Hamburg

Trainer Lienen vermisst Leidenschaft im Team

Überzahl ohne Wirkung: die St. Paulianer Flum, Nehrig, Gonther, Thy und Koglin (v.l.) gegen die Osnabrücker El Bouazzati und Dercho

Überzahl ohne Wirkung: die St. Paulianer Flum, Nehrig, Gonther, Thy und Koglin (v.l.) gegen die Osnabrücker El Bouazzati und Dercho

Foto: TayDucLam / WITTERS

Der FC St. Pauli enttäuscht beim 0:3 im Testspiel gegen den VfL Osnabrück – Neuzugang Flum ohne Wirkung.

Hamburg.  Der Satz war eine vernichtende, aber ebenso zutreffende Bewertung der Vorstellung seiner Mannschaft des FC St. Pauli. „Ich hätte mir mehr Leidenschaft gewünscht“, sagte Ewald Lienen, nachdem sein Team das auf zweimal 60 Minuten angesetzte Testspiel gegen den VfL Osnabrück im Millerntor-Stadion am Sonntag mit 0:3 (0:1) verloren hatte. „Ich kann nicht zufrieden sein, wie wir aufgetreten sind. Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns“, sagte St. Paulis Cheftrainer weiter.

Als Tabellenschlusslicht in der Pflicht

Dabei steht die Menge an abzuarbeitenden Problemen in einem bedrohlichen Missverhältnis zu der dafür zur Verfügung stehenden Zeit. In nicht einmal mehr drei Wochen, am 29. Januar, wird der Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart zum Rückrunden-Auftakt der Zweiten Liga ans Millerntor kommen. Der FC St. Pauli steht dann als Tabellenschlusslicht in der Pflicht, seine Aufholjagd zu starten.

Am Sonntagnachmittag war in den 120 Minuten gegen den Tabellendritten der Dritten Liga nicht einmal ansatzweise zu erkennen, dass St. Pauli vor einem erfolgreichen Kampf um den Klassenverbleib steht. Dabei hatte Lienen in der ersten Stunde vor den rund 2500 Zuschauern immerhin eine Elf aufgeboten, die annähernd auch die Startaufstellung im ersten Punktspiel nach der Winterpause sein könnte. Es fehlten lediglich die noch nicht wieder vollständig genesenen Lasse Sobiech und Christopher Buchtmann. Auch Stürmer Aziz Bouhaddouz war nicht dabei. Dies könnte aber zum Rückrundenauftakt gegen Stuttgart ebenso der Fall sein, wenn der mit der Nationalmannschaft Marokkos beim Afrika-Cup in Gabun ins Viertelfinale einziehen sollte.

Flum hat wenig Spielpraxis

Im Blickpunkt standen in den ersten 60 Minuten vor allem St. Paulis Winterzugänge Lennart Thy und Johannes Flum. Der nach einem halben Jahr von Werder Bremen auf Leihbasis zurückgekehrte Thy hatte mit seinem Schuss an den Außenpfosten (26. Minute) immerhin eine vielversprechende und auffällige Szene. Flum war hingegen sowohl seine mangelnde Spielpraxis als auch die noch nicht vorhandene Abstimmung mit seinen neuen Kollegen anzumerken.

„Er braucht noch Zeit. Alles andere wäre auch ein Wunder“, sagte Lienen über den 29 Jahre alten Flum, der von Eintracht Frankfurt zum FC St. Pauli gekommen ist, aufgrund von inzwischen auskurierten Verletzungen allerdings seit mehr als einem Jahr kein Punktspiel mehr bestritten hat. „Ich habe mich auf das Spiel gefreut, bin aber von mir selbst enttäuscht“, sagte Flum selbst. „Es war insgesamt kein gutes Spiel von uns. Wir haben noch viel Luft nach oben.“ Es werde jetzt darauf ankommen, dass er seine Mitspieler, deren Gedanken und Bewegungen sehr schnell kennenlerne. „Wir haben nicht viel Zeit“, sagte Flum weiter, der als zentraler Mittelfeldspieler mit langjähriger Bundesligaerfahrung zu einer Schlüsselfigur im Kampf um den Klassenerhalt werden soll. Gegen Osnabrück wirkte er allerdings noch wie ein Fremdkörper, der zudem läuferische Defizite offenbarte.

Dudziak überzeugte trotz Chancen nicht

„Wir haben einiges ausprobiert, was im Training schon besser als heute im Spiel funktioniert hat. Deshalb können wir nicht zufrieden sein. Wir hatten zwar ein paar Druckphasen, haben aber zu viel zugelassen. Auch das erste Gegentor nach einer Ecke darf nicht fallen. Bei ruhenden Bällen müssen wir hellwach sein“, sagte Lennart Thy.

Bedenklich stimmte zudem, dass sich aus dem Team, das die zweiten 60 Minuten bestritt, praktisch kein Akteur nachhaltig für einen Einsatz als Stammspieler empfehlen konnte. „Ich war nicht damit einverstanden, was der eine oder andere gezeigt hat“, sagte Lienen dazu. Mit zwei gefährlichen Torschüssen, davon einer an den Pfosten, setzte sich Jeremy Dudziak in Szene, überzeugte aber ansonsten auch nicht.

Neue Sorgen bereitete zudem Philipp Ziereis. Der Innenverteidiger, der zuletzt wegen eines Muskelfaserrisses wochenlang ausgefallen war, verließ bereits nach zwölf Minuten Spielzeit wieder den Rasen. Es sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, weil er wieder etwas im Oberschenkel gespürt hatte, hieß es später. An diesem Montag soll eine eingehende Untersuchung Klarheit bringen.

Die Tore für den frischer und eingespielter wirkenden VfL Osnabrück erzielten Halil Savran (40. Minute), Robert Kristo (90.) und Addy-Waku Menga (106.) per Foulelfmeter, den Torwart Svend Brodersen verursacht hatte.

FC St. Pauli: 1. Halbzeit (60 Minuten): Heerwagen – Hedenstad, Koglin, Gonther, Keller – Nehrig – Miyaichi, Sahin, Flum, Sobota – Thy. 2. Halbzeit (60 Minuten): Brodersen – Kalla, Avevor, Ziereis (75. Tanovic), Buballa – Park – Dudziak, Pahl, Neudecker, Rosin – Empen.