Nur ein Punkt gegen Fortuna

HSV hadert mit sich – und dem Schiedsrichter

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Nach dem 1:1 gegen Düsseldorf üben die Hamburger Selbstkritik und ärgern sich über eine vermeintliche Fehlentscheidung.

Hamburg. Torschüsse? 21:7. Ecken? 10:4. Ballbesitz? 64:36 Prozent. Statistisch konnte es am Sonnabendabend doch nur einen Sieger geben! Zumal nach 25 Minuten auch zwei andere Werte eindeutig für den HSV sprachen: 11:10 Spieler, 1:0 Tore. Aber auch gegen Fortuna Düsseldorf war es am Ende wie so oft in den vergangenen Wochen: Die Hamburger konnten trotz hohen Aufwands – und in diesem Fall auch langer Überzahl – nur einen Punkt einbehalten.

Es war bereits das fünfte Unentschieden in den vergangenen sieben Spielen. Auch wenn es im gleichen Zeitraum keine Niederlage gab, ist der Abstand auf die Spitze der 2. Bundesliga – an der zu allem Verdruss auch noch Lokalrivale FC St. Pauli thront – auf sieben Punkte angewachsen.

Tabellenspitze 2. Bundesliga

1. FC St. Pauli 16 Sp. / 36:19 Tore / 35 Pkt.
2. Darmstadt 98 16 / 38:20 / 29
3. Jahn Regensburg 15 / 33:20/ 28
4. SC Paderborn 16 / 30:18 / 27
5. 1. FC Nürnberg 16 / 23:16 / 27
6. 1. FC Heidenheim 16 / 19:20 / 27
7. HSV 16 / 27:17 / 26
8. FC Schalke 04 16 / 29:21 / 26

HSV-Sportdirektor Mutzel stärkt Trainer den Rücken

"Das Spiel war sinnbildlich für die ersten zehn Spieltage: Wir hatten das Gefühl, dass mehr drin war", sagte Sportdirektor Michael Mutzel, als er am Sonntag wieder einmal das schwer Erklärbare erklären sollte. "Wir waren ganz oft feldüberlegen, haben aber zu wenig daraus gemacht."

Er wolle keinem Spieler einen Vorwurf machen, alle hätten ein enormes läuferisches Pensum absolviert. "Aber es kommt zu wenig heraus. Wir müssen vorn effektiver werden und hinten besser verteidigen." Dass es Konter gebe, wenn sich der Gegner einigle, sei unvermeidbar. "Aber wir haben zu viele Großchancen zugelassen."

Michael Mutzels Analyse des 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf

Die Arbeit von Trainer Tim Walter stellte Mutzel aber nicht infrage. Er sehe im Spiel nach vorn gegen tief stehende Manschaften deutliche Verbesserungen. Auch die Absicherung gegen Konter sei "gar nicht so nicht schlecht". Mutzel: "Tim ist jetzt seit drei Monaten hier. Es funktioniert noch nicht alles, aber mit unserer Spielweise bin ich grundsätzlich zufrieden."

Ex-HSV-Stürmer Harnik kritisiert Walters System

Martin Harnik konnte diese Einschätzung nicht teilen. Der frühere HSV-Stürmer stellte in seiner Funktion als Sport1-Experte während der Liveübertragung Walters risikoreichen Ansatz infrage: "Ich kann nicht verstehen, warum er so stur an seinem System festhält." Düsseldorfs Torwart Florian Kastenmeier gab ihm indirekt recht, als er nach dem Spiel sagte: "Wir wussten, dass der HSV nicht die beste Absicherung hat."

Tasächlich bekam die Fortuna nicht viele Chancen. Die wenigen waren allerdings sehr groß. Die größte vergab der frühere HSV-Profi Khaled Narey, als er allein vor dem Tor auf den mitgelaufenen Rouwen Hennings abspielte, anstatt es selbst zu versuchen – so konnte Jonas Meffert im letzten Moment spektakulär dazwischengrätschen.

Es passt zur Ironie des Spielgeschehens, dass der Ausgleich durch Robert Bozenik nicht einmal aus einem Konter resultierte. Trotzdem musste sich der HSV am Ende Pfiffe gefallen lassen. Mutzel empfand sie als ungerecht: "Wir haben den Weg der Entwicklung ausgerufen. Gestern standen viele junge Spieler auf dem Platz, die nicht so viel Erfahrung haben und viel marschiert sind. Da braucht man Geduld und darf nach einem Unentschieden nicht alles zusammenhauen. Wir sehen ja, dass sich die Jungs entwickeln." Gerade der erste Auftritt des Faride Alidou sei "erfrischend" gewesen und habe "Lust auf mehr" gemacht.

HSV-Profis in der Einzelkritik:

Meffert sorgt für Jubelsturm – Alidou-Fortsetzung folgt

Walter ging weniger schonungsvoll mit seiner Mannschaft um. Seinen Groll bekamen die Spieler und die TV-Zuschauer schon Minuten nach dem Schlusspfiff zu hören: "Wir müssen mehr Verantwortung für unser Team übernehmen. Ich erwarte von meinen Jungs, dass sie für ihr Team noch mehr einstehen. Dazu sind einige noch nicht bereit."

Von seinem System abzurücken scheint für den Trainer keine Option zu sein: "Von der Art und Weise, wie wir agieren, wie viele Torchancen wir kreieren – da sind wir schon im oberen Drittel der Zweiten Liga." Ob das den eigenen Ansprüchen genügt, mag bezweifelt werden.

HSV ärgert sich über nicht gegebenen Elfmeter

Doch nicht nur über sich selbst, auch über den Schiedsrichter hat sich der HSV am Sonnabend geärgert. Christian Dingert stellte Düsseldorfs Edgar Prib zwar nach Videobeweis früh vom Platz. Bei einem vermeintlichen Foul an HSV-Angreifer Anssi Suhonen griff der Videoassistent aber nicht ein.

Mutzel hatte dafür kein Verständnis. "Es war ein ganz klarer, astreiner Elfmeter. Anssi geht aus dem 16er raus, Zimmermann trifft ihn hinten am Bein. Es war wie bei Baka gegen Pauli. Wenn wir den Elfer kriegen und das 2:0 schießen, reden wir heute vielleicht über einen Knotenlöser. Es war eine klare Fehlentscheidung. Wer etwas anderes sagt, hat keine Ahnung vom Fußball."

Trotzdem bleibe es dabei, dass man den Sieg selbst in der Hand hatte. "Ich hatte nach dem 1:0 und der Roten Karte das Gefühl, dass Düsseldorf richtig wackelt. Da hätten wir das Spiel zumachen müssen und haben es nicht geschafft", sagte Mutzel.

Am Freitag geht es zum SC Paderborn. Mit einem Sieg könnte der HSV nach Punkten zum Gegner aufschließen – und seinem Sportdirektor die Erklärungsnot ersparen. Mutzel: "Auf Unentschieden haben wir keinen Bock mehr."

( hja/leo )

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