FC St. Pauli

Torflaute in vorderster Reihe - Hoffnungsträger Ebbers zurück

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Seit 815 Minuten haben Deniz Naki und Co. nicht mehr getroffen. Nun soll Marius Ebbers bei Erzgebirge Aue für ein Ende der Serie sorgen.

Hamburg. Als Marius Ebbers am Montagabend gegen Karlsruhe in der 59. Minute Richtung Ersatzbank sprintete und sich zur Einwechslung bereit machte, brandete ein Jubel auf, den es zuvor so nur bei Moritz Volz' Siegtreffer gegeben hatte. Mit dem wiedergenesenen Sturmroutinier kehrte die Hoffnung auf Tore zurück auf den Rasen.

Sechs Spiele, sechs Treffer, elf Punkte. Die Bilanz des FC St. Pauli im Jahr 2012 liest sich gnadenlos effizient, aber minimalistisch. Mit nur vier kassierten Gegentoren stellt die Mannschaft von Trainer André Schubert zwar die beste Zweitliga-Defensive - im Sturm jedoch weht nur ein laues Lüftchen. Seit nunmehr 815 Spielminuten warten St. Paulis Angreifer auf einen Treffer. Am 27. November erzielten Ebbers und Deniz Naki beim 3:1-Erfolg über Dynamo Dresden die letzten Stürmertore am Millerntor. Seither durften sich Ebbers, Naki, Mahir Saglik undPetar Sliskovic in vorderster Reihe versuchen - mit mäßigem Erfolg.

Beim 1:0-Sieg über den Karlsruher SC war es Naki, der laut Schubert "gut den Ball behauptete", aber ein Treffer wollte auch ihm nicht gelingen. Beim 1:1 in München holte Sliskovic immerhin den Elfmeter zur Führung heraus, einen Torschuss gab er in 90 Minuten jedoch nicht ab. Naki, der mit 178 Minuten in den sechs Spielen bislang die meiste Einsatzzeit erhielt, sagt: "Klar hätteich gerne ein Tor gemacht, aber ich war auf jeden Fall zufrieden mit meiner Leistung. Und wichtig ist nur, dass die Mannschaft gewinnt."

Mit der Rückkehr Ebbers', der wegen eines Muskelfaserrisses fünf Wochen fehlte, sinken die Einsatzchancen von Naki und Sliskovic trotz des Trainers lobender Worte. Mit sechs Treffern in elf Spielen hat Ebbers die beste Bilanz aller Hamburger Angreifer. Zudem schätzen Mitspieler und Trainer die mannschaftsdienliche Spielweise des 34-Jährigen, der gegen Erzgebirge Aue am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de) wieder seinen Platz in der Anfangsformation einnehmen dürfte. Für Naki kein Grund zur Sorge: "Ich habe versucht, mich zu zeigen - man wird sehen, ob ich in Aue spiele", sagt der 23-Jährige, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Der wendige Dribbler könnte jedoch auf andere Positionen ausweichen. "Ich fühle mich vorne zentral am wohlsten, auch auf der 10er-Position, habe aber auch schon bewiesen, dass ich außen spielen kann", sagt er selbstbewusst.

Deutlich schlechtere Karten besitzt derzeit Mahir Saglik. Nach seinem verweigerten Handschlag bei der Auswechslung gegen Bochum im Februar durfte er lediglich 18 Minuten lang gegen Braunschweig ran. Nun wirft ihn zudem ein Grippevirus zurück. Saglik fehlte bei der gestrigen Einheit.

Schubert formulierte angesichts der Torarmut bereits: "Ich hoffe, dass wir bald auch mal wieder höher als 1:0 gewinnen." Dafür hat Ebbers nun ein ganz besonderes Paar Schuhe ausgepackt: Mit goldenen Tretern läuft er in den verbleibenden neun Partien auf. 2009/2010 erzielte er damit in 34 Spielen 20 Treffer - und St. Pauli stieg in die Bundesliga auf.

Im Millerntor-Stadion hat bereits das Abtragen des alten Rasens begonnen. Anfang nächster Woche soll das neue Geläuf ausgerollt werden.