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Robin Meißner: Ein Hamburger Jung als Überraschungstrumpf

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Robin Meißner (21) wurde nachträglich sein Tor zugesprochen.

Robin Meißner (21) wurde nachträglich sein Tor zugesprochen.

Foto: Witters

Hier geboren, in Willinghusen aufgewachsen, auf St. Pauli ausgebildet – und jetzt soll Meißner den HSV in die Bundesliga schießen.

Hamburg. Wer sich am Tag nach der 5:2-Gala gegen Nürnberg auf den einschlägigen Internetseiten über Robin Meißner erkundigen will, der findet zunächst einmal: nichts. Oder: fast nichts. Wikipedia? „Robin Maximilian Meißner (* 8. Oktober 1999) ist ein deutscher Fußballspieler, der beim Hamburger SV unter Vertrag steht.“ Transfermarkt.de? Kann noch nicht einmal den Geburtsort nennen. Wenn man also wirklich mehr über diesen Meißner wissen will, dann muss man schon mit den Verantwortlichen und den Wegbegleitern sprechen.

Zum Beispiel mit Pit Reimers. „Robin ist jemand, der sich schnell an ein gewisses Niveau anpassen kann“, sagt der Trainer der U 23, der sich Meißners Startelfdebüt am Montagabend live im Volksparkstadion von der Tribüne aus angeschaut hatte. „Er hat eine gewisse Unbekümmertheit, die ihm jetzt bei den Profis geholfen hat. Er ist eben ein Torjäger. Er will immer besser werden, das hat man von Tag eins an gemerkt.“

Acht Jahre im Nachwuchs des FC St. Pauli

287 Tage ist dieser Tag eins nun schon her. Meißner, der nach acht Jahren im Nachwuchs des FC St. Pauli keinen Vertrag mehr erhalten sollte, wechselte ablösefrei zur zweiten Mannschaft des HSV. Soner Uysal, Co-Trainer der HSV-U-23, war der Erste, der vom Talent des Stürmers überzeugt war. Und vor allem von dessen rechtem Fuß, der sogar bei St. Paulis Cheftrainer Timo Schultz Eindruck geschunden haben soll. Doch auch Reimers und dessen Vorgänger Hannes Drews sollen rasch eine Fantasie mit Meißner entwickelt haben, die man beim Kiezclub eben nicht hatte.

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„Robin hat sich schnell bei uns in der U 23 eingefügt. Über die Spiele in der Regionalliga hat er weiteres Selbstvertrauen gesammelt“, sagt Reimers, der Meißner noch am Montagabend eine Glückwunsch-SMS schickte. „Er ist ein reflektierter Junge, der weiß, was er kann, den man aber auch noch sehr gut weiter begleiten kann.“

Sämtliche HSV-Trainer sind von seinen Qualitäten überzeugt

Erster fußballerischer Begleiter von Meißner war Papa Lars, der seinen Sohn von der U 10 bis zur U 14 beim Willinghusener SC trainierte. Mit zwölf Jahren wechselte der talentierte Torjäger in das Nachwuchsleistungszentrum des FC St. Pauli, wo er acht Jahre lang als Stürmer und Flügelflitzer ausgebildet wurde. Meißner selbst sah sich allerdings immer eher als klassischer Neuner.

Nach seinem Wechsel in den Volkspark brauchte der Hamburger Jung nicht lange, um sämtliche HSV-Trainer von seinen Qualitäten als Neuner zu überzeugen. Reimers, Uysal und Drews waren ohnehin von Anfang an angetan, aber auch Ex-Cheftrainer Daniel Thioune und Horst Hrubesch erkannten das Potenzial schnell.

Lob von Hrubesch

„Ich weiß um seine Skills”, hatte Thioune nach Meißners erstem Profitraining im Februar gesagt – und ihn in den folgenden Wochen siebenmal als Joker eingewechselt. So auch beim 1:2 gegen Darmstadt, als Thioune auf Meißner statt auf Bobby Wood setzte, was direkt nach der Partie zum Kabineneklat mit dem US-Amerikaner führte.

Doch wer nun dachte, dass Meißners Stern verglühen würde, nachdem Förderer Thioune am vergangenen Montag beurlaubt wurde, der irrte. Bereits von seinem ersten Training an ließ Hrubesch, der Meißner das ganze Jahr über im Campus im Blick hatte, den Youngster im A-Team trainieren. „Die Entwicklung, die Robin genommen hat, ist richtig gut“, lobte Hrubesch nach dem 5:2 gegen Nürnberg. „Er hat eine Top-Mentalität, ist ein schlauer Junge, und die Art, wie er Fußball spielt, die gefällt. Er ist schnell, robust und kann Bälle festmachen.“

Und er kann Tore schießen. Nachdem sein erstes zunächst als Eigentor gewertet wurde, entschied sich die DFL am Tag danach um und schrieb den Treffer Meißner gut. Eine Entscheidung, die sogar auf allen einschlägigen Seiten umgehend berücksichtigt wurde.

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