FC St. Pauli

Ein wichtiger Sieg dank Kallas Angst vor Schachten

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Carsten Harms Henrik Jacobs
Freudenhaus Millerntor: Nach dem Abpfiff bedankt sich die komplette Mannschaft des FC St. Pauli bei ihren Anhängern für die nachhaltige Unterstützung beim 1:0-Erfolg über RB Leipzig

Freudenhaus Millerntor: Nach dem Abpfiff bedankt sich die komplette Mannschaft des FC St. Pauli bei ihren Anhängern für die nachhaltige Unterstützung beim 1:0-Erfolg über RB Leipzig

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Mit dem 1:0 gegen RB Leipzig gelingt St. Pauli erstmals seit Oktober wieder der Sprung auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Profis warnen.

Hamburg.  Es kommt höchst selten vor, dass Ewald Lienen die Worte fehlen. Nach dem hart erkämpften 1:0 (1:0)-Sieg über RB Leipzig am Sonntagnachmittag aber hatte der Trainer des FC St. Pauli genau einen solchen Moment. „Die Leistung meiner Mannschaft macht mich sprachlos, vor allem was sie kämpferisch und läuferisch gezeigt hat“, sagte der 61-Jährige, um dann aber doch noch weitere Worte des Lobes für sein Team zu formulieren. „Wir haben viele Situationen in der Entstehung geklärt, und wenn die Leipziger doch einmal zum Schuss kamen, war Robin da“, sagte Lienen.

Tatsächlich war es den zwar nur wenigen, dafür aber umso spektakuläreren Paraden des Torwarts Robin Himmelmann zu verdanken, dass die Sachsen am Ende ohne Treffer blieben. Insbesondere bei den Schüssen von Emil Forsberg (23. Minute) und Yordy Reyna in der dritten Minute der Nachspielzeit zeigte Himmelmann exzellente Reaktionen und blieb nun in drei Heimspielen in Folge, die allesamt gewonnen wurden, ohne Gegentor.

Der Schlussmann passte sich im positiven Sinne voll an die Leistung seiner Feldspieler-Kollegen an, die sich mit ihren Mitteln und getragen von einer selbst für St.-Pauli-Verhältnisse überaus intensiven Unterstützung der Anhänger den technisch überlegenen Leipzigern entgegen warfen. „Es war der Wahnsinn, was unsere Fans veranstaltet haben. Sie waren unglaublich laut“, sagte Außenverteidiger Sebastian Schachten, der auf der rechten Seite gut mit Jan-Philipp Kalla zusammenspielte und auch verbal harmonierte.

Kalla hatte Angst vor Schachten

So kam auch das Siegtor durch Lennart Thy kurz vor dem Halbzeitpfiff zustande. „Schachter rief mir zu, dass ich den Ball steil auf Lenny spielen solle. Ich habe auch ein bisschen Angst vor ihm, wenn er so schreit, aber ich habe Lenny auch selbst gesehen und ihn auf die Reise geschickt“, erzählte später Kalla über seinen Pass auf den einzigen von Lienen aufgebotenen Stürmer. Thy überwand dabei nach seinem Alleingang Leipzigs Torwart Fabio Coltorti, obwohl er sich im Strafraum den Ball ein wenig zu weit vorgelegt hatte und einige Zuschauer bereits glaubten, Thy würde scheitern. Der 23-Jährige aber fand dann doch noch einen Weg, den Ball an dem früh abtauchenden Coltorti vorbei ins Tor zu bugsieren. Auch das passte an diesem Nachmittag zu einer technisch limitierten aber kämpferisch überragenden Vorstellung der St. Paulianer. „In unserem Überlebenskampf brauchen wir das in jedem Spiel“, sagte Lienen.

Mit der erwartet defensiven Ausrichtung, aber einer doch etwas überraschenden Startaufstellung hatte St. Paulis Trainer sein Team ins Rennen geschickt. So blieb Enis Alushi anstelle des sonst durchweg gesetzten Julian Koch in der ersten Formation. Erstmals unter Lienen kam Mittelfeldkollege Christopher Buchtmann zum Startelf-Einsatz und machte seine Sache als zentraler Akteur hinter der Spitze nach langer Verletzungspause und zuletzt drei ansprechenden Spielen in der Regionalliga Nord gut.

Entscheidend aber waren an diesem Nachmittag im Millerntor-Stadion nicht die individuellen Leistungen, sondern ein mit höchstem körperlichen Aufwand betriebenes Zusammenwirken. „Die Jungs haben gekämpft wie die Bullen“, sagte St. Paulis Sportchef Thomas Meggle nach dem Spiel mit einem süffisanten Hinweis auf die Wappentiere des von einem Getränkekonzern finanzierten Gegners.

Die Spieler warnen weiter

Ein durchaus wichtiges Resultat dieser Vorstellung war für die Hamburger der Sprung auf den 15. Tabellenplatz, der am Saisonende gerade noch für den direkten Klassenverbleib reichen würde. St. Pauli steht damit erstmals seit dem 20. Oktober (10. Spieltag) über dem „Strich“. „Uns ist aber klar, dass die Reise noch längst nicht zu Ende ist“, sagte St.-Pauli-Urgestein Kalla. Auch Enis Alushi ahnt: „Unser Kampf um den Klassenerhalt wird bis zum letzten Spiel und dort wahrscheinlich sogar bis zur letzten Minute gehen.“

Immerhin lässt die kleine Serie von nun drei Heimsiegen in Folge, die allesamt mit einer guten defensiven Organisation und viel Willen erkämpft wurden, hoffen, dass der jetzt erklommene Tabellenrang auch am Saisonende belegt werden könnte. „Für diesen Tag ist es ein gutes Gefühl, aber vor uns liegen noch drei ganz schwere Spiele“, sagte Sebastian Schachten. Zwei davon finden allerdings auswärts bei den Aufstiegsaspiranten 1. FC Kaiserslautern am kommenden Sonnabend und bei Darmstadt 98 (24. Mai) statt. Zum einzig verbleibenden Heimspiel kommt am 17. Mai der VfL Bochum ans Millerntor, der am Sonntag mit dem 4:2 in Aalen dem FC St. Pauli entscheidende Schützenhilfe gab.

Das Schema

St. Pauli: Himmelmann - Schachten (74. Sobota), Sobiech, Gonther, Halstenberg - Alushi, Daube - Kalla (82. Philipp Ziereis), Buchtmann (68. Koch), Buballa - Thy. - Trainer: Lienen

Leipzig: Coltorti - Klostermann, Sebastian, Compper, Jung - Demme (46. Damari) - Teigl (66. Kalmar), Kimmich, Forsberg (76. Frahn), Poulsen - Reyna. - Trainer: Beierlorzer

Schiedsrichter: Benjamin Brand (Gerolzhofen)

Tor: 1:0 Thy (45.)

Zuschauer: 23.584 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Gonther (5), Daube (6), Buballa (2) - Reyna (3), Sebastian (5)

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