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Schafft Hamburg Historisches beim großen Wiedersehen?

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Lewis Holtby (l.) und Fiete Arp treffen mit Holstein Kiel auf ihren Ex-Club HSV.

Lewis Holtby (l.) und Fiete Arp treffen mit Holstein Kiel auf ihren Ex-Club HSV.

Foto: Imago / Team 2

Das Nordderby HSV gegen Kiel wird zum Treffen der Seitenwechsler. Holtby und Arp hoffen auf herzlichen Empfang.

Hamburg. Für Tim Leibold endete das große Wiedersehen mit einem großen Schmerz. Der Kreuzbandriss im rechten Knie, den sich der 27 Jahre alte HSV-Profi am Dienstag bei seiner Rückkehr zum 1. FC Nürnberg zugezogen hatte, ist die schwerste Verletzung in der bisherigen Karriere des Linksverteidigers.

Am Donnerstag war Leibold schon wieder bei seiner Mannschaft. „Die Jungs versuchen ihn aufzubauen. Er ist sehr optimistisch. Seine Frohnatur wird uns fehlen, nicht nur der Fußballer“, sagte Trainer Tim Walter, der Miro Muheim als wahrscheinlichste Vertreter-Option nannte. Schmerzhaft dürfte es für Leibold auch gewesen sein, dass er noch auf der Trage auf dem Weg in die Kabine vom Nürnberger Publikum ausgepfiffen wurde.

HSV vor Wiedersehen mit Arp und Holtby

Mit einem deutlich herzlicheren Empfang dürfen am Sonnabend (20.30 Uhr/Sport1, Sky und Abendblatt-Liveticker) Fiete Arp (21) und Lewis Holtby (31) im Volksparkstadion rechnen. Die beiden ehemaligen HSV-Profis kehren erstmals nach zweieinhalb Jahren mit ihrem neuen Club Holstein Kiel an den Ort zurück, den sie im Mai 2019 verlassen hatten.

Arp zog es nach dem verpassten Wiederaufstieg zum FC Bayern München, Holtby wechselte zu den Blackburn Rovers in die zweite englische Liga. Seit dieser Saison sind beide zurück im Norden. Und am Sonnabend erstmals zurück in der HSV-Arena. „Wenn ich am Abend mit dem Mannschaftsbus die Sylvesterallee langfahre, werden sicherlich noch einmal viele Erinnerungen hochkommen“, sagte Holtby am Donnerstag dem Abendblatt.

Fünf Jahre lang hatte der Mittelfeldspieler zwischen 2014 und 2019 in Hamburg viele emotionale Momente erlebt. Die Last-minute-Klassenverbleibe 2015 und 2017, aber eben auch den erstmaligen Abstieg 2018 und den verpassten Aufstieg ein Jahr später. „Es war eine sehr prägende, intensive Zeit, für die ich sehr dankbar bin“, sagt Holtby, der rückblickend vor allem an die Abstiegsatmosphäre denkt. „Es gab viele besondere Momente, zum Beispiel, als uns die Fans am Tag des Abstiegs enorm unterstützt haben. Das zeigt, dass der HSV mit seinen Anhängern ein besonderer Verein ist.“

Als Holtby mit dem HSV gegen Kiel baden ging

Holtby verlängerte damals vor allem wegen Trainer Christian Titz um ein Jahr beim HSV. Er entschied sich für eine lebenslange Mitgliedschaft und trug dazu bei, dass in Hamburg eine Aufstiegseuphorie entstand. Das erste Zweitliga-Heimspiel gegen Holstein Kiel war bereits Wochen zuvor ausverkauft. Es dauerte aber nicht lange, ehe auf die große Euphorie die große Ernüchterung folgte. Trotz eines guten Starts ging der HSV gegen Kiel vor 57.000 Zuschauern am Ende mit 0:3 unter.

„Wir haben nach dem Rückstand den Faden verloren“, erinnert sich Holtby, der sein Team als Kapitän anführte. „Es war ein Weckruf direkt zu Saisonbeginn nach dem Motto: Herzlich willkommen in der 2. Liga.“

Drei HSVer mit Kieler Vergangenheit

Dass der HSV einen Albtraumstart erwischte, hatte auch mit drei Protagonisten zu tun, die mittlerweile die Seiten gewechselt haben. Tim Walter, David Kinsombi und Jonas Meffert. Meffert traf nach der Halbzeit mit einem Traumtor zum Kieler 1:0, Kinsombi erhöhte auf 2:0 und legte das 3:0 vor. Ihrem Trainer Tim Walter bescherten sie damit den perfekten Auftakt im Profifußball.

Für Walter, der aus dem Nachwuchs des FC Bayern München kam, war es das erste Spiel als Chefcoach von Holstein Kiel. Und der Beginn einer erfolgreichen Saison, nach der er vom VfB Stuttgart abgeworben wurde. „Es war eine sehr schöne Zeit. Der Verein hat mir die Chance gegeben, mich im Profifußball zu etablieren“, sagte Walter am Donnerstag. „Die Verbundenheit wird immer bleiben.“

Arp flog zuletzt aus Kiels Kader

Ein Satz, der nicht nur für Walter gilt, sondern auch für Meffert und Kinsombi. Für Meffert ist es das erste Spiel gegen Kiel nach seinem Wechsel im Sommer. An der Förde trauert man dem 27-Jährigen noch immer hinterher. Beobachter meinen, dass sein Abgang sogar schwerer wiege als die Abschiede der Offensivspieler Jae-sung Lee (Mainz) und Janni Serra (Bielefeld).

Auch Holtby konnte Mefferts hinterlassene Lücke noch nicht füllen. Aufgrund eines Muskelfaserrisses fiel der ehemalige Hamburger Fanliebling zwischenzeitlich vier Spiele aus. Am Sonnabend hat Holtby aber gute Chancen, in der Startelf zu stehen. So wie am Dienstag beim 1:5 im DFB-Pokal bei 1899 Hoffenheim.

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Kiel steckt nach elf Spieltagen und nur zehn Punkten im Abstiegskampf. Sportlich hat Holtby sich den Wechsel zu den Schleswig-Holsteinern bislang sicher anders vorgestellt. Ähnlich wie Fiete Arp, der in der vergangenen Woche beim 1:1 gegen Darmstadt nicht mal mehr im Kieler Kader stand. Erst ein Tor in neun Einsätzen gelang der Leihgabe aus München.

HSV hat noch nie gegen Kiel gewonnen

Der neue Trainer Marcel Rapp, Nachfolger von Ole Werner, dürfte Arp am Sonnabend trotzdem mit nach Hamburg nehmen. Kein Ort wäre passender für sein zweites Saisontor als das Volksparkstadion, in dem sich Arp im Mai 2019 mit einem Tor und Tränen verabschiedet hatte. Es war das Ende einer Geschichte, die für Arp, den HSV und die Fans so märchenhaft begann – und in einem Missverständnis endete. Mit der hohen Erwartungshaltung konnte der als 17-Jähriger zu den Profis beförderte Stürmer nicht mehr umgehen.

Nun gibt es in Hamburg das große Wiedersehen. Für Arp, Holtby und auch Finn Porath auf der einen Seite, für Meffert, Kinsombi und Walter auf der anderen. Der HSV will erstmals in Liga zwei gegen Kiel gewinnen. Seitenwechsler Walter, der diese Serie mit zwei Siegen als Kiel-Coach eingeleitet hatte, kündigt an: „Jetzt drehen wir den Spieß um.“

  • Daniel Heuer Fernandes (Kapselverletzung im Knie) fehlte erneut im Training. Noch besteht die Chance, dass der Torhüter gegen Kiel spielen kann. Sein Vertreter wäre Marko Johansson.

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