2. Bundesliga

St. Paulis Torwarttrainer Hain erwägt Comeback

Nach den Verletzungen von Tschauner, Himmelmann und Bieren will der 41-Jährige die Spielberechtigung für die Zweite Liga beantragen.

Hamburg. Mehr als drei Jahre nach seinem letzten Profispiel könnte Mathias Hain, der Torwarttrainer des FC St. Pauli, am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) im Zweitliga-Heimspiel gegen den VfR Aalen sein Comeback geben – zumindest als Ersatzspieler. Was zunächst anmutet wie ein verspäteter Aprilscherz, hat einen absolut realen Hintergrund. „Ich denke ernsthaft daran, die Spielberechtigung zu beantragen und mich der dafür notwendigen Untersuchung zu unterziehen“, sagte der 41 Jahre alte Hain am Ostermontag im Gespräch mit dem Abendblatt.

Der Grund für dieses Vorhaben ist die dramatische Personalsituation der St. Paulianer auf der Torwartposition. Nachdem sich Stammtorhüter Philipp Tschauner im Heimspiel gegen Kaiserslautern (2:3) vor elf Tagen eine Subluxation der Schulter zugezogen hatte, erwischte es bekanntlich seinen Stellvertreter Robin Himmelmann am Gründonnnerstag beim Warmmachen vor dem Auswärtsspiel in Cottbus (1:1). Inzwischen steht fest, dass sich Himmelmann einen Sehnenabriss im oberen Bereich des rechten Armes zugezogen hat und auf jeden Fall für die abschließenden drei Punktspiele der Zweiten Liga, womöglich aber noch deutlich länger ausfällt. Eine umfangreiche Untersuchung beim Spezialisten soll an diesem Dienstag die Frage beantworten, ob Himmelmann operiert werden muss.

Erste Wahl für das St.-Pauli-Tor im Heimspiel gegen Aalen ist Philipp Heerwagen, der schon in Cottbus fünf Minuten vor Spielbeginn unverhofft eingesprungen war und seine Sache gut machte. „In der Schlussphase hat Philipp uns den einen Punkt gerettet“, sagte Mathias Hain. Problematisch aber ist, wer als Ersatz für Heerwagen im Kader stehen soll. Erster Kandidat hätte U19-Torwart Mitja Bieren sein können, der schon häufig bei den Profis mittrainiert hat. „Er hat sich aber leider in der vergangenen Woche einen Muskelfaserriss zugezogen“, berichtete Hain.

Nächster Anwärter wäre der U23-Torwart Alkan Tunca, 20, der in den Auswahlmannschaften der Türkei schon internationale Erfahrung sammelte. „Ich habe ihm in dieser Woche freigegeben, weil er sich auf seine anstehenden Abiturprüfungen vorbereiten soll. Dabei wird es auch bleiben, weil es für ihn sehr wichtig ist“, sagt Hain. Dennoch erscheint es möglich, dass Tunca am Sonntag doch in den Profikader berufen wird. Weitere Alternativen wären noch der U23-Trainingstorwart Christian Schau und der gerade 17 Jahre alte Svend-Arvid Brodersen, der am Montag am Profitraining teilnahm – oder eben doch Mathias Hain.

„Mein letztes Spiel habe ich am Ende der Bundesliga-Hinserie 2010/2011 im Heimspiel gegen Mainz 05 bestritten“, erinnert sich Hain, der sich zutraut, „noch ein Spiel hinbekommen“ zu können. „Ich werde in dieser Woche aktiv mittrainieren“, kündigte er schon mal an. Er gab aber auch ehrlich zu: „Mir fehlt die Dynamik, um in die Ecken zu kommen. Die Athletik geht mir doch etwas ab.“ Ansonsten aber hat Hain in den rund drei Jahren nach seinem Karriereende im Frühjahr 2011 sein Gewicht praktisch halten können, weil er im täglichen Training mit den Torhütern immer selbst viel in Bewegung ist. An der Ausrüstung wird es auch nicht mangeln. „Zufällig habe ich gerade in der vergangenen Woche eine neue Lieferung mit Torwarthandschuhen bekommen“, erzählte er.

Unterdessen geht der 31 Jahre alte Philipp Heerwagen offenbar recht gelassen in die Trainingswoche, an deren Ende er am Sonntag als Mitglied der Startelf auf den Rasen des Millerntor-Stadions laufen wird – sofern nicht auch bei ihm noch etwas dazwischenkommt. „Ich werde genauso trainieren wie sonst auch und nichts Besonderes machen. Schließlich bereite ich mich immer in der Woche so vor, als wenn ich am Wochenende spielen würde“, sagte Heerwagen am Montag. Vor allem dank des Athletiktrainings mit Timo Rosenberg und des Torwarttrainings mit Mathias Hain sei er in einer sehr guten körperlichen Verfassung.