Krawalle beim Schweinske-Cup

Senator Neumann: "Eine Sauerei von Kriminellen"

Innen- und Sportsenator Michael Neumann hält Hallenturniere in der Stadt im Gespräch mit dem Abendblatt für nicht mehr durchführbar.

Hamburg. Michael Neumann, 41, hatte auch zwei Tage nach den Krawallen beim Schweinske-Cup noch "schlechte Laune wegen der skandalösen Vorfälle", die "eine Minderheit" zu verantworten hat. "Das war eine Sauerei von Kriminellen, die ein Sportfest für Familien und Kinder zerstört haben", sagte Hamburgs Senator für Inneres und Sport am Sonntag beim Neujahrsempfang des SV Eidelstedt.

Als Reaktion auf die Vorfälle will der SPD-Politiker zum Donnerstag Vertreter der Hamburger Fanprojekte, der Fanklubs des HSV und des FC St. Pauli sowie Repräsentanten der beiden Bundesligavereine, des Hamburger Sportbundes (HSB), des Hamburger Fußballverbandes (HFV) und der Polizei zu einer Gesprächsrunde ins Rathaus einladen. "So kann es nicht weitergehen. Wenn Veranstaltungen wie der Schweinske-Cup künftig unter Sicherheitsaufwendungen von Fußball-Bundesligaspielen durchgeführt werden müssen, sind sie weder zu finanzieren, noch politisch zu verantworten", sagte Neumann dem Abendblatt.

Hamburger Abendblatt: Herr Senator Neumann, welche Erkenntnisse liegen Ihnen heute über die Ausschreitungen vor?

Michael Neumann: Die Polizei wertet derzeit alles Videomaterial aus. Dabei geht es auch darum, die Täter in Regress für die Schäden nehmen zu können, denn die veranstaltende Event GmbH droht aufgrund der Einnahmeausfälle in die Insolvenz zu gehen.

Waren die Krawalle vorherzusehen?

Neumann: Ob es eine verabredete Schlägerei rivalisierender Fangruppen war, wissen wir noch nicht. Ich will da jetzt nicht spekulieren. Bei mir herrscht im Moment nur ziemliche Wut und Enttäuschung darüber, wie der Sport missbraucht worden ist. Das sind keine Fans, diese Leute sind kriminell. Ich finde es unglaublich, was sie dem Hamburger Sport und diesem traditionsreichen Familien-Fußballturnier angetan haben.

+++ Nachspiel: Schreie, Scherben, Blut und Tränen +++

+++ Gewaltbereitschaft und Intoleranz wachsen auch beim FC St. Pauli +++

Welche Konsequenzen haben die Vorfälle vom Freitag für künftige Sportveranstaltungen in Hamburg?

Neumann: Ich habe große Zweifel, ob sich solche Veranstaltungen in Zukunft durchführen lassen. Aus der ersten Erregung heraus würde ich sagen: Nein. Es geht offensichtlich einigen wenigen nicht mehr um den Sport, sondern um Gewaltorgien. Wenn jetzt selbst bei Familienveranstaltungen, und das sind Hallenturniere, die Kriminellen überhand nehmen, scheint es mir sehr schwer, hier die Sicherheit für alle Zuschauer, darunter sind ja auch viele Kinder, zu gewährleisten. Da müsste dann ein ähnlicher Aufwand wie bei Fußball-Bundesligaspielen in und vor den Stadien betrieben werden, der dort eigentlich auch schon ein Wahnsinn ist.

Werden Sie in Zukunft Veranstaltungen wie den Schweinske-Cup verbieten?

Neumann: Für grundlegende Entscheidungen ist es zu früh. Wir werden aus diesen Vorfällen unsere Lehren ziehen. Deshalb werde ich Vertreter der Bundesliga, des HSB, des HFV und der Polizei, der Fangruppen und Fanprojekte ins Rathaus zu einem Meinungsaustausch einladen. Wir müssen prüfen, welche Sicherheitsauflagen künftig für derartige Veranstaltungen nötig sein werden. Es steht aber in keinem Verhältnis, für ein Familien-Fußballturnier zwei Hundertschaften der Polizei aufzubieten. Das sprengt jeden Rahmen, politisch wie finanziell. Das kann niemand verantworten. Da sind wir uns mit dem Fußballverband, der ebenfalls deutliche Worte gefunden hat, einig.

+++ Leitartikel: "Schützt den Sport" +++

St.-Pauli-Fans, das war in Foren zu lesen, haben sich von der Präsenz und dem Auftreten der Polizei provoziert gefühlt.

Neumann: Dafür habe ich nicht das geringste Verständnis. Dass die Anwesenheit von Polizeibeamten eine Provokation darstellen soll, ist eine Interpretation, die nicht in unsere Gesellschaft passt. Dass bei einem Einsatz wie am Freitag auch Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden, tut mir leid, aber die Gewalt ging von den Straftätern aus, nicht von unserer Polizei. (rg)