DFB-Sportdirektor lobt den Transferkurs

Matthias Sammer: "Der FC St. Pauli ist ein Vorbild"

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DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sagt, was er über die jungen St.-Pauli-Spieler denkt - und lobt Trainer Stanislawski sowie Sportchef Schulte.

Hamburg. Mit Bastian Oczipka (20) verpflichtete der FC St. Pauli nach Max Kruse (21), Deniz Naki (20) und Richard Sukuta-Pasu (19) den nächsten DFB-Juniorennationalspieler. Im Abendblatt spricht DFB-Sportdirektor Matthias Sammer über den Hamburger Zweitligaklub.

Abendblatt: Herr Sammer, wie beurteilen Sie den Transferkurs des FC St. Pauli?

Matthias Sammer: Bitte lassen Sie mich zunächst etwas zu Sportchef Helmut Schulte und Trainer Holger Stanislawski sagen. Beide sind Glücksfälle für den Klub. Schulte hat bei Schalke schon im Jugendbereich erstklassige Arbeit geleistet und setzt dies jetzt beim FC St. Pauli fort. Bei Stanislawski imponiert mir, dass er in der vergangenen Saison trotz der Doppelbelastung als Cheftrainer und Teilnehmer der Fußball-Lehrer-Ausbildung sportlichen Erfolg mit dem Verein vorweisen konnte und als Jahrgangsbester die Prüfung an der Deutschen Sporthochschule in Köln absolviert hat. Holger hat die Herausforderung gemeistert, ohne nach Alibis zu suchen. Und jetzt macht er in seiner unaufgeregten Art einen erstklassigen Job.

Abendblatt: Das Bekenntnis zu deutschen Talenten dürfte Ihnen auch gefallen...

Sammer: Natürlich. St. Pauli ist in dieser Hinsicht ein Vorbild. Und ich wünsche mir, dass dieser Kurs am Ende in die Bundesliga führt. Zum Glück erkennen immer mehr Vereine in Deutschland, dass dieser Weg richtig ist. Wir haben hier inzwischen wieder sehr gut ausgebildete Talente. Es lohnt sich, auf diese Spieler zu setzen statt auf mittelmäßige ausländische Profis. Diesen Fehler haben wir in Deutschland leider viel zu lange gemacht.

Abendblatt: Andererseits hat sich ein Richard Sukuta-Pasu oder ein Bastian Oczipka bei Bayer Leverkusen nicht durchsetzen können. Ist der Schritt zu einem Zweitligaklub nicht ein Schritt zurück?

Sammer: Nein, auf gar keinen Fall. In diesem Alter zählt nur eines: die Spielpraxis. Ein Training in der Ersten Liga ist nur halb so viel wert wie ein Spiel in der Zweiten Liga. Die Jungs müssen spielen, nicht auf der Bank sitzen. Und sie sind jung genug, den Sprung in die Bundesliga später noch zu schaffen. Das Ergebnis zählt, nicht der Weg.

Abendblatt: Welchem der jungen St.-Pauli-Spieler trauen Sie am ehesten den Sprung zu?

Sammer: Das sind alles gute Jungs, die es packen können. Max hat in der Hinrunde gezeigt, was er kann. Deniz mag manchmal ein etwas schwieriger Typ sein, aber fußballerisch ist er außergewöhnlich gut. Auch Richard hat bei der U-19-EM gezeigt, was er kann. Er braucht jetzt unbedingt Spielpraxis. Bastian ist ebenfalls ein Spieler mit Perspektiven, selbst wenn er bei der EM eher zum erweiterten Kreis gehörte.

Abendblatt: Andererseits drohen bei einer so jungen Mannschaft auch Rückschläge. Gerade im Kampf um den Aufstieg.

Sammer: Das stimmt, das muss man bei Talenten immer einkalkulieren. Ich bin aber sicher, dass man bei St. Pauli die notwendige Geduld hat. Holger Stanislawski wird auch dafür sorgen, dass die Jungs nicht zu sehr hochgejubelt werden.

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