St. Pauli: Stammspieler nur noch Ersatz

Eger blickt nach vorn, Gunesch schweigt

In der vergangenen Saison waren sie noch eine Bank. 28 der 34 Ligaspiele absolvierten sie für den FC St. Pauli 2008/09.

Hamburg. Kein anderer Abwehrspieler kam auf mehr Einsätze als Marcel Eger und Ralph Gunesch, im gesamten Kader liefen nur Torhüter Mathias Hain, Alexander Ludwig (beide 32 Partien) und Florian Bruns (30) häufiger auf.

Doch die Karten wurden im Sommer neu gemischt, der Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung angeheizt. Neben Eger, Gunesch und Fabio Morena hofft mit Markus Thorandt nun noch ein vierter Spieler auf einen der beiden Plätze im Abwehrzentrum. Und das bislang erfolgreich. Im letzten Vorbereitungstest gegen Hertha BSC, beim DFB-Pokalspiel in Villingen und zum Punktspielstart am Freitag gegen Rot Weiss Ahlen stand der Neuzugang in der Startelf. Nicht neben Eger, nicht neben Gunesch. Abwehrchef Morena, der in der Rückrunde 2009 nach seiner Hirnhautentzündung und vier Monaten Pause mit starken Formschwankungen zu kämpfen hatte, präsentiert sich in hervorragender Verfassung und dürfte das Ranking im Notizblock von Trainer Holger Stanislawski momentan deutlich anführen. "Es ist schön zu sehen, dass Fabio wieder zu seiner Form gefunden hat. Der Konkurrenzkampf tut uns allen gut", sagt Eger anerkennend über seinen Kapitän.

Ihm selbst blieb bislang nur die Rolle des Zuschauers. "Ich habe so eine Situation in meiner Karriere noch nicht erlebt und musste das erst einmal verarbeiten, dass ich nicht in der Startelf stehe. Ich war davon ausgegangen, dass ich spiele", gesteht der 26-Jährige. Doch die Enttäuschung ist abgehakt. Er will sich im Training weiter anbieten, habe sich leistungsmäßig nichts vorzuwerfen und sei topfit: "Ich werde zeigen, dass ich mit der Situation umgehen kann und nicht den Stinkstiefel geben."

Während Eger der unfreiwillige Wandel vom Stammspieler zum Bankdrücker nicht anzumerken ist, hat es Gunesch die Laune verhagelt. Der 25-Jährige ist auch auf seiner Ausweichposition des linken Außenverteidigers nur noch zweite oder dritte Wahl. Gunesch wirkt ruhig, in sich gekehrt, zeigt kaum Emotionen. Auf seine Kritiker wirkt er wie die beleidigte Leberwurst, Fürsprecher werten sein Verhalten als erhöhte Konzentration. Erklären will er es nicht. Gunesch hat sich ein Schweigegelübde auferlegt, redet seit viereinhalb Wochen nicht mehr mit den Medien. Herr Gunesch, Zeit für ein kurzes Interview? "In der Hinrunde nicht."

In der Winterpause werden die Karten wieder neu gemischt. Doch auch zuvor werden Eger und Gunesch ihre Einsatzchancen bekommen. Vielleicht ja bereits am Montag in Aachen. Sie warten auf ihre Chance, wollen wieder zur Bank werden - und nicht nur darauf sitzen. (lwö)

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