FC St. Pauli: Unglückliche Niederlage in Augsburg

Ein Foul und seine Folgen

Augsburg. Es war der Aufreger nach der Partie, doch für Helmut Schulte waren die Diskussionen überflüssig. "Das war keine rote Karte, eine klare Fehlentscheidung. Wenn er die nicht gibt, sehen wir vielleicht nicht so eine interessante Partie, aber unsere Siegchancen wären deutlich höher gewesen", sagte der Sportchef und hatte in seinem Trainer einen Gleichgesinnten: "Leider war die Leistung der drei Männer in Grau nicht ganz so fehlerfrei. Wir wurden mit einer roten Karte bestraft", ärgerte sich Holger Stanislawski. Die Männer in Grau mit Schiedsrichter Guido Winkmann an der Spitze hatten sich am Sonntag von Beginn an für eine überaus kleinliche Spielleitung entschieden.

Insofern hielt sich die Verwunderung bei den neutralen Beobachtern auch in Grenzen, als der Polizeibeamte aus Kerken St. Paulis Außenverteidiger Florian Lechner in der 35. Minute des Feldes verwies. Lechner hatte Augsburgs Ibrahima Traore von hinten hart attackiert. Mit einer Grätsche sprang der Linksaußen in den Zweikampf. Dass er dabei eindeutig den Ball traf, spielte für Winkmann eine untergeordnete Rolle. Eine harte aber konsequente und vor allem regelkonforme Entscheidung. "Man muss da allerdings nicht zwingend Rot ziehen", fand Innenverteidiger Ralph Gunesch, der die Szene aus nächster Nähe beobachtet hatte.

Dass ein anderer Schiedsrichter womöglich eine andere Farbwahl getroffen hätte, wird Lechner kaum trösten. Für den 28-Jährigen, der sich die Szene erst im Fernsehen anschauen wollte und auf ein Statement verzichtete, könnte das Foul weitreichende Folgen haben. Er muss nun mit einer Sperre von drei Spielen rechnen. Seinen erst vor wenigen Wochen erkämpften Platz in der Startelf, auf den er seit seinem Wadenbeinbruch im Sommer 2007 hingearbeitet hatte, ist er los. Auf der linken Abwehrseite ist der Konkurrenzkampf neu ausgerufen. Davidson Drobo-Ampem und Jan-Philipp Kalla wittern ihre Chance, bis zur Winterpause ins Team zu rücken.

Für Lechner, in den Planungen zur kommenden Saison ohnehin ein Wackelkandidat, hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Die Identifikationsfigur wird ihren Kampf um die gewünschte Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags vorerst auf dem Trainingsplatz führen müssen.