FC St. Pauli

Karriereende? Kapitän Boll will ehrlich zu sich selbst sein

Geht jetzt alles ganz schnell? Der 34-Jährige deutet seinen baldigen Abschied beim FC St. Pauli an. Rekonvaleszent Daube setzt im Konkurrenzkampf auf Flexibilität.

Hamburg. Fabian Boll biegt auf die Zielgerade ein. Am Dienstagmorgen stand für ihn und seine Kollegen eine gut einstündige Laufeinheit auf dem Programm. Für den Kapitän des FC St. Pauli ist es wohl die letzte Saisonvorbereitung seiner Karriere. Aus etwaigen Gedankenspielen macht der 34-Jährige inzwischen keinen Hehl mehr. „Im Sommer werde ich 35, in den letzten eineinhalb Jahren habe ich verletzungsbedingt acht Monate gefehlt – das zerrt schon an mir und es wird nicht einfacher“, sagt er.

In den vergangenen drei Monaten hatte Boll wegen eines Innenbandrisses im Knie gefehlt, musste sich noch einmal durch unzählige Rehastunden quälen. Nun ist er zurück auf dem Platz, doch er selbst setzt ein Fragezeichen hinter seine sportliche Leistungsfähigkeit. „Das Knie ist heil, der Rest des Körpers gewöhnt sich gerade an die Belastung“, erklärt Boll. Aber: „Ich mache die Vorbereitung mit, um zu sehen, ob ich an das Niveau der Mannschaft herankommen kann. Wenn nicht, bin ich ehrlich zu mir selbst ...“ Dann würde der defensive Abräumer seine Profikarriere nach zwölf Jahren beim FC St. Pauli beenden. Möglicherweise sogar vor Ablauf seines Vertrages im Juni. „Im Spätherbst oder gar Winter meiner Karriere kann ich alles entspannt sehen“, sagt der gebürtige Bad Segeberger.

Vor dem Abschied kümmert sich der bei Facebook sehr aktive Profi bereits um die Trikotsammlung seiner Laufbahn. In dem sozialen Netzwerk wandte er sich auf der Suche nach fehlenden Shirts an seine 14.580 Follower. „Heim- und Auswärtstrikot der Saison 2008/2009 fehlen vor allem noch“, sagt Boll, dessen aktuelles Trikot mit der Nummer 17 nach eigener Aussage nun vergriffen ist. Denn dies hatte er als Tauschobjekt angeboten.

Boll hat große Konkurrenz

Wie oft er jenes in Verbindung mit der Kapitänsbinde noch tragen wird, ist fraglich. Denn die Konkurrenz auf seiner Position als Sechser ist riesengroß. Mit Christopher Buchtmann ist einer der herausragenden Akteure der Vorrunde dort praktisch gesetzt. Neuzugang Tom Trybull bewirbt sich um jene Rolle genauso wie Dennis Daube. Der 24-Jährige ist nach einem Außenbandriss im Knie wiedergenesen.

Die gesamte Hinrunde hatte das Hamburger Eigengewächs deshalb verpasst. Zu Beginn der Sommervorbereitung hatte sich Daube verletzt, sollte sechs Wochen ausfallen. Als er zurückkehrte, zog er sich im zweiten Training selbige Verletzung erneut zu. „Das war eine sehr, sehr harte Zeit für mich“, gibt er zu: „Als die Ärzte gesagt haben, ich müsse zwölf bis 14 Wochen pausieren, war ich niedergeschlagen.“

Die laufende Saison sollte sein Jahr werden. Endlich wollte Daube den Stempel „ewiges Talent“ ablegen. Endlich Stammspieler werden. Im Sommer läuft sein Vertrag beim FC St. Pauli, wo er als 18-Jähriger anfing, aus. „Ich fühle mich hier sehr wohl, meine Familie und Freunde sind in Hamburg und St. Pauli ist ein toller Club“, sagt Daube. Argumente für eine Verlängerung muss er jedoch zunächst auf dem Platz liefern.

Druck, den will er sich nach der langen Pause nicht machen. „Gut reinkommen, zur Mannschaft finden“, so formuliert Daube seine kurzfristigen Ziele. Ein Gespräch mit Roland Vrabec hat er schon geführt. Der Trainer sieht in Daube einen flexibel einsetzbaren Spieler. Auf der zentralen Sechserposition, in den Halbpositionen auf der Außenbahn und als Spielmacher könne er spielen, hat Vrabec ihm durchaus Chancen auf Einsätze eingeräumt. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein – für Daube und auch Fabian Boll.