2. Fussball-Bundesliga

St. Pauli mit Glück, Verhoek und Tschauner in die Spitze

St. Pauli rückt durch das 2:1 gegen FSV Frankfurt in der Tabelle kräftig vor. Beeindruckt hatte allerdings der Gegner – und Torhüter Tschauner.

Hamburg. Christopher Buchtmann feuerte den Ball in hohem Bogen auf die Südtribüne, seine Kollegen rissen die Arme hoch und sanken erschöpft zusammen. Ein kollektives Aufatmen war von den Rängen bis auf den Rasen im Millerntorstadion zu vernehmen, als Schiedsrichter Robert Kampka nach 93 Minuten zwischen dem FC St. Pauli und dem FSV Frankfurt abgepfiffen hatte. Mit dem glücklichen 2:1 (1:0)-Heimsieg schnuppert St. Pauli vorerst auf Tabellenplatz fünf Höhenluft.

Nur nach dem ersten Spieltag stand das Team unter Trainer Michael Frontzeck in der Tabelle besser da. „Wir dürfen auch mal schlecht spielen und dann gewinnen, das ist mir lieber als andersrum“, sagte Torhüter Philipp Tschauner, während Frontzeck die Siegformel „etwas Glück plus Tschauner“ ausgemacht hatte. Kapitän Fabian Boll wollte sich indes „nicht für den Sieg entschuldigen“, gleichwohl er erhebliche Mängel im Spiel seiner Braun-Weißen erkannt hatte. Anders als im vorangegangenen Heimspiel gegen Dynamo Dresden (2:1), als St. Pauli zwar glücklich, aber hochverdient zu drei Punkten kam, hatte auch Frontzeck keine Überlegenheit ausmachen können: „Ich kann nicht sagen, dass es verdient war, aber wir haben in anderen Spielen auch mal unnötig Punkte liegen gelassen.“

Auf einer Position hatte der Coach sein Team gegenüber der 2:3-Niederlage bei Union Berlin verändern müssen. Rechtsverteidiger Bernd Nehrig meldete sich am Freitagabend mit einer entzündeten Achillessehne ab, weshalb Kevin Schindler nach langer Verletzungspause zu seinem ersten Startelfeinsatz in dieser Saison kam. Jener Schindler war es dann auch, der nach drei Minuten einen überragenden Pass von Buchtmann scharf in die Mitte brachte, wo St. Paulis Top-Torjäger John Verhoek am kurzen Pfosten zu seinem vierten Saison- und ersten Heimspieltreffer gegen die Frankfurter Ex-Kollegen vollstreckte. „Ich bin immer am ersten oder zweiten Pfosten, das sind meine gefährlichen Punkte“, erklärte Verhoek. Bei seinem Jubellauf zur Ersatzbank hatte sich der Niederländer diesmal Sturmnachwuchs Michael Gregoritsch als Partygast ausgesucht. Schon in Bochum jubelte er gemeinsam mit Christopher Nöthe und demonstrierte den Zusammenhalt der Offensivkonkurrenten. Der einstudierte Spielzug „wie vom Reißbrett“ (Frontzeck) sollte jedoch über die gesamte Spielzeit der beste Angriff der Hamburger bleiben.

Ungewohnt schnelle Ballverluste

Über die enorm schnellen und spielstarken Offensivspieler Denis Epstein, Matthew Leckie, Michael Görlitz und Edmond Kapllani entfachte Frankfurt fast über die gesamte Partie deutlich mehr Druck. Vor allem auf den Außenbahnen hatten die Gäste permanent die Hoheit. Schindler musste sich in der ersten Hälfte fast im Minutentakt von Epstein überlaufen lassen und zuhauf Flanken zulassen. Erst nach 77 Minuten reagierte Frontzeck auf die Schwachstelle und brachte Jan-Philipp Kalla für den ausgepumpten Schindler. Das schnelle Umschaltspiel des FSV schuf immer wieder Räume, die die Gastgeber selten zu füllen wussten. Gewonnene Bälle gab St. Pauli ungewohnt schnell wieder preis. „Wir hatten zu große Abstände, haben die Bälle zu leicht verloren“, gab Boll zu, der eine weitere konkrete Schwäche erkannt hatte: „Wir gehen viele Wege umsonst. Wir müssen lernen, richtig zu laufen.“ Konkret: St. Pauli marschiert in fast jeder Partie mehr Kilometer als der Gegner, läuft dennoch zu oft hinterher. „Das kostet richtig viele Körner“, erklärte der 34-Jährige Boll die Tatsache, dass seine Mannschaft im Schlussdrittel konditionell an die Grenzen geriet.

Dass die Vorstöße der Hessen jedoch ohne Ertrag blieben, war vor allem einem glänzend aufgelegten Torhüter Tschauner zu verdanken. Gegen Leckie (7. und 10. Minute), Görlitz (13.), Kapllani (22./37.) und Konrad (22.) rettete St. Paulis Schlussmann allein in Hälfte eins sechsmal stark. Mit dem 2:0 durch einen abgefälschten Schuss aus 16 Metern stellte Marc Rzatkowskis erster Treffer für St. Pauli die Verhältnisse am Millerntor nach 58 Minuten endgültig auf den Kopf. Einzig durch ein kurioses Eigentor war Tschauner an diesem Sonnabendnachmittag zu überwinden. Kapllani hatte es aus der Drehung versucht, doch erst abprallend vom Hinterteil des am Boden liegenden Marcel Halstenberg landete der Ball im Netz (63.). Ein Dreifachwechsel von Gästetrainer Benno Möhlmann (64.) sollte noch für die endgültige Wende sorgen, dämpfte vielmehr jedoch den Offensivdruck der Frankfurter.

Für Ruhe konnte Frontzecks Elf dennoch bis zum Schluss nicht sorgen, weil seine Spieler kaum für Entlastung sorgten. Eine Gelb-Rote Karte für Frankfurts Nils Teixeira (89.) spielte den ausgepumpten Hamburgern in die Karten. „Es war hochintensiv. Wir mussten bis an die Grenzen gehen“, sagte Frontzeck später und zog daraus für die Profis erfreuliche Konsequenzen: Zwei Tage Erholungsurlaub! „Ich habe gesehen, wie die Jungs in der Kabine saßen. Da ist nicht mehr viel Saft drin.“ Bis kommenden Montag hat der FC St. Pauli Zeit zur Regeneration. Dann wartet am Millerntor mit Fortuna Düsseldorf eine wohl kaum leichtere Aufgabe.