HSV-Trainingsauftakt

Boldt formuliert Saisonziel und nimmt Profis in die Pflicht

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HSV-Sportvorstand Jonas Boldt benannte beim Trainingsauftakt gleich das Saisonziel.

HSV-Sportvorstand Jonas Boldt benannte beim Trainingsauftakt gleich das Saisonziel.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Der HSV startet mit zwei Neuen, drei Talenten und vier Rückkehrern in die Vorbereitung – und einem Fragezeichen um Sonny Kittel.

Hamburg. Vier Wochen: So viel – oder besser: so wenig – Zeit hatte der HSV, die verlorene Bundesliga-Relegation zu verarbeiten. Und genauso viel oder besser wenig Zeit bleibt noch, bevor am 16. oder 17. Juli mit dem Spiel bei Eintracht Braunschweig die Saison beginnt.

Am Montagnachmittag hat Trainer Tim Walter, nach einem Toskana-Familienurlaub gut erholt und mit deutlich gestutztem Bart, seine Mannschaft erstmals wieder am Volkspark um sich versammelt. Es braucht jetzt eine Vorbereitung im Kompaktformat.

„So schön die freie Zeit war, so schön ist es, wieder bei der Mannschaft zu sein“, sagte Walter nach der 90-minütigen Einheit bei HSV-TV. Er habe aus der Enttäuschung des verpassten Aufstiegs „viel Energie gezogen“.

HSV-Trainingsauftakt mit zwei Neuen, drei Talenten und vier Rückkehrern

Dass die Mannschaft größtenteils die gleiche ist und vor allem der Trainer noch der alte, dürfte dabei helfen. „Wir haben keinen großen Umbruch, da fallen ein paar freie Tage mehr nicht ins Gewicht“, sagte Sportvorstand Jonas Boldt. Die Mannschaft habe die Zeit gebraucht, „um den Kopf freizubekommen“.

Boldt selbst hat nach eigener Aussage keinen Urlaub gemacht. Denn auch wenn es keinen Umbruch gibt: Einige Positionen im Kader sind nach der Verpflichtung von Torwart Matheo Raab und Linksaußen Filip Bilbija noch vakant.

22 Spieler nahmen am Montag vor etwa 100 Fans das Training auf, unter ihnen einige, die noch auf ihr Profidebüt warten: Linksverteidiger Bent Andresen (19) und die Mittelfeldspieler Maximilan Großer (20) und Jonah Fabisch (20).

Zudem meldeten sich vier Angreifer zurück, die der HSV vergangene Saison verliehen hatte – und deren Zukunft noch offen ist: die Außenspieler Xavier Amaechi (21/Bolton), Aaron Opoku (23/Osnabrück) und Ogechika Heil (21/Deventer) sowie Stürmer Robin Meißner (22/Rostock).

HSV-Kapitän Schonlau fehlt im ersten Training

Walter zeigte sich mit den Rückkehrern zufrieden: „Sie haben viel Engagement mitgebracht und versucht, ihre Fehler gleich auszubügeln. Genau so soll es sein.“ Ob sie diesmal länger bleiben dürfen?

Boldt gab sich offen: „Jeder dieser Spieler hat jetzt die Chance, sich in einem kleineren Kreis zu zeigen. Die Saison beginnt bei null. Wir gucken darauf, wie die Entwicklung ist und vielleicht auch die Bereitschaft, um seinen Platz zu kämpfen.“ Das gelte auch für den in Ungnade gefallenen Marko Johansson, für den der HSV bereits Raab als Nachfolger verpflichtet hat.

Und so nahmen am Montag nicht weniger als fünf Torhüter das Training auf. Umso auffälliger waren die Lücken bei den Feldspielern. Die U-21-Nationalspieler Josha Vagnoman, Mario Vuskovic und Valon Zumberi haben noch Sonderurlaub. Rechtsaußen Bakery Jatta (Muskelverletzung) wird die ersten Spiele verpassen, Mittelfeldmann Anssi Suhonen (Wadenbeinbruch) noch länger fehlen.

Wechselt Kittel? Boldt setzt Frist

Auch Kapitän Sebastian Schonlau (Fußverletzung) und Mittelfeldspieler Elijah Krahn (Syndesmoseanriss) fehlten am Montag. Sonny Kittel wird wohl nicht mehr an den Volkspark zurückkehren. Er hatte die Vereinsführung um einen Wechsel gebeten und will sich DC United Washington anschließen. Nun geht es um die Ablöse.

Boldt kündigte eine Entscheidung noch in dieser Woche an. „Alle Rahmenbedingungen sind besprochen. Es ist nicht so, dass wir ihn loswerden wollen. Auch wenn er hier polarisiert: Sonny hat immer meine Unterstützung gehabt und wird sie auch weiterhin haben. Und die des Trainers sowieso.“

HSV-Chef Boldt formuliert Saisonziel

Das Saisonziel hat der Sportvorstand anders als im Vorjahr gleich unmissverständlich ausgegeben. „Wir haben in der vergangenen Saison einen Schritt nach vorn gemacht. Diesen Weg wollen wir weiter beschreiten und nehmen das Ziel Aufstieg an“, sagte Boldt. Die Mannschaft habe unter Walter eine klare Spielidee und eine „Superkameradschaft“.

Boldt nahm die Mannschaft in die Pflicht. Die Liga sei nach dem Bundesliga-Aufstieg von Schalke 04 und Werder Bremen zwar weniger namhaft besetzt. „Aber wenn man glaubt, sie wird jetzt schwächer, geht man nicht mit einer seriösen Einstellung heran. Wir müssen mindestens die gleiche Energie an den Tag legen wie in der Vorsaison.“ Zumal der Aufstieg nicht in den Spielen gegen die Topteams verspielt wurde.

Walter will die Abwehr weiter stabilisieren, um der harten Spielweise mancher schwächerer Gegner besser gewachsen zu sein: „Wir wollen noch härter und intensiver verteidigen und unser Spiel nach vorn verfeinern.“

HSV-Trainingsauftakt: Boldt kündigt Vertragsgespräche mit Walter an

Von Dienstag an stehen täglich zwei Einheiten auf dem Programm, bevor die Mannschaft am Sonnabend ins Trainingslager nach Österreich aufbricht – wohl mit mindestens einem neuen Spieler an Bord.

Eine baldige Vertragsverlängerung mit Walter über 2023 hinaus hat offenbar keine Priorität. Boldt: „Die Bereitschaft ist groß, aber es gibt keine Eile. Erst mal steht die Mannschaft im Fokus.“ Man werde sich „in den nächsten Wochen“ hinsetzen und über Details sprechen.

( ks/leo )

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