Zweite Liga

So schuftet der FC St. Pauli für die Wende

St. Paulis Svend Brodersen, Waldemar Sobota und Marvin Ducksch (v. l.) betätigen sich im Training als Torträger

St. Paulis Svend Brodersen, Waldemar Sobota und Marvin Ducksch (v. l.) betätigen sich im Training als Torträger

Foto: TayDucLam / WITTERS

Am Sonntag treten die Hamburger bei Dynamo Dresden als Letzter der zweiten Liga an. Trainer Lienen erklärt, wie es dazu kommen konnte.

Hamburg.  Es war eine klare Botschaft von Ewald Lienen. „Wir müssen aufwachen und uns neu erfinden“, hatte der Trainer des FC St. Pauli nach der 0:2-Heimniederlage vor knapp zwei Wochen gegen Eintracht Braunschweig gesagt. Es war nicht die Tatsache an sich, das erste Heimspiel der neuen Zweitligasaison verloren zu haben, vielmehr gab der von Fehlpässen geprägte Auftritt ohne echte Torchance Anlass zu großer Sorge.

Inzwischen hat die Mannschaft zwar ihr erstes Erfolgserlebnis in einem Pflichtspiel der neuen Saison verbuchen können, doch wie viel der 3:0-Sieg im DFB-Pokal am vergangenen Freitag beim Regionalligatabellenführer VfB Lübeck wirklich wert war im Hinblick auf die nächste Aufgabe in der Zweiten Liga, ist extrem schwer zu beurteilen. Tatsache ist, dass die St. Paulianer weitaus souveräner und ungefährdeter diese Aufgabe gegen ein unterklassiges Team erledigen konnten als etliche andere Clubs aus der Ersten und Zweiten Liga. „Jeder Sieg, auch wenn er gegen einen Regionalligisten erzielt wird, ist wichtig für das Selbstvertrauen und dies auch für die kommenden Spiele in der Meisterschaft“, sagte Lienen nach dem Weiterkommen im Pokal. Auch Kapitän Sören Gonther ist überzeugt: „Es bringt etwas für die Birne, dass wir als Mannschaft defensiv wieder funktionieren.“

Lienen nennt mentale Aspekte

Gleichzeitig hat St. Paulis Cheftrainer Lienen in der Analyse des Fehlstarts in der Zweiten Liga zwei mentale Aspekte als wichtige Ursachen ausgemacht. „Wenn wir die Vorbereitung Revue passieren lasen, müssen wir feststellen, dass wir gegen viele starke Gegner gespielt haben, was so zunächst gar nicht geplant war. Deshalb hatten wir recht wenige Erfolgserlebnisse. Das wirkt sich dann doch aus. Wir haben nicht so viel Selbstvertrauen aufbauen können“, sagt Lienen. Tatsächlich hatte sich St. Pauli gegen leistungsstarke Teams wie Borussia Dortmund (2:3), FC Brünn (0:2), Borussia Mönchengladbach (4:5 nach Elfmeterschießen), Cardiff City (1:2) und den FC Sevilla (1:2) jeweils recht achtbar aus der Affäre gezogen, aber eben keinen Sieg landen können. Noch fataler aber war die Tatsache, dass die Auftaktpartie beim hoch eingeschätzten VfB Stuttgart trotz einer 1:0-Führung, weiterer hochkarätiger Torchancen und einer Überlegenheit in den ersten 60 Minuten noch mit 1:2 verloren ging. „Das hat die Mannschaft mental doch mehr mitgenommen, als wir zunächst gedacht haben. Hätten wir aus Stuttgart etwas mitgenommen, hätten wir auch gegen Braunschweig besser gespielt“, ist Lienen überzeugt.

So ganz allein auf den psychologischen Effekt des erfolgreichen Pokalspiels will das Trainerteam aber verständlicherweise nicht setzen. Seit Montagmorgen werden die Spieler auch physisch auf die Aufgaben beim Aufsteiger Dynamo Dresden vorbereitet. „Wir haben zum Glück eine lange Trainingswoche. Diese Zeit wollen wir nutzen. Deshalb haben wir an den ersten drei Tagen der Woche sowohl sehr intensiv als als auch umfangreich gearbeitet“, sagt Athletiktrainer Janosch Emonts. Bis inklusive Freitag standen und stehen in dieser Woche insgesamt sechs Übungseinheiten auf dem Programm, ehe am Sonnabend noch das Abschlusstraining ansteht. Am Mittwoch gab es zum Auftakt einen anstrengenden Kraftzirkel auf dem Kunstrasen, ehe auf dem Naturrasen mit hohem Tempo eins gegen eins und danach vier gegen vier gespielt wurde.

Bouhaddouz gibt Kampf-Parole aus

Intensive Zweikampfführung und schnelle Torabschlüsse sollten hier trainiert werden, nachdem tags zuvor ausgiebig Flankenbälle und deren direkte Verarbeitung zu Torschüssen auf dem Plan standen. „Wir werden in Dresden die Robustheit und Aggressivität, die wir in dieser Woche trainieren, benötigen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Wir müssen die Zweikämpfe suchen und dürfen keinen Meter weniger laufen als der Gegner“, sagt St. Paulis Stürmer Aziz Bouhaddouz, der bisher das einzige Ligator dieser Saison für sein Team erzielt hat.

Bei aller Entschlossenheit aber gibt es auch personelle Sorgen. Nachdem Lasse Sobiech definitiv ausfällt, fehlte Innenverteidiger-Kollege Philipp Ziereis am Mittwoch wie schon vor zwei Wochen wegen einer Erkrankung. Außenverteidiger Daniel Buballa und Torwart Robin Himmelmann konnten wegen jeweils muskulärer Probleme nur reduziert trainieren. Bei diesem Trio ist der Einsatz in Dresden fraglich.