FC St. Pauli

Lienens neue Formel für den Klassenerhalt

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Henrik Jacobs

Foto: Selim Sudheimer / picture alliance / INSIDE-PICTUR

Gegen Leipzig überraschte der Trainer mit zwei Außenverteidigern sowie Rückkehrer Buchtmann. Eine Taktik, die zum Trumpf werden kann.

Hamburg. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass St. Paulis Trainer Ewald Lienen bei der Spielvorbereitung auf RB Leipzig den gegnerischen Sponsor Red Bull mit dem us-amerikanischen Energydrink Monster verwechselt hatte. Gleich mehrfach sprach Lienen nach dem 1:0-Sieg gegen die Roten Bullen von den Leipziger Monstern. Damit meinte der 61-Jährige aber keinesfalls die gruselige Spielweise der Sachsen. Die Ausdrucksweise zeugte vielmehr vom Respekt, den Lienen dem Gegner entgegengebracht hatte. „Die hatten riesengroße Spieler“, sagte er über Yussuf Poulsen (1,92 Meter), Lukas Klostermann (1,89) und Co.

Mit einer monstermäßigen Leistung schaffte es St. Pauli, die mit Aufstiegsambitionen nach Hamburg gereisten Leipziger zu schlagen. Es war das Ergebnis einer bemerkenswerten Teamleistung. Eine Leistung die Hoffnung macht, dass der Kiezclub auf der Zielgeraden den drohenden Abstieg in die Dritte Liga doch noch verhindert.

Lienen hatte am Sonntag zunächst mit seiner Aufstellung überrascht. Völlig unerwartet positionierte er auf der rechten Seite mit Sebastian Schachten und Jan-Philipp Kalla gleich zwei Außenverteidiger. So wie er es bereits auf der linken Seite mit Marcel Halstenberg und Daniel Buballa gemacht hatte. „Wenn Buballa und Kalla im Mittelfeld spielen, geht es nicht darum, dass sie einen Lauf nach dem anderen starten, sondern frühzeitig Zweikämpfe gewinnen“, sagte Lienen. Gegen Leipzig gelang dieses Rezept in Perfektion. Buballa und Kalla gewannen nicht nur enorm viele Zweikämpfe, sie starteten zudem noch einen Lauf nach dem anderen. „Man verliert dabei viel Power, aber diese Power brauchen wir, um solche Gegner zu bremsen. Das haben wir super gemacht“, sagte Lienen.

Lob auch für Buchtmann

Ein Lob des Trainers bekam auch Christopher Buchtmann. Der Mittelfeldspieler, der St. Paulis Spiel in den vergangenen zwei Jahren mitgeprägt hatte, kam wegen einer hartnäckigen Kniereizung in diesem Jahr bei den Profis noch gar nicht zum Einsatz. Seine Nominierung im offensiven Mittelfeld hinter der einzigen Spitze Lennart Thy war die zweite große Überraschung an diesem Tag. Buchtmanns technische Fähigkeiten im Spielaufbau waren gegen Leipzig zwar nicht so gefragt, dafür überzeugte er als erster Verteidiger. „Es gab einige Szenen, wo er richtig gut nachgesetzt hat und wir dadurch wieder einen Angriff initiieren konnten“, sagte Lienen. In der Fachsprache bezeichnen die Trainer dieses laufintensive Spiel als Gegenpressing.

Nachdem St. Pauli in den ersten Wochen nach der Winterpause stets um die Spielkontrolle bemüht war, scheint der kampfgeprägte Konterfußball die neue Formel für den Erfolg zu sein. „Schönspielerei ist uns egal. Wenn wir so aggressiv spielen, schlagen wir jeden Gegner“, sagte Buchtmann, der wie in seiner Anfangszeit bei St. Pauli als zweikampfstarker Zehner gefiel. Zu Saisonbeginn kam er meist auf der Doppelsechs zum Einsatz.

Dort überzeugten am Sonntag Dennis Daube und Enis Alushi. Es war Lienens dritte Überraschung, da Julian Koch bis dahin immer in der Startelf stand. „Enis und Dennis sind keine Zweikampfmonster, aber sie haben sich reingebissen“, sagte Lienen, der nun überlegen muss, ob er diese Formationsformel auch in Kaiserslautern anwendet. Denn dort warten auf St. Pauli mit Philipp Hofmann (1,95 Meter) oder Tim Heubach (1,92) die nächsten aufstiegsambitionierten Monster.

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