Menschlich gesehen

Herzenssache

Es ist kaum drei Wochen her, da schlenderte der Dreitagebart-Träger mit seinem Sohn an der Hand durchs Viertel rund um die Wohlwillstraße, kaufte Cheeseburger in der „Kleinen Pause“ und blieb unerkannt. Spätestens seit Montagabend, als Roland Vrabec am Millerntor vor fast 28.000 Zuschauern sein Debüt als Cheftrainer des FC St. Pauli feierte, dürfte sich dies geändert haben. Im Sommer heuerte der 39-Jährige beim Kiezclub als Co-Trainer an, vor zwei Monaten kamen seine Frau und die beiden Söhne aus Frankfurt am Main nach. Gemeinsam zogen sie ins Viertel. Zwischen Reeperbahn und Schanze hat die Familie ein Zuhause gefunden – im Herzen von St. Pauli.

Lang ist es her, dass der Trainer des Stadtteilvereins dort auch den Lebensmittelpunkt hatte. Äußerlich unterscheidet sich Vrabec kaum von seinen Vorgängern – auch er trägt Glatze. „Ein Einstellungskriterium“, scherzte er einmal. Zwei Narben zeichnen den kahl geschorenen Hinterkopf. Folgen eines schweren Verkehrsunfalls.

Von seinem Weg ließ er sich dadurch nicht abbringen. Der gebürtige Frankfurter war nie Profifußballer. Das Training seiner Coaches gefiel ihm nicht, er wollte selbst Spieler entwickeln. Er studierte Sportwissenschaften, erwarb alle Trainerlizenzen und arbeitete sich die Karriereleiter hinauf. „Wenn du nicht Profi warst, fängst du nicht in der Ersten oder Zweiten Liga an“, wusste er. Nun ist er angekommen. Im Herzen von St. Pauli.