2. Bundesliga

Charaktertest für den FC St. Pauli in Sandhausen

St. Paulis Sebastian Maier (l.) und Sandhausens Stefan Kulovits beim Hinrunden-Spiel im Oktober

St. Paulis Sebastian Maier (l.) und Sandhausens Stefan Kulovits beim Hinrunden-Spiel im Oktober

Foto: Axel Heimken / dpa

Die Spieler des FC St. Pauli sind am Sonnabend gefordert, ihre Vorsätze zu erfüllen und die dritte Niederlage in Folge zu vermeiden.

Hamburg.  Direkt vor dem Haupteingang des Hardtwaldstadions sind Dutzende von Metallbügeln zum Anschließen von Fahrrädern installiert, die Pkw-Parkplätze sind ein Stück weiter entfernt. Dies ist durchaus bedarfsgerecht, denn für die Bewohner des kleinsten deutschen Zweitligastandortes (14.672 Einwohner) ist die Anreise mit Zweirad sehr empfehlenswert. Selbst zu Fuß ist es aus der Ortsmitte von Sandhausen nur ein kleiner Wochenendspaziergang bis zur inzwischen immerhin 15.300 Zuschauer fassenden Sportstätte, in der an diesem Sonnabend (13 Uhr, Sky live und Liveticker abendblatt.de) der FC St. Pauli anzutreten hat.

Diese äußeren Umstände, zu denen auch noch ein Spielfeld gehört, das scheinbar mehr aus Sand denn als Rasen besteht, sind der Nährboden dafür, die Mannschaft des SV Sandhausen zu unterschätzen, die sich nunmehr schon im vierten Jahr in Folge in der Zweiten Liga tummelt und sich auch durch zweimalige Abzüge von jeweils drei Punkten wegen Lizenzverstößen nicht vom Weg abbringen ließ. Rein sportlich gesehen geht das Team aus dem Rhein-Neckar-Kreis daher auch jetzt nicht als Elfter, sondern als Tabellensiebter in den 27. Spieltag der Zweiten Liga. Gerade einmal zwei Plätze besser steht der FC St. Pauli da.

In den vergangenen Tagen war denn auch St. Paulis Cheftrainer Ewald Lienen nicht müde geworden, auf die Stärken der Sandhausener hinzuweisen, die seit Sommer 2013 von Alois Schwartz erfolgreich trainiert werden. Der 48-Jährige war vor 22 Jahren Spieler beim MSV Duisburg, als dort Ewald Lienen seine erste Station als Trainer im Profibereich antrat. Noch heute schwärmt Schwartz von dessen Art der Menschenführung.

Doch diese Sympathiebekundungen ruhen an diesem Sonnabend für die Zeit des Spiels, in dem Sandhausen einen weiteren großen Schritt zum vorzeitigen Klassenerhalt gehen will, und es andererseits für die Spieler des FC St. Pauli darum geht, nach zwei Niederlagen in Folge und dem vorläufigen Ende der Aufstiegshoffnungen wieder in die Spur zu finden. Kurzum: Für die Kiezkicker ist dieses Spiel ein Charaktertest. In den vergangenen Tagen gab es keinen Spieler, der nicht beteuert hätte, dass man jetzt auf keinen Fall die Saison locker ausklingen und die verbleibenden Spiele abschenken werde. Das klang zwar glaubhaft, doch die diesen Worten müssen auch Taten folgen.

FC St. Pauli ist bis jetzt ohne Platzverweis ausgekommen

Dabei scheint schon vor dem Anpfiff klar, dass es das falsche Rezept wäre, sich nur auf die eigene, möglicherweise etwas bessere Spielkultur zu verlassen. „Sandhausen ist eine der aggressivsten Mannschaften der ganzen Liga, vielleicht sogar die aggressivste. Das zeigen auch alle Statistiken“, sagt Lienen. 63 Gelbe, zwei Gelb-Rote und eine Rote Karte stehen beim SVS in dieser Saison bisher zu Buche, während die St. Paulianer bisher insgesamt erst 48-mal Gelb sahen und noch ohne Platzverweis auskamen. „Man muss darauf eingestellt sein, dass die Sandhausener sehr körperbetont spielen“, sagt Lienen weiter. Daher könnte es auch gut möglich sein, dass der Trainer ausgewiesene Kämpfertypen wie Bernd Nehrig und Jan-Philipp Kalla neu in die Startelf bringt.

Auf jeden Fall geht es für die St. Paulianer darum, ihrem Trainer eine unliebsame Premiere zu ersparen. Seit Lienen am 16. Dezember 2014 das Amt übernahm, hat sein Team noch nie drei Punktspiele in Folge verloren. „Die Mannschaft hat in dieser Woche mit hoher Motivation sehr konzentriert und intensiv trainiert, nachdem sie zuvor zwei Tage freihatte“, berichtet Lienen. Eine Gewähr, dass dies auch unmittelbar zu einem guten und vor allem erfolgreichen Spiel führt, gebe es, so Lienen allerdings nicht. „Aber auf lange Sicht gesehen spielt eine Mannschaft so Fußball, wie sie auch trainiert. Man muss aber aufpassen, dass man nicht über das Ziel hinausschießt, sondern das Training richtig dosiert“, sagt er.

Mittelfeldspieler Bernd Nehrig gibt unterdessen die Richtung für sich und seine Kollegen vor: „Wir wollen nach den beiden jüngsten Niederlagen jetzt den Trend umdrehen und dafür arbeiten, bis zum Ende oben in der Tabelle dabeizubleiben. Es steht zwar fest, dass wir besser sind als in der vergangenen Saison. Aber das ist auch nicht mehr unser Maßstab. Vielmehr wollen wir uns den vierten Platz zurückholen.“

Ähnlich sieht es auch Nehrigs Mittelfeldkollege Marc Rzatkowski. „Jeder Spieler von uns hat den Ehrgeiz, das nächste Spiel zu gewinnen. Ich sehe nicht die Gefahr, dass jetzt die Spannung abfällt“, sagt er im Hinblick darauf, dass sich die Aufstiegschance für sein Team in den beiden vergangenen Wochen auf ein theoretisches Minimum reduziert hat. „Unser Ziel ist ganz klar, unter den ersten fünf zu bleiben. Wir haben uns als Mannschaft so entwickelt und besitzen auch das Potenzial, dass wir dort hingehören.“ Vor zwei Jahren erzielte Rzatkowski in Sandhausen das Siegtor zum 3:2-Erfolg. Eine Neuauflage wäre hilfreich, um die genannten Vorsätze zu erfüllen.

SV Sandhausen: Knaller – Thiede, Kister, Hübner, Paqarada – Kulovits, Linsmayer, Roßbach – Wooten, Vollmann – Bouhaddouz. FC St. Pauli: Himmelmann – Hornschuh, Sobiech, Ziereis, Buballa – Nehrig, Rzatkowski – Kalla, Sobota, Buchtmann – Thy. Schiedsrichter: Schriever (Otterndorf).