FC St. Pauli

Ewald Lienen – die personifizierte Euphoriebremse

Trainer Ewald Lienen bleibt auf dem Teppich

Trainer Ewald Lienen bleibt auf dem Teppich

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Vor dem Auswärtsspiel des FC St. Pauli bei Union Berlin warnt der Cheftrainer vor Überheblichkeit. Ihm wird zu viel gelobt.

Hamburg.  Ewald Lienen ist immer für eine Überraschung gut. Die mahnenden Worte, die der Trainer des FC St. Pauli vor dem Auswärtsspiel bei Union Berlin an diesem Sonnabend (13 Uhr/Sky und Liveticker bei abendblatt.de) wählte, verwunderten deshalb niemanden. „Wir stehen in jedem Spiel mit dem Rücken zur Wand. 18 Punkte reichen bei Weitem nicht aus, um ein Saisonziel zu definieren“, sagte der 61-Jährige, der mit seinem Team nach zehn Spielen immerhin auf Rang drei der Tabelle und nicht, wie es die Botschaft vermuten lässt, erneut im Tabellenkeller beheimatet ist.

Der erfahrene Übungsleiter will die Sinne seiner Spieler schärfen und ins Gedächtnis rufen, dass man den bisherigen Erfolg nicht für selbstverständlich erachten solle. Zuletzt wirkte es so, als würde der Schlendrian Einzug halten. Die peinliche 1:3-Pleite im Testspiel gegen den schleswig-holsteinischen Sechstligisten NTSV Strand vor anderthalb Wochen belegte diese These und verärgerte den Coach.

Dass immer wieder Experten sein Team als Aufstiegskandidaten nennen, passt Lienen überhaupt nicht. Also gibt sich der ehemalige Profi als personifizierte Euphoriebremse. „Diese Diskussionen haben uns nicht gutgetan. Es wird sehr viel gelobt, das führt manchmal dazu, dass die Konzentration verloren geht, weil man denkt, dass man nicht mehr mit dem Rücken zur Wand steht“, sagte Lienen, der eine klare Botschaft an sein Team richtet: „Wir müssen immer wissen, wo wir herkommen, und an den Basics arbeiten.“

Derlei Worte finden bei der Mannschaft durchaus Gehör. Kapitän Lasse Sobiech sieht die 1:3-Heimniederlage vor der Länderspielpause gegen den SV Sandhausen als warnendes Lehrbeispiel. „Wir müssen zurückkommen zu den Tugenden, die uns starkgemacht haben“, sagte Sobiech, „kompakt stehen, die Null hinten halten, über Konter und Standardsituationen die Spiele für uns entscheiden und nicht zu viel daransetzen, Dinge spielerisch zu lösen“, sagte Sobiech, der weiß, dass die kommenden vier Aufgaben Gradmesser für den Leistungsstand sind.

Nach dem schweren Auswärtsspiel bei Union folgen die Duelle mit den Aufstiegskandidaten SC Freiburg und VfL Bochum sowie Fortuna Düsseldorf, die zu den finanzstärksten Clubs der Zweiten Liga zählen. Angst macht dieses ambitionierte Programm den Spielern nicht. Ganz im Gegenteil, ging doch bisher noch keine Partie gegen einen Topclub verloren. Sowohl in Leipzig (1:0) als auch in Braunschweig (0:0) und bei Bundesligaabsteiger Paderborn (0:0) konnte die Mannschaft in der Fremde punkten. Und nach den warnenden Worten des Trainers in dieser Woche dürfte es an Konzentration bei den Spielern nicht mangeln.

Union: Haas – Kessler, Leistner, Puncec, Parensen – Fürstner – Brandy, Kreilach, Daube, Thiel – Wood. St. Pauli: Himmelmann – Hornschuh, Sobiech, Ziereis, Buballa – Rzatkowski, Buchtmann – Sobota, Maier, Dudziak – Thy. Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover).