Fussball-Bundesliga

FC St. Pauli von Werder eiskalt erwischt

Foto: WITTERS / Witters

Die Negativ-Serie hält: Der FC St. Pauli erweist sich beim 0:3 in Bremen erneut als Aufbaugegner und ist bereits seit sechs Spielen sieglos.

Bremen. Seit zwei Jahren wird zwischen Hamburg und Bremen kräftig gebaut. Weil der Verkehr auf der A1 künftig auf drei Spuren rollen soll, geht es meist nur langsam voran. Den Eindruck einer Großbaustelle machten zuletzt auch zwei Fußball-Teams aus den beiden Hansestädten. Werder Bremen hatte vor dem erlösenden 3:0 gegen den FC St. Pauli vom Sonntag sieben Pflichtspiele in Serie nicht gewonnen, für den Kiezklub bedeutet die neuerliche Pleite im Weserstadion das sechste Spiel in Folge ohne Sieg. Während Bremens Trainer Thomas Schaaf nun ein wenig durchatmen kann, kommt auf seinen Amtskollegen vom FC St. Pauli, Holger Stanislawski, viel Aufbau-Arbeit vor dem Duell mit Mitaufsteiger 1. FC Kaiserslautern am Freitag zu.

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In Bremen hatte sich Stanislawskis Team einmal mehr als Aufbau-Gegner erwiesen, im Angriff gute Chancen nicht genutzt und in der Verteidigung den nach dem Aus in der Champions League angeschlagenen Gegner zum Toreschießen eingeladen. "Wir haben zum vierten Mal eine Mannschaft, der es richtig schlecht geht, beatmet", sagte St. Paulis Sportchef Helmut Schulte nach der Partie. Auch Köln (1:0), Stuttgart (2:0) und Schalke (3:0) hatten in Krisensituationen gegen die Braun-Weißen gewonnen. "Wo Not ist, wird geholfen", erklärte Schulte sarkastisch. "Wir sind ja ein sozialer Verein. Aber jetzt müssen wir uns erst mal selbst helfen." Ein Punkt und 2:13 Tore aus den letzten sechs Spielen sprechen für sich.

St. Pauli war in Bremen bei Minusgeraden im wahrsten Sinne eiskalt erwischt worden. Bereits nach 53 Sekunden nutzte Werder-Stürmer Hugo Almeida die Lücken im Hamburger Deckungsverbund zur Führung, später schloss der Portugiese zwei Konter zu den weiteren Treffern ebenso eiskalt ab. "Es waren heute viele Geschenke, die beide Seiten gemacht haben", sagte Schulte. "Aber nur Almeida hat sie angenommen. Es war noch nie so einfach wie heute, hier Punkte mitzunehmen." In der Tat hatte Werder, das ohne zwölf (!) verletzte oder gesperrte Spieler angetreten war, St. Pauli keineswegs an die Wand gespielt. Der Kiezklub war über weite Strecken optisch überlegen, Zählbares sprang jedoch einmal mehr nicht heraus.

Stanislawski hatte wie beim ansehnlichen 1:1 gegen Wolfsburg auf das offensivere 4-1-4-1-System mit Fabian Boll allein in der Defensivzentrale gesetzt, beorderte jedoch Matthias Lehmann nach dem Rückstand frühzeitig zurück. Nach einer knappen Stunde nahm der Coach dann Boll vom Platz und brachte den offensiveren Deniz Naki. Am negativen Ausgang des Spiels sollte das nichts ändern. "Ich bin restlos enttäuscht. Schon nach 50 Sekunden geht das Theater in die falsche Richtung", sagte Stanislawski, der seine Stimmungslage in zwei Worten auf den Punkt brachte: "Es nervt!"

Als hätte St. Pauli aktuell nicht schon genug Probleme, muss sich Stanislawski nun auch noch einen neuen Innenverteidiger suchen. Markus Thorandt sah kurz vor dem Abpfiff nach einem überharten Einsteigen gegen Bremens Ex-Nationalspieler Torsten Frings die Rote Karte und muss nun mit einer mehrwöchigen Sperre rechnen. "Ich will ihn nicht foulen, komme aber zu spät, der Ball war klar weg, und ich treffe nur seinen Fuß", gestand Thorandt ein. "Ich denke, dass man die Rote Karte geben kann. Natürlich wünscht man sich in einer solchen Situation, dass man nur Gelb bekommt." Hoffnungen auf den frei gewordenen Platz in der Startelf gegen Kaiserslautern dürfen sich Fabio Morena, Ralph Gunesch und Marcel Eger machen, wobei der etatmäßige Kapitän Morena die größten Chancen haben dürfte.

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Für einen weiteren Verteidiger könnte sich dann eine Woche später die Gelegenheit ergeben, bei Bayern München zu spielen, weil Thorandts bisheriger Partner in der Innenverteidigung, Carlos Zambrano, vor der fünften Gelben Karte steht. Der Peruaner war gegen Bremen nur knapp um diese herumgekommen, während Gegenspieler Hugo Almeida sich zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. "Das war eine große Dummheit von mir, aber ich bin von ihm zuvor oft gefoult worden", sagte der Werder-Stürmer, der trotz seines Ausrasters als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde. Zumindest von St. Paulis Profis hatte sich auch niemand für diese Ehre empfehlen können. Denn für Titel dieser Art braucht es vor allem eins: Effizienz. Genau daran gilt es im Training zu arbeiten - auf der Baustelle an der Kollaustraße.