Menschlich gesehen

Der Kapitän

Es ist noch gar nicht so lange her, als im Millerntor-Stadion des FC St.Pauli nach einem Heimsieg Vicky Leandros’ Hit „Ich liebe das Leben“ aus den Lautsprechern dröhnte. Verantwortlich für diese doch etwas ungewöhnliche Musikauswahl war Sören Gonther,Innenverteidiger des Kiezklubs. Der 27-Jährige macht keinen Hehl aus seinem Faible für deutsche Schlager. Als sein Team kürzlich im Trainingslager in Villach war, sammelte er ein paar Mitspieler zusammen, um am Abend zur „Starnacht am Wörthersee“ ins nahe gelegene Klagenfurt zu fahren. Da es für den Auftritt von Helene Fischer, Conchita Wurst, Peter Kraus und Co. keine Karten mehr gab, gaben sich die St. Paulianer auch mit einem Platz beim Public Viewing am Ufer des Sees zufrieden.

Auf die Qualität der Vorbereitung auf die neue Zweitligasaison hatte der Ausflug für Gonther jedenfalls keine negativen Auswirkungen. Am Sonnabend ging der Familienvater als neuer Kapitän des FC St. Pauli und Nachfolger des Idols Fabian Boll im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt im wahrsten Sinne des Wortes voran – in Zweikämpfen, bei Verbalduellen mit Gegenspielern und dem Schiedsrichter und schließlich auch bei seinem Treffer zum erlösenden 1:1-Ausgleich. Wenn er nicht gerade auf dem Spielfeld „on fire“ ist, wie er selbst sagt, ist Sören Gonther ein überaus freundlicher, eloquenter Zeitgenosse, der weit über den Tellerrand der Scheinwelt Profifußball hinausblickt.