt sehr unglücklich. Wir haben am Sonnabend nach dem Spiel gegen Halle noch eine große Aufstiegsfeier, auf die wir uns alle sehr freuen.“ Ein Dementi klingt anders. Immerhin muss man festhalten, dass es bei FC St. Pauli in diesen Tagen nicht langweilig wird.