Abwehrspieler

Sobiechs doppelter Abstiegskampf mit St. Pauli und dem HSV

Ein himmlischer Hoffnungsträger: Lasse Sobiech (l.) wird nach seinem Siegtor gegen Nürnberg von Sören Gonther eingefangen

Ein himmlischer Hoffnungsträger: Lasse Sobiech (l.) wird nach seinem Siegtor gegen Nürnberg von Sören Gonther eingefangen

Foto: Witters

Für den Leihspieler des HSV entscheidet sich die sportliche Zukunft am Wochenende auf mehreren Schauplätzen.

Hamburg. Über den HSV sprechen will Lasse Sobiech im Moment eigentlich nicht. Zumindest nicht über mögliche fußballerische Zukunftsszenarien. Natürlich verfolge der Abwehrspieler des FC St. Pauli, was der Lokalrivale aus dem Volkspark in der Bundesliga veranstaltet, sagt Sobiech. Schließlich geht es ja dann doch irgendwie auch um seine eigene Zukunft. Bis zum 30. Juni ist der 24 Jahre alte Verteidiger noch vom HSV an den Hamburger Zweitligisten ausgeliehen. Gut möglich, dass Sobiech auch in der kommenden Saison in der Zweiten Liga spielt. Für welchen Verein das sein wird, ist allerdings noch völlig offen. Vor den letzten Spieltagen in Liga eins und zwei ist nur eines klar: Sobiech kämpft im doppelten Sinne gegen den Abstieg. Läuft alles perfekt, kann er sich am Wochenende sowohl über den Klassenerhalt seines FC St. Pauli freuen als auch über die Rettung des HSV. Geht alles schief, steigt Sobiech quasi mit zwei Vereinen ab. Ein Szenario, das in dieser Form wohl nur wenige Fußballprofis erlebt haben dürften.

Für Sobiech wäre es ein bitteres Ende einer bislang erfreulichen Saison. Der 5:1-Sieg gegen den VfL Bochum am Sonntag war bereits sein 30. Einsatz. 2684 Minuten stand er in dieser Spielzeit auf dem Platz – kein anderer Profi des Kiezclubs kommt auf diese Zahl. Sobiech hat zudem mit Abstand die meisten Ballkontakte (1589), die beste Zweikampfbilanz (69 Prozent gewonnen), und er spielte die meisten Pässe (1104). Mit vier Toren ist er zudem der beste Torschütze hinter Lennart Thy und Christopher Nöthe (je fünf). Seine Treffer, allesamt nach ruhenden Bällen, waren zudem immer entscheidend und brachten St. Pauli zwölf Punkte. Insbesondere sein Siegtor zum 1:0 gegen Nürnberg in der Schlussminute vor vier Wochen sorgte dafür, dass St. Pauli im Kampf um den Klassenerhalt überhaupt wieder so gut dasteht. „Wir sind alle überglücklich“, sagte Sobiech nach dem jüngsten 5:1-Sieg am Sonntag gegen den VfL Bochum, durch den St. Pauli auf Platz 14 kletterte, allerdings weiterhin nur einen Punkt vor Relegationsplatz 16 und zwei Zähler vor dem direkten Abstiegsplatz 17 liegt.

Bei welchem Verein Sobiech ab Juli unter Vertrag steht, hängt zunächst einmal davon ab, in welcher Liga der HSV spielt. Schafft der Club am letzten Spieltag doch noch den Klassenerhalt, wäre eine Rückkehr Sobiechs zum Stadtnachbarn eher unwahrscheinlich. Beim HSV hat er zwar noch ein gültiges Arbeitspapier bis zum 30. Juni 2016. Allerdings stehen dort mit Johan Djourou, Cléber und Rückkehrer Jonathan Tah drei Innenverteidiger für die kommende Saison unter Vertrag. Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann machen sich ebenfalls noch Hoffnungen auf eine Weiterbeschäftigung. Anders wiegt der Fall bei einem Abstieg des HSV, der einen sportlichen Neuaufbau zur Folge hätte. In diesem könnte Sobiech wiederum eine wichtige Rolle übernehmen.

Dass der kopfballstarke 1,96-Meter-Mann zu den besten Verteidigern der Zweiten Liga gehört, hat er in den vergangenen Monaten mehrfach unter Beweis gestellt. „Mit Lasse setzen wir uns zeitnah zusammen“, verkündete HSV-Sportdirektor Peter Knäbel unlängst. Bislang hat dieses Treffen nicht stattgefunden. „Die Situation ist doch klar. Lasse hat einen Vertrag beim HSV. Alles weitere wird die Zeit zeigen“, sagte Berater Jürgen Milewski dem Abendblatt vor einer Woche.

Im Zuge des derzeitigen Leihgeschäfts verzichtet Sobiech auf Gehalt

Sollte sich der HSV dazu entscheiden, Sobiech im Sommer wieder auf dem Transfermarkt anzubieten, müsste sich der Verteidiger über Anfragen zumindest keine Sorgen machen. Einer der Interessenten ist sein aktueller Verein, der FC St. Pauli. „Klar wollen wir Lasse halten“, sagte Sportchef Thomas Meggle am Dienstag. „Wir werden nach der Saison mit allen Beteiligten sprechen und dann sehen, ob es eine Möglichkeit gibt.“

Um Sobiech zu halten, müsste St. Pauli jedoch nicht nur eine Ablösesumme an den HSV zahlen. Meggle müsste ihn auch überzeugen, weiterhin zu deutlich geringeren Bezügen zu arbeiten, als er es beim HSV tun würde. Bereits im Zuge des derzeitigen Leihgeschäfts verzichtet Sobiech auf einen Großteil seines Gehalts. Allerdings dürfte auch sein Seelenleben in der Zukunftsfrage eine Rolle spielen. Bei St. Pauli fühlt sich Sobiech nicht nur sehr wohl, sondern endlich auch wichtig. Ein Zustand, den er beim HSV zuvor vermisst hatte. Dass er bereits zum dritten Mal in seiner Karriere verliehen wurde (zuvor 2011 vom BVB an St. Pauli und 2012 vom BVB an Fürth), ist für Sobiech zwar kein Problem. Dennoch dürfte auch er sich danach sehnen, seine sportliche Heimat nicht im Jahresrhythmus wechseln zu müssen.

Welche Heimat das sein wird, kann Sobiech selbst beeinflussen. Schafft er mit seiner Mannschaft am Sonntag (15.30 Uhr) in Darmstadt den Klassenerhalt, wären St. Paulis Chancen auf einen Verbleib zumindest ein wenig größer. Dann wäre zudem ausgeschlossen, dass Sobiech gleich mit zwei Vereinen absteigt.