Nach 0:2-Niederlage

Meggle stärkt krankem Lienen demonstrativ den Rücken

St. Paulis Trainer reiste separat im Zug nach Hannover und kehrte ohne Punkte zurück. Erster Spieler spricht von Abstiegskampf.

Hannover/Hamburg. Der FC St. Pauli rutscht in der Zweiten Liga immer weiter in die Krise. Die Mannschaft von Trainer Ewald Lienen unterlag am Sonnabend trotz couragierter Vorstellung mit 0:2 (0:0). Somit bleiben die Hamburger, die bisher nur eines der ersten acht Saisonspiele gewinnen konnten, in der zweiwöchigen Länderspielpause im Tabellenkeller. Sportchef Thomas Meggle stärkte seinem Coach nach dem Spiel den Rücken. „Wir sehen die Situation kritisch, aber aus meiner Sicht müssen wir nicht beim Trainer ansetzen, wenn man sieht, wie die Mannschaft arbeitet“, sagte Meggle.

Die Gäste traten bei den Niedersachsen mit einem Rumpfkader an. Neben den verletzten Sören Gonther (Knie), Ryo Miyaichi (Wade), Fabrice-Jean „Fafa“ Picault (Rücken, Jeremy Dudziak (Knie) und dem gesperrten Kapitän Lasse Sobiech musste bei St. Pauli kurzfristig auch noch Flügelflitzer Cenk Sahin wegen eines grippalen Infekts passen. Lediglich fünf Feldspieler nahmen auf der Bank Platz, darunter die Talente Maurice Litka, Dennis Rosin und Joel Keller. Auch Trainer Lienen war nicht ganz fit. Der 62-Jährige reiste am Morgen separat mit dem Zug an, da er an einer Magen-Darm-Grippe litt.

Glück in der 32. Minute

Von den Widrigkeiten ließ sich St. Pauli jedoch zunächst nicht anstecken. Die Kiezkicker waren von Beginn an griffig in den Zweikämpfen und ließen Hannovers Offensive kaum zur Entfaltung kommen. Es überraschste nicht, dass der Bundesliga-Absteiger feldüberlegen war und die bessere Spielanlage hatte. Große Chancen hatte aber auch das Team von Trainer Daniel Stendel nicht. So entwickelte sich ein umkämpftes Nordderby und große Höhepunkte. Bei den Gästen war klar das Bestreben zu erkennen, grobe Fehler zu vermeiden und sich auf die Arbeit gegen den Ball zu konzentrieren.

Glück hatte St. Pauli in der 32. Minute, als den Gastgebern ein Tor wegen angeblicher Abseitsstellung von Albornoz aberkannt wurde. Der Ball kam jedoch von St. Paulis Linksverteidiger Daniel Buballa. Schiedsrichter Felix Brych wertete das jedoch offenbar nicht als kontrolliertes Zuspiel. Es war der Auftakt zu einer Drangphase der Gastgeber. Nur sechs Minuten später flog ein Kopfball des Hannoveraners Felix Klaus über den Kasten. Kurz vor der Pause entschärfte der bis dato beschäftigungslose Hamburger Schlussmann Robin Himmelmann einen Distanzschuss von Iver Fossum.

St. Paulis größte Chance hatte in Minute 43 Aziz Bouhaddouz, der an dem ehemaligen Hamburger Philipp Tschauner scheiterte.

Auch in der zweiten Hälfte bot sich den 49.000 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena dasselbe Bild. Die Hamburger standen kompakt, setzten aber immer wieder kleine Nadelstiche. Eine Direktabnahme von Bouhaddouz landete kurz nach dem Seitenwechsel auf dem Netz.

Bouhaddouz verliert Duell vor dem 0:1

Der Aufstiegskandidat aus Niedersachen tat sich lange schwer mit der disziplinierten Spielweise der Hamburger. Gerade im letzten Drittel des Platzes fehlte es dem Bundesliga-Absteiger an Tempo und Ideen. Einzig aus der Distanz kam 96 zum Abschluss. So prüfte der ehemalige Hamburger Sebastian Maier Robin Himmelmann in Minute 59 aus rund 20 Metern.

St. Pauli in der Einzelkritik

Alles deutete auf ein Remis hin, doch St. Pauli kann in dieser Saison einfach nicht zu null spielen. Nach einem Freistoß von Albornoz verlor Bouhaddouz in der 75. Minute das Kopfballduell gegen Hannovers Strandberg, anschließend köpfte Kenan Karaman aus kurzer Distanz ein. Ein Schock für die Kiezkicker. „Da kriegt man so einen Drecks-Freistoß. Das ist kein Foul. Da kriegst du so ein Eier-Tor. Das ist einfach nur bitter. Ich bin es leid, jede Woche zu sagen, dass wir gut gespielt haben. Unter dem Strich haben wir keine Punkte“, sagte Mittelfeldspieler Bernd Nehrig.

St. Paulis Keeper Robin Himmelmann verhinderte in der Schlussphase mit einem herausragenden Reflex gegen Niclas Füllkrug das zweite Gegentor, das in der Nachspielzeit noch fallen sollte. Klaus vollendete einen traumhaften Konter über Martin Harnik zum 2:0.

So blieb es am Ende bei der zweiten Niederlage innerhalb von fünf Tagen. Dem FC St. Pauli stehen schwere Wochen bevor. „Wir sind im Abstiegskampf, keine Frage“, bilanzierte Abwehrspieler Philipp Ziereis.