Aufschwung

Das sind St. Paulis Hoffnungsträger im Abstiegskampf

St. Paulis Außenverteidiger Marcel Halstenberg jubelte nach seinem Treffer zum 2:1 gegen den VfL Bochum. Schon eine Woche zuvor war er in Kaiserslautern erfolgreich gewesen

St. Paulis Außenverteidiger Marcel Halstenberg jubelte nach seinem Treffer zum 2:1 gegen den VfL Bochum. Schon eine Woche zuvor war er in Kaiserslautern erfolgreich gewesen

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Halstenberg, Buchtmann, Thy und Kalla sind auch wegen ihrer Tore St. Paulis Hoffnungsträger im Abstiegskampf.

Hamburg.  Einen kleinen Einblick in sein persönliches Seelenleben gewährte Christopher Buchtmann am Tag nach dem 5:1 gegen den VfL Bochum – trotz aller Betonung des Mannschaftsgeistes – dann doch. „Das Tor hat mir mal ganz gut getan“, sagte der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler des FC St. Pauli am Montag nach dem Ausradeln im Niendorfer Gehege. Der angesprochene Treffer war schließlich nicht irgendeiner gewesen. Zum einen bedeutete er kurz nach der Halbzeitpause das 3:1 und damit die Vorentscheidung in dieser Partie. Zum anderen war es überhaupt das erste Tor, das Buchtmann in einem Pflichtspiel im Profibereich erzielt hat.

„Ich hatte in der Szene auch nichts anderes vor, als den Ball auf das Tor zu schießen“, sagte er in der Nachbetrachtung und widersprach dem Eindruck, er habe nach der Balleroberung in der Bochumer Hälfte nach einem Anspielpartner gesucht und erst, als er einen solchen nicht gefunden hatte, den Mut zum Torschuss gefasst.

52 Zweitligaspiele für den FC St. Pauli und zwei Erstliga-Einsätze für den 1. FC Köln musste Buchtmann absolvieren, um zum ersten Mal das Gefühl zu erleben, ein Torschütze zu sein. Zuvor hatte er sich immer mal Frotzeleien seiner Mitspieler anhören müssen. Schlimmer aber waren für den gebürtigen Mindener in dieser Saison die scheinbar nicht enden wollenden Wochen, in denen er wegen verschiedener Verletzungen nicht spielen konnte. Deshalb war das Spiel gegen Bochum erst sein zehnter Einsatz in dieser Saison. Eine Risswunde auf dem Fuß und eine Kniereizung hatten ihn gequält.

Als er dann endlich wieder am Ball war, musste er sich in der U23-Mannschaft des Kiezclubs Spielpraxis holen. Während die Profis in der Zweiten Liga um den Klassenerhalt kämpften, trat er in den Regionalliga-Stadien von Meppen, Havelse und Lübeck an. Am Ende schien es, Cheftrainer Ewald Lienen sei von Buchtmann, der in der Saison zuvor mehrfach erstligareife Auftritte gehabt hatte, wenig überzeugt. „Der Trainer hat in dieser Zeit mehrfach mit mir gesprochen“, erzählte Buchtmann am Montag und zeigte Verständnis für die lange Wartezeit. „Wenn ein Spieler drei Monate ausgefallen ist, ist es richtig, ihn über einen längeren Zeitraum wieder aufzubauen“, sagte er weiter.

Seit dem Heimspiel am 3. Mai gegen RB Leipzig ist Buchtmann nun wieder erste Wahl. Dabei beorderte ihn Lienen auf die zentralen Posten im offensiven Mittelfeld, die „Zehner“-Position. Vor Jahresfrist spielte er noch als „Sechser“, also im defensiven Mittelfeld. „Ich finde es super, weiter vorn zu spielen. Vor allem, wenn man die Zuspiele bekommt“, sagt er. So war es auch schon vor eineinhalb Wochen beim 2:0 in Kaiserslautern, als er bei einem Konter im Strafraum gefoult wurde und so den Elfmeter, der zum Endstand führte, herausholte.

Diesen Strafstoß verwandelte bekanntlich Linksverteidiger Marcel Halstenberg, der jetzt beim 5:1 gegen Bochum gleich noch einmal als Torschütze in Erscheinung trat und somit ebenso wie Buchtmann eines der Gesichter des aktuellen Aufschwungs beim FC St. Pauli ist, der sich in fünf Siegen aus den jüngsten sieben Spielen niedergeschlagen hat. An Halstenberg, der jetzt seit knapp zwei Jahren am Millerntor spielt, ist die Entwicklung des Teams unter Trainer Lienen gut abzulesen. Der aus der Nachwuchsarbeit von Borussia Dortmund stammende Verteidiger hat seine Unsicherheiten im Defensivverhalten weitgehend abstellen können. Interessant ist zudem, dass er auf der linken Seite sehr gut mit dem vor ihm spielenden Daniel Buballa harmoniert, der im vergangenen Sommer eigentlich als direkter Konkurrent für ihn geholt worden war.

Thy hat seine Rolle gefunden

Seine Rolle gefunden hat im Zuge des Aufschwungs auch Offensivspieler Lennart Thy, der zuvor auch schon im linken Mittelfeld oder gar als Außenverteidiger agiert hatte. „Ich bin gelernter Stürmer. Da vorn fühle ich mich wohl“, sagte er am Montag. Tags zuvor hatte er mit den Treffern zum zwischenzeitlichen 1:1 und 4:1 erstmals in seiner Profi-Karriere einen Doppelpack erzielt. Fünf Saisontreffer stehen für ihn jetzt zu Buche, womit er gemeinsam mit Christopher Nöthe die interne Torschützenliste anführt. „Es ist mir egal, ob ich bei uns Torschützenkönig werde. Die Hauptsache ist, dass wir in der Liga bleiben“, sagte Thy.

Seine Torpremiere in dieser Saison hatte Jan-Philipp Kalla, der auch gegen Bochum wieder überzeugte, schon beim Sieg in Kaiserslautern gefeiert. Bei den jüngsten Erfolgen hatte Trainer Lienen den Defensivallrounder auf der für ihn eigentlich ungewohnten Position im rechten Mittelfeld eingesetzt. Doch auch hier funktioniert das Zusammenspiel mit Außenverteidiger Sebastian Schachten. „Wir müssen am Sonntag in Darmstadt genauso spielen wie beim Sieg in Kaiserslautern“, sagte Christopher Buchtmann. Das Quartett, das zuletzt für Tore sorgte, wird dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Kapitän Sören Gonther hat sich gegen Bochum eine Einblutung im rechten Oberschenkel zugezogen. Im Laufe der Woche soll sich entscheiden, ob der Verteidiger im letzten Saisonspiel am Sonntag bei Darmstadt 98 zur Verfügung steht.