Elfmeterschießen

HSV genießt verrückten Pokal-Coup „in vollen Zügen“

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Packendes Spiel, spektakuläre Verlängerung, kurioser Schlusspunkt im Pokal-Achtelfinale des HSV. Club erhält eine satte Prämie.

Köln. Es war ein Abend, der kurioser und dramatischer kaum hätte enden können. Der Kölner Florian Kainz hatte im Elfmeterschießen gerade den fünften Versuch gegen den HSV verwandelt, als die Hamburger plötzlich jubelten und im Kreis ausgelassen den Einzug in das DFB-Pokal-Viertelfinale feierten.

Nach einem packenden Spiel, einer spektakulären Verlängerung und einem nicht minder spannenden Elfmeterschießen führte der HSV mit 5:4, als Kainz zwar verwandelte, sich bei seinem Elfmeter aber selbst anschoss und dadurch den Ball zweimal berührte. Schiedsrichter Daniel Schlager pfiff das Spiel ab und ließ den HSV jubeln. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (0:0) gestanden.

HSV kassiert satte Pokal-Prämie

„Solche Spiele hat man nicht alle Tage. Die genießt man in vollen Zügen“, sagte HSV-Kapitän Sebastian Schonlau. Lange jubeln konnte der HSV aber nicht. Er musste die Chartermaschine bekommen. Am Freitag steht ja bereits das Derby gegen den FC St. Pauli auf dem Programm.

Dass die Hamburger nach dem dritten Einzug ins Pokal-Viertelfinale in den vergangenen fünf Jahren aufgrund des Nachtflugverbots in Hamburg in Hannover landen mussten, störte die Spieler nach dieser Dramaturgie nicht. „Solange wir das Spiel gewinnen, können wir von mir aus auch nach Hause laufen“, sagte Schonlau. Der HSV darf sich ganz nebenbei über sichere Pokaleinnahmen von 1,004 Millionen Euro freuen, die nach Abendblatt-Informationen nicht direkt auf dem Transfermarkt reinvestiert werden.

DFB-Pokal: So spielte der HSV in Köln

Auf dem Platz spielten der Bundes­ligist und der Möchtegern-Bundesligist vor 750 Zuschauern im Rhein-Energie-Stadion – darunter neben HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld, Präsident Marcell Jansen, Finanzdirektor Eric Huwer und Ex-HSV-Profi Toni Leistner noch mindestens fünf weitere lautstarke Hamburger – von Beginn an mutig nach vorne.

Ohne Flügelflitzer Bakery Jatta, den HSV-Trainer Walter nach dessen Corona-Erkrankung im Hinblick auf das Derby zunächst schonte, waren es aber zunächst nur die Gastgeber, die sich Chancen erspielten. Dabei hätte es nach einem gehaltenen Andersson-Kopfball (8.) und einem in letzter Sekunde geblockten Uth-Schuss (21.) bereits früh 2:0 für die Kölner stehen müssen. Hätte, hätte, Fahrradkette.

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Als es nach einer halben Stunde noch immer 0:0 stand, wurden auch die Hamburger mutiger. Innerhalb von nur fünf Minuten erarbeitete sich Robert Glatzel gleich drei Chancen, wobei er vor allem eine (35.) hätte verwerten müssen. Das Festival der vergebenen Großchancen trieben Moritz Heyer und Sonny Kittel in der Nachspielzeit sogar noch auf die Spitze, als die beiden innerhalb von drei Sekunden gleich zwei Hundertprozentige vergaben. Zunächst traf Heyer nur den linken Pfosten, den Nachschuss setzte der freistehende Kittel aus bester Position neben den rechten Pfosten. Unter dem Strich stand also ein höchst unterhaltsames Spiel 0:0 zur Halbzeit.

HSV-Elfmeterschießen: Pechvogel Kainz

Und weil das Chancenvergeben an diesem Abend offenbar mehr Spaß als das Toreschießen machte, knüpften beide Mannschaften direkt nach dem Wiederanpfiff daran an. Erneut waren es die Kölner, die durch Thielmann (46.) und Anderson (49.) schnell 2:0 in Führung hätten gehen müssen, ehe auf der Gegenseite HSV-Niederländer Ludovit Reis (52.) unter Beweis stellte, dass er noch kein Rafael van der Vaart ist.

Ärgern musste sich die Mini-HSV-Anhängerschaft nur, als sich der ansonsten souveräne Schiedsrichter Schlager gegen einen möglichen Platzverweis für den bereits verwarnten Jonas Hector entschied. Der Kölner Kapitän hatte den anstürmenden Heyer ziemlich rüde zu Fall gebracht. Ein nahezu identisches Foul von Sebastian Schonlau im Nordderby gegen Werder Bremen hatte dem Hamburger Kapitän in der Hinrunde noch die Ampelkarte beschert.

Je eine natürlich vergebene Großchance (77./Modeste und 83./Heyer) auf beiden Seiten später folgte, was folgen musste: Verlängerung. Und die lieferte dann doch den Beweis, dass an diesem Abend nicht die beste ausgelassene Chance prämiert wird. Zunächst wackelte Kittel zweimal mit dem Po, ehe er den Ball millimetergenau auf Glatzel auflegte. Und der Stürmer machte nach 92 Minuten das, was er in den vergangenen Zweitligaspielen schon so oft gemacht hat: Er traf zum 1:0. Doch damit nicht genug: Weil Schonlau in der letzten Minute der Verlängerung den eingewechselten Anthony Modeste am Trikot zog, gab Referee Schlager Elfmeter. Modeste verwandelte selbst zum späten 1:1 (120.+2). Auch im Elfmeterschießen traf Modeste. Genau wie David Kinsombi, Mario Vuskovic, Jan Gyamerah und Schonlau. Kittel hatte verschossen, genau wie Salih Özcan für Köln. Doch dann kam Kainz.

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