FC St. Pauli

Lienens doppelter Ausrutscher auf der Alb

Aua, das tut weh: Ewald Lienen verletzte sich bei einem Sturz an der rechten Hand

Aua, das tut weh: Ewald Lienen verletzte sich bei einem Sturz an der rechten Hand

Foto: imago sportfotodienst / imago/MIS

St. Paulis Trainer verletzt sich bei einem Sturz. Sein Club ist nach einer schwachen Leistung beim 1:2 in Heidenheim wieder Letzter.

Heidenheim. Gleich in zweifacher Hinsicht schwer lädiert musste Ewald Lienen am Sonntagnachmittag die Heimreise aus Heidenheim nach Hamburg antreten. Dabei schmerzte die Handverletzung, die sich der Trainer des FC St. Pauli bei einem Sturz vor der Spielerbank in der zweiten Halbzeit zugezogen hatte ebenso wie die folgenschwere 1:2-Niederlage beim Aufsteiger 1. FC Heidenheim.

Davon kann beim FC St. Pauli noch weniger die Rede als vor dem Spiel. Das 1:2 zog den vorläufigen Sturz auf den letzten Tabellenplatz nach sich, nur wenn Aue an diesem Montag in Braunschweig verliert, rückt St. Pauli auf den 17. Platz vor, der gleichwohl den direkten Abstieg bedeuten würde. „Die Verletzung tut höllisch weh, aber dass wir dieses Spiel hier nicht gewonnen und noch nicht mal einen Punkt mitgenommen haben, bereitet mir noch mehr Schmerzen“, sagte Lienen.

Kapitän Sören Gonther kritisierte nach dem Spiel den fahrlässigen Umgang seiner Mitspieler mit den sich bietenden Möglichkeiten. „Man muss die Entschlossenheit, mit der wir hier in den letzten zehn Minuten im gegnerischen Strafraum agiert haben, schon viel früher zeigen“, sagte er und dachte dabei an die Szene, die in der Nachspielzeit zum 1:2-Anschlusstreffer durch den eingewechselten Stürmer Christopher Nöthe, der den Ball im Nachschuss ins Netz drosch, geführt hatte. Für eine Korrektur des Spielausgangs und einen Punktgewinn aber war es zu diesem Zeitpunkt schon zu spät. St. Pauli bleibt mit nur einem Sieg und vier Unentschieden auf fremden Platz das schwächste Auswärtsteam der Liga.

Gute Ansätze, wenig Präzision

Wie erwartet hatte Lienen anstelle des gelbgesperrten Dennis Daube im defensiven Mittelfeld Enis Alushi in die Startformation beordert. In der Offensive sollte Sebastian Maier anstelle des mit einem Bänderriss ausgefallenen Kyoung-Rok Choi neben John Verhoek für Torgefahr sorgen. Dieser Plan wäre fast schon nach gut vier Minuten aufgegangen, als Maier im Mittelfeld einen Pass der Heidenheimer abfing, sich im Laufduell gegen zwei Gegner durchsetzte, dann aber kurz vor dem Strafraum links am Tor vorbeischoss.

Diese Szene war auch schon typisch für das, was die Zuschauer in der ersten Halbzeit zu sehen bekommen sollten – gute Ansätze, aber in der letzten Konsequenz dann doch nicht die nötige Präzision, um zu einem Torerfolg zu kommen. Insgesamt aber gelang es in dieser Phase den St. Paulianern weitgehend, die gefürchteten schnellen Offensivspieler der Heidenheimer nicht entscheidend zum Zuge kommen zu lassen.

So profitierte St. Pauli nicht nur in der ersten Szene von einem Ballverlust der Heidenheimer, doch auch Waldemar Sobota (11.), Jan-Philipp Kalla (25.) und Enis Alushi (43.) sorgten nur bedingt für Gefahr.

Lienen rügt Kalla für vergebene Chance

Pünktlich zum Wiederanpfiff ging ein Regenschauer auf den Rasen der mit 15.000 Zuschauern ausverkauften Voith-Arena­ nieder, was offenbar den Hamburger Jung Kalla besonders motivierte. Aus einem Gewühl heraus setzte er sich gut durch, tauchte im Strafraum gefährlich auf, doch auch seinen Schuss (48.) aus nur zehn Metern wehrte Keeper Zimmermann ab. „Kalla muss hier das Tor schießen. Dann entwickelt sich das Spiel ganz anders, und wir können hier gewinnen“, sagte Lienen später.

Zehn Minuten später ereignete sich die Sturzszene. „Ich wollte schnell zu einem Ball laufen, der ins Aus geschossen worden war. Beim Bremsen sind mir dann die Füße auf dem Kunstrasen weggerutscht, und ich bin mit meinem ganzen Gewicht auf die Hand gefallen, die einmal komplett umgeschlagen ist. Es ist bestimmt irgend­etwas kaputt gegangen“, sagte Lienen .

Fast zum selben Zeitpunkt verlor sein Team die bis dahin stabile defensive Ordnung und wurde prompt bestraft. Halstenberg ließ seinem Gegenspieler Schnatterer zu viel Platz zum Flanken. Dessen Diagionalpass brachte Niederlechner im Fallen direkt vor das Tor in den Strafraum, wo Leipertz zum 1:0 (62.) einschoss. „Wir haben uns bei beiden Gegentoren dämlich angestellt“, sagte Gonther und bezog sich selbst mit ein. Das Foul des eingewechselten Armando Cooper an Leipertz, das zum Strafstoßtor durch Schnatterer (82.) führte, verdiente ebenso dieses Attribut – wie auch diese nun schon 16. Saisonniederlage der St. Paulianer.

Statistik

1. FC Heidenheim: 1 Zimmermann - 29 Strauß, 23 Kraus (ab 46. Minute 16 Göhlert), 5 Wittek, 14 Scioscia - 18 Griesbeck, 26 Titsch-Rivero - 13 Leipertz (ab 88. Minute 9 Morabit), 7 Schnatterer - 39 Grimaldi (ab 46. Minute Voglsammer), 31 Niederlechner. - Trainer: Schmidt

FC St. Pauli: 30 Himmelmann - 27 Kalla, 3 Sobiech, 26 Gonther, 23 Halstenberg - 19 Alushi, 2 Koch (ab. 60. Minute 40 Cooper) - 28 Sobota (ab 65. Minute 18 Thy), 29 Maier (ab 76. Minute 9 Nöthe), 15 Buballa - 12 Verhoek. - Trainer: Lienen

Schiedsrichter: Christian Dietz (Kronach)

Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Leipertz (62.), 2:0 Schnatterer (82., Foulelfmeter), 2:1 Nöthe (90.)