Thomas Wüstefeld

HSV-Interimsvorstand holt zum großen Gegenschlag aus

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Thomas Wüstefeld ist ein Mann, der sich gerne öffentlich äußert. Der HSV-Interimsvorstand sieht sich dennoch als Opfer einer Medienkampagne.

Thomas Wüstefeld ist ein Mann, der sich gerne öffentlich äußert. Der HSV-Interimsvorstand sieht sich dennoch als Opfer einer Medienkampagne.

Foto: Picture Alliance

Zweifel an akademischen Titeln, schwere Vorwürfe gegen ihn als Geschäftsmann: Der 53-Jährige steht seit Monaten unter Druck.

Hamburg. Eigentlich könnte in diesen Tagen alles so schön sein beim HSV. Neun Spiele, 21 Punkte, Kurs Bundesliga-Aufstieg. Doch die seit Monaten andauernden Querelen um Interimsvorstand Thomas Wüstefeld belasten den Hamburger Traditionsverein. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue brisante Themen rund um Wüstefeld zu Tage gefördert werden. Erst das 200-Millionen-Euro-Projekt im Volkspark, dann neue schwere Anschuldigungen gegen ihn als Geschäftsmann, und last but not least die Zweifel, die es nach Abendblatt-Recherchen an den akademischen Titeln des 53-Jährigen gibt.

HSV-Chef Thomas Wüstefeld sieht sich als Opfer einer Kampagne

Am Wochenende holte der HSV-Chef nun zum großen Gegenschlag aus. "Es gibt auf den HSV bezogen so viele schöne und gute Entwicklungen und die sind eigentlich wichtig. Über die würde ich viel lieber reden, als hier zu sagen, das Sensationsjournalismus betrieben wird. Das wird eben so in einer Kampagne gemacht", sagte Wüstefeld im "NDR Sportclub".

Der HSV-Chef macht kein Geheimnis daraus, wie sehr ihn die Enthüllungen der vergangenen Wochen von Spiegel und Abendblatt unter Druck setzen. "Das sind natürlich unschöne Themen mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Die wir auch kommentieren müssen und so schnell wie möglich zeitnah aufklären", so Wüstefeld.

Klare Antworten gab es in den vergangenen Monaten kaum vom umstrittenen Unternehmer. Ein gutes Beispiel dafür war die Abendblatt-Anfrage bezüglich seines Doktortitels, den er nach wie vor nicht eindeutig belegen kann oder will. "Ich habe studiert, ich habe dementsprechend meine Arbeiten gemacht. Ich bin da guter Dinge und werde dazu, wenn es notwendig ist, detailliert Stellung beziehen", erklärte Wüstefeld.

Bleibt die Frage, warum das nicht schon längst geschehen ist. Es wäre ein Leichtes, mit klaren belegbaren Fakten das Thema aus der Welt zu schaffen. Doch Wüstefeld sieht sich offenbar nicht in der Bringschuld. "Es ist schon ein bisschen verwunderlich, was da gemacht wird. Das könnte man auch anders lösen. Es sind unschöne Dinge, aber wie gesagt, wir werden das alles sachlich aufarbeiten und dementsprechend anderweitig darlegen", erklärte der 53-Jährige mit Blick auf die Berichterstattung über ihn.

Ohnehin sieht sich Wüstefeld als Opfer einer Medienkampagne. "Das ist sehr sehr stark aus meiner Sicht einseitig getrieben, und da kann man wirklich schon von einer gezielten Kampagne sprechen" so Wüstefeld.

200-Millionen-Projekt im Volkspark sollte geheim bleiben

Doch die meisten Baustellen machte sich der HSV-Chef eben selbst auf. So auch beim geplanten 200-Millionen-Euro-Bauprojekt im Volkspark, das er in der vergangenen Woche dem Abendblatt exklusiv dargelegt und bei Star-Architekt Hadi Teherani, der die Plaza für 12.000 Besucher und den HSV-Tower konzipiert, für mächtig Ärger gesorgt hatte. Schließlich war das Projekt noch gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. "Wir hatten gar keine Pläne, das zu veröffentlichen. Die Unterlagen sind, warum auch immer, verteilt worden. Ich musste das dann kommunzieren. Wir haben vereinbart, dass es sehr vertraulich ist, dass wir es im kleinen Kreis halten möchten. So verwundert wie er (Teherani, Anm.Red) war, war ich auch. Ich verantworte diese Bereiche, deshalb ist es auch mit meiner Person verbunden", so Wüstefeld.

Viel schwerer als die vermeintliche Indiskretion rund um das Projekt Volkspark wiegen die Vorwürfe derweil gegen den Geschäftsmann Thomas Wüstefeld. Der Spiegel und das Abendblatt hatten enthüllt, dass das Landgericht Millionenklagen gegen den HSV-Chef und seine Firmen verhandeln wird.

Thomas Wüstefeld drohen Millionenklagen

Außerdem berichtete das Nachrichtenmagazin, dass die Justizbehörde dem Verdacht nachgeht, Wüstefeld habe illegal Arzneimittel verkauft. Er soll 2019 in die Produktion von Cannabisprodukten eingestiegen sein und diese als Medizinprodukte angeboten haben. "Es ist traurig, dass der Spiegel solche Verdachtsmomente stellt. Das ist eben dieser Sensationsjournalismus, der betrieben wird. Wir haben von der Staatsanwaltschaft noch nichts bekommen. Somit werden wir jetzt die Dinge in den Schriftsätzen zusammenfassen. Unsere Unterlagen sind zusammengestellt, um zu zeigen, wie der wirkliche Sachverhalt ist", sagte Wüstefeld.

An der Wahrheit sind beim HSV alle interessiert. Das Chaos rund um Millionen-Prozesse, Zweifel an akademischen Titeln und gigantische Bauprojekte schädigen dem Ruf des Zweitligaclubs."Es ist wichtig, die Themen aufzuklären und dafür zu sorgen, dass endgültig Ruhe reinkommt", sagte Wüstefeld.

HSV: Aufsichtsratschef Jansen stärkt Wüstefeld den Rücken

Sorgen, dass er ob der vielen Anschuldigungen gegen ihn in Kürze seinen Posten als HSV-Interimsvorstand räumen muss, hat Wüstefeld nicht. Mit Wohlwollen dürfte er zur Kenntnis genommen haben, dass ihm HSV-Präsident Marcell Jansen öffentlich den Rücken gestärkt hat. "Es gilt die Unschuldsvermutung. Wir werden das alles intern besprechen", sagte Jansen bei Sky.

Dieser Rückhalt von Jansen trägt dazu bei, dass er seine eigene Zukunft gelassen sieht. Dabei ist längst kein Geheimnis mehr, dass der überwiegende Teil im Verein der Meinung ist, dass Wüstefeld als HSV-Chef nicht mehr tragbar ist und von seinen Aufgaben entbunden werden müsste. "Angst habe ich keine. Man muss bedenken, dass ich das hier pro bono mache, das ich keine Ambitionen habe, jetzt zu sagen, es muss unbedingt weitergehen. Ich habe gesagt, dass ich nicht an meinem Stuhl klebe. Der HSV muss im Vordergrund stehen", sagte Wüstefeld.

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