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„HSV hat das Potenzial für die Nummer zwei in Deutschland“

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Hendrik Schiphorst (47) ist seit 2020 Chef vom HSV-Vermarkter Sportfive.

Hendrik Schiphorst (47) ist seit 2020 Chef vom HSV-Vermarkter Sportfive.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Sportfive-Chef Hendrik Schiphorst über einen (neuen) Hauptsponsor und die Vermarktung des Volksparkstadions.

Hamburg. Knapp zwei Wochen ist es her, dass Hendrik Schiphorst seinen 37. Jahrestag feiern durfte. Nicht seinen Geburtstag, der bereits im Mai war. Sondern den Tag, an dem der heute 47-Jährige erstmals im Volksparkstadion war. Der 10. November 1984. Es war nasskalt. 36.000 Zuschauer waren da. Der HSV spielte gegen den 1. FC Köln, gewann 3:1 – und um den kleinen Hendrik, der von Papa Bernd mitgenommen wurde, war es geschehen. „Seitdem bin ich HSV-Fan“, sagt Schiphorst, der mittlerweile sein Geld mit dem HSV verdient.

Der zehnjährige Anhänger von damals ist zwar noch immer Fan, nun aber als Chef von HSV-Vermarkter Sportfive maßgeblich an der Entwicklung seines Herzensclubs beteiligt. Seit August 2020 ist Schiphorst als „Country Manager und Managing Direktor von Sportfive in Deutschland“ – so steht es auf seiner Visitenkarte – mitverantwortlich für die Gesamtvermarktung des HSV. Und hat dabei auch im vierten Jahr in der Zweiten Liga zumindest aus Geschäftemachersicht noch seinen Spaß. „Der HSV ist noch immer ein Top-Name in Fußball-Deutschland“, sagt Schiphorst im Abendblatt-Podcast HSV – wir müssen reden.

Wie Sportfive den HSV vermarktet

Corona, die Zweite Liga, die unsichere Zukunft – es gibt mehr als genug Gründe, als Vermarkter des HSV ins Zweifeln zu kommen. Doch Schiphorst, der so eine Art Chefverkäufer des HSV ist, versteht sein Handwerk gut und nutzt die Stunde im Podcaststudio des Abendblatts am Großen Burstah, um eher die Chancen als die Risiken aufzuzeigen. „Man muss nicht schwarzmalen“, sagt er. „Der Fußball ist und bleibt das letzte Lagerfeuer der Nation.“

Ein Feuer, das allerdings im Volkspark in den vergangenen zwei Jahren eher auf Sparflamme gebrannt hat. So hat natürlich auch Schiphorst mitbekommen, dass Zuschauerzahlen und Einnahmemöglichkeiten zuletzt stark rückläufig waren. Beispiel: Mit nur noch 23.505 Zuschauer, die am Wochenende gegen Jahn Regensburg dabei waren, kamen beim 4:1-Sieg so wenige Fans wie noch nie (ohne Corona-Einschränkungen) in der Zweiten Liga in den Volkspark. „Die Zuschauer werden wieder zurückkommen“, sagt Schiphorst trotzig, aber: „Wir bekommen kein volles Stadion mehr, wenn man nur die Tore aufschließt. Man braucht maßgeschneiderte Angebote für die Kunden.“

Sportfive: Verlängert Hauptsponsor Orthomol beim HSV?

Diese Angebote braucht es auch in den anderen Bereichen, für die Schiphorst und Sportfive zuständig sind. Immerhin: Trotz Corona und der sportlichen Talfahrt seien sämtliche LED-Banden ausverkauft, die Auslastung im Hospitalitybereich auch in der Zweiten Liga gleichbleibend hoch, der überwiegende Teil der 50 Logen verkauft und auch bei der Vermarktung des Stadionnamens und des Hauptsponsors sei er optimistisch.

Der Stadionname sei auch nach dem Auslaufen der Partnerschaft mit Klaus-Michael Kühne weiterhin „ein sehr interessantes Marketingrecht“ – und vor allem bei der ab kommenden Sommer frei werdenden Trikotbrust würde er sich keine Sorgen machen. „Mir ist nicht bange bei der Trikotvermarktung“, sagt Schiphorst, der für die Zweite Liga zwei bis 2,5 Millionen Euro und für den Fall der Bundesliga mit fünf bis sechs Millionen Euro kalkuliert.

„Wir sind mit Orthomol im Dialog. Das ist unser erster Ansprechpartner für eine Verlängerung“, sagt der gebürtige Hamburger, der auf eine Einigung mit dem Nachfolger von Emirates vor der Entscheidung über die Ligazugehörigkeit im Mai hofft.

Sportfive: HSV hat Potenzial für Nummer 2

„Der HSV hat immer noch eine besondere Strahlkraft in der Stadt und in Norddeutschland“, sagt Schiphorst, der als Beleg dafür die Awa-Studie vom Allensbacher Institut zitiert, welche die Attraktivität und Bekanntheit von Fußballvereinen misst. Demnach stehe der HSV auf Platz fünf hinter Bayern, Dortmund, Schalke und Mönchengladbach. „Es ist immer noch so, dass wir auf eine gewisse Resonanz stoßen, wenn wir mit den Angeboten zum HSV in den Markt gehen. Dass das im vierten Zweitligajahr immer noch der Fall ist, hätte auch ich nicht erwartet.“

Weitere HSV-Berichte:

Dabei habe der HSV aus seiner Sicht sogar noch ein deutlich höheres Marketing-Perspektive, als es möglicherweise den HSV-Verantwortlichen selbst bewusst ist: „Grundsätzlich hat der HSV mit der Stadt im Kreuz das Potenzial, die Nummer zwei in Deutschland zu sein – und eigentlich sogar die Nummer eins zu sein“, sagt Schiphorst, der aber den realistischen Blick für die Gegenwart nicht verloren hat.

„Jetzt ist es natürlich der absolut falsche Zeitpunkt, darüber zu philosophieren. Die Demut, die der HSV momentan an den Tag legt, tut gut. Es nervt viele, dass der HSV in der Zweiten Liga spielt, aber da muss man auch erst einmal herauskommen. Wenn der HSV aufsteigen würde, dann wären da Vereine wie Augsburg, Mainz und Freiburg. Diese Clubs haben zwar von der Stadt und vom Umfeld her deutlich weniger Potenzial, aber im TV-Ranking haben sie den HSV substanziell abgehängt. Dieses Gap muss man erst einmal schließen.“

Auch Fans für HSV-Vermarktung wichtig

Schiphorst dürfte wissen, wovon er spricht. Sportfive ist der Platzhirsch am Markt, betreut weltweit 250 Clubs und ist alleine in Deutschland bei 15 Vereinen für die Gesamtvermarktung zuständig. Allerdings ist selbst dem Chef-Vermarkter aufgefallen, dass man die Vermarktungsschraube nicht überdrehen sollte. „Man darf Vereine nicht überkommerzialisieren“, sagt Schiphorst. „Ich würde mir wünschen, dass Vereine den wirtschaftlichen Blickwinkel nicht verlieren dürfen, wenn sie sportlich erfolgreich sein wollen. Es muss immer gut ausgewogen sein. Man darf es in beide Richtungen nicht übertreiben.“

Dass weniger manchmal auch mehr ist, konnte Schiphorst vor allem nach der Stunde im Podcast-Studio deutlich machen, als er sich den Fahrradhelm schnappte und sich auf den Heimweg aus der Innenstadt nach Blankenese machte. Mit dem E-Bike. Sein Auto habe er vor zwei Jahren verkauft – und fühle sich noch immer gut dabei. Und das Beste: Von seinem Zuhause bis zum Volkspark ist es ja auch nur ein Katzensprung.

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