Idrissou stoppen, in Kaiserslautern punkten

Der FC St. Pauli muss im Auswärtsspiel auf dem Betzenberg vor allem den Stürmer in den Griff bekommen, von dessen Toren der FCK abhängig ist

Hamburg. Auf dem Papier ist für die Mannschaft des FC St. Pauli das Rezept für einen Erfolg im Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern an diesem Sonnabend (13 Uhr) ganz einfach. Das Team, insbesondere die beiden Innenverteidiger Markus Thorandt und Sören Gonther, müssen nur Kaiserslauterns Top-Stürmer Mohamadou Idrissou am Toreschießen hindern. Die Statistik ist eindeutig. Die „roten Teufel“ haben in dieser Spielzeit nur dann gewonnen, wenn Idrissou mindestens einen Treffer erzielte. Die einzige Ausnahme von dieser Regel gab es am ersten Spieltag, als Idrissou aber immerhin die Torvorlage zum 1:0-Siegertreffer des FCK beim SC Paderborn gab.

In seinen bisher neun Spielen dieser Saison kam der 33 Jahre alte Idrissou auf sieben Treffer. Bis zum vergangenen Wochenende, als Paderborns Mahir Saglik gleich viermal beim 6:1 in Düsseldorf traf, führte er auch die Torschützenliste der Zweiten Liga an. Kaiserslautern holte 17 seiner bisher 19 Punkte, wenn Idrissou spielte. Als er wegen einer Rotsperre, die er sich beim 0:4 in Aalen eingehandelt hatte, drei Spiele lang fehlte, blieb sein Team ohne Sieg und holte lediglich zwei Zähler. Der 1. FC Kaiserslautern ist also derzeit ähnlich stark von Idrissou anhängig wie der FC St. Pauli in der vergangenen Saison von seinem damaligen Torjäger Daniel Ginczek, der mit seinen 18 Treffern einen mehr als Idrissou erzielte.

St. Paulis Abwehrrecke Thorandt hat in seiner Karriere schon diverse direkte Duelle mit Idrissou bestritten und so seine Erfahrungen mit dem 1,91-Meter-Mann aus Kamerun gemacht. „Es war immer hitzig, gegen ihn zu spielen. Er ist einer, der seine Emotionen auf dem Platz auslebt. Jeder Zweikampf ist heiß, aber nicht unfair“, sagt Thorandt. Letzteres trifft bei Idrissou allerdings nicht immer zu. Zuletzt war es ein Schlag gegen seinen Aalener Gegner Oliver Barth, der ihm einen Platzverweis und die besagte Rotsperre bescherte. In der vergangenen Saison hatte er Kai Bülow seinen Ellenbogen derart ins Gesicht gerammt, dass der Verteidiger von 1860 München eine aufgeplatzte Lippe und eine herausgeschlagene Zahnkrone davontrug. Diese Tat blieb ungeahndet. Dennoch stehen in Idrissous Bilanz sieben Platzverweise in zwölf Jahren allein in Deutschland, wo er für acht verschiedene Clubs spielte.

Einer davon war in der Saison 2010/2011 auch Borussia Mönchengladbach in der Ersten Bundesliga. Damals war Michael Frontzeck, der aktuelle Trainer des FC St. Pauli, Coach der Gladbacher. „Sportlich bringt er viel mit, ist laufstark und hat einen guten Schuss“, sagt Frontzeck. Dessen Amtszeit in Mönchengladbach endete bekanntlich unfreiwillig und vorzeitig im Februar 2011 nach einer 1:3-Niederlage beim FC St. Pauli am Millerntor. In jenem Spiel blieb Idrissou – fast überflüssig zu erwähnen – ohne Torerfolg.

Doch Frontzeck deutet auch die problematische Seite des Stürmers an. „Mo steht sich aber ein Stück weit selbst im Weg“, sagt er, um dann aber sofort klarzustellen: „Ich will ihn nur sportlich bewerten.“ Außerhalb des Sportlichen hatte Idrissou zuletzt im Sommer dieses Jahres Schlagzeilen produziert. In Frankfurt/Main wurde gegen ihn eine Strafanzeige wegen Bedrohung und Beleidigung gestellt. Adressat der per SMS verschickten Todesandrohung soll seine Ex-Freundin gewesen sein.

Im August untersagte das Amtsgericht Frankfurt dem Fußballprofi, sich der Wohnung der Frau und ihr persönlich auf weniger als 75 Meter Entfernung zu nähern. Auf der anderen Seite erstattete Idrissous Anwalt Michael Bockler Anzeige gegen die Frau wegen Unterschlagung. Wertgegenstände im hohen fünfstelligen Wert seien aus seiner Wohnung verschwunden, als die „langjährige Bekannte“ auf der Suche nach einer Wohnung Idrissou um Hilfe gebeten habe.

Diese Turbulenzen hinderten Idrissou allerdings nicht daran, Tore für den FCK zu erzielen und auch in die Nationalmannschaft Kameruns zurückzukehren. Nach dem 0:0 im Play-off-Hinspiel in Tunesien haben er und sein Team vor dem Rückspiel in diesem Monat reelle Aussichten, sich für die WM im kommenden Jahr in Brasilien zu qualifizieren. Am liebsten würde Idrissou dies als erneuter Bundesliga-Aufsteiger tun. Seit 2007 ist ihm der Sprung von der Zweiten Liga ins Oberhaus mit dem MSV Duisburg, dem SC Freiburg und Eintracht Frankfurt gelungen.

Bei den jüngsten beiden Aufeinandertreffen der zwei Teams in der vergangenen Saison ging Mo Idrissou übrigens leer aus, St. Pauli gewann die Spiele mit 1:0 am Millerntor und mit 2:1 im Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg. Auch hier bewahrheitete sich also das Erfolgsrezept: Wer es schafft, Idrissou zu stoppen, hat eine gute Siegchance. Doch der Stürmer hat sich nach zuletzt zwei für ihn selbst torlosen und für seine Mannschaft sieglosen Spielen gegen Karlsruhe (2:2) und in Bochum (0:0) jetzt im Heimspiel gegen den FC St. Pauli einiges vorgenommen. „Da treffe ich wieder“, verkündete er im Vorfeld der Partie vollmundig.