DFL setzt Spiele neu an

Neue Termine: HSV steht vor logistischer Herkulesaufgabe

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Beim HSV ist man derzeit auch ohne exzessiven Gebrauch der Warn-App gewarnt.

Beim HSV ist man derzeit auch ohne exzessiven Gebrauch der Warn-App gewarnt.

Foto: Witters

Die DFL terminiert den Zweitliga-Aufstiegskampf neu. In Hamburg qualmen daraufhin die Köpfe.

Hamburg.  Götz Bender gehört zu den wenigen Protagonisten im Zirkus Profifußball, über die kaum etwas bekannt ist. Er soll irgendwo in oder bei Frankfurt am Main wohnen. Arbeitet bei der Deutschen Fußball Liga. Und ist nun seit knapp 20 Jahren als offizieller Spielleiter für den Spielplan zuständig. Punkt. Mehr gibt das Netz nicht über den fleißigen Verbandsmitarbeiter her. Außer, dass wahrscheinlich kein DFL-Mitarbeiter in den vergangenen Tagen Corona-bedingt so viel zu tun hatte wie er.

Das Kunstwerk, an dem Bender in den vergangenen zwei Wochen gearbeitet hatte, konnte gestern Mittag ab Punkt 13 Uhr digital bewundert werden. Da hatte die DFL neue Spieltermine der Zweiten Liga veröffentlicht, die durch die 14-tägige Quarantäne von gleich drei Mannschaften erforderlich wurden.

Sämtliche Begegnungen der Teams von Holstein Kiel, SV Sandhausen und vom Karlsruhe SC mussten neu terminiert werden, nachdem eine ganze Reihe von Spielern und Verantwortlichen der drei Clubs positiv getestet worden waren. Die letzten beiden erwischte es gestern, als bekannt wurde, dass nach zuvor fünf Fällen beim KSC nun auch noch Ersatztorwart Paul Löhr und die HSV-Leihgabe Xavier Amaechi Corona-positiv sind.

DFL terminiert HSV-Spiele neu

Da sich beide Fußballer aber bereits in Quarantäne befanden, änderte sich an Benders gerade erst fertiggestelltem Kunstwerk nichts mehr. Insgesamt 13 Partien musste die DFL neu ansetzen. So wurde beispielsweise aus organisatorischen Gründen auch die Partie des FC St. Pauli in der kommenden Woche gegen Fortuna Düsseldorf von Dienstag auf Mittwoch (18.30 Uhr) verlegt.

Viel stärker betroffen ist dagegen der HSV, dessen Partien gegen Sandhausen (29. Spieltag) und Karlsruhe (30. Spieltag) bereits abgesagt worden waren. Die Hamburger, die an diesem Wochenende spielfrei haben, dürfen sich nun durch die Verlegungen in der kommenden Woche auf ein paar Tage im Süden einstellen. So muss der HSV zunächst am Donnerstag (20.30 Uhr) in Sandhausen antreten, ehe am Sonntag (13.30 Uhr) das um einen Tag verlegte Spiel in Regensburg auf dem Programm steht.

Das sind die neuen HSV-Termine:

  • Do., 22. April, 20.30 Uhr: Sandhausen – HSV (29. Spieltag)
  • So., 25. April, 13.30 Uhr: Regensburg – HSV (31. Spieltag)
  • Do., 29. April, 18.30 Uhr: HSV – Karlsruhe (30. Spieltag)

Neue DFL-Termine: HSV vor Herkulesaufgabe

Es dauerte nur wenige Minuten, ehe im Volkspark die Köpfe zusammengesteckt wurden, um über die Folgen des neuen Spieltags zu sprechen. Besonders das Organisationsgeschick von Teammanager Lennart Coerdt ist nun erneut gefragt. Schließlich hat es auf der neuen Tour de Süddeutschland nur begrenzt Sinn, am Freitag aus Sandhausen zurück nach Hamburg zu reisen, um dann am Sonnabend direkt wieder ins bayerische Regensburg an die Donau zu fahren.

Doch ganz so simpel ist die Sachlage dann auch wieder nicht. Denn auch Sandhausen und Regensburg liegen immerhin 300 Kilometer voneinander entfernt. Zudem müsste ein geeignetes Hotel mit einem nahe liegenden Trainingsplatz gefunden werden. Eine logistische Herkulesaufgabe, die noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen wird.

Unkomplizierter wirkt da die dritte Änderung für den HSV, der am Donnerstag ganz nebenbei die Vertragsverlängerung von Talent Ogechika Heil bis 2024 verkündete. Zwar müssen die Hamburger in der Woche darauf erneut am Donnerstag ran, um dann das verlegte Spiel gegen Karlsruhe nachzuholen. Da es sich aber um ein Heimspiel handelt und am ersten Mai-Wochenende darauf ohnehin spielfrei ist, sind keine weiteren Reisepläne von Coerdt und Co. erforderlich.

Aufstieg: HSV-Rivale stark betroffen

Am heftigsten erwischte es aber Kiel. Holstein muss zwischen dem 24. April und dem 10. Mai sechsmal in 17 Tagen spielen. „Es ist eine harte Nuss für uns alle“, sagte Trainer Ole Werner im NDR, „wir sind zum dritten Mal in einem Jahr in Isolation. Einige Spieler werden vier der letzten sechs Wochen in den eigenen vier Wänden verbringen. Das ist losgelöst von sportlichen Zielen eine bittere Pille für alle.“

So einfach aufgeben will der Kieler Coach aber nicht. „Für uns geht es jetzt darum, von schweren Verletzungen verschont zu bleiben und uns im Laufe der Spiele zu steigern.“

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Corona-Alarm bei Hertha BSC

Sich kräftig steigern muss auch die Mannschaft von Hertha BSC eine Etage höher. Die Berliner sind mit 26 Punkten derzeit punktgleich mit Arminia Bielefeld (Platz 16) und damit ein potenzieller Gegner von Kiel (derzeit Platz 4) in der Relegation. Doch die avisierte Leistungssteigerung dürfte Hertha schwerfallen, nachdem der Hauptstadtclub fast gleichzeitig zu Benders Zweitliga-Kunstwerk verkünden musste, dass Corona auch bei den Berlinern kräftig zugeschlagen hat.

So seien Trainer Pal Dardai, Co-Trainer Admir Hamzagic und Offensivspieler Dodi Lukebakio positiv getestet worden, teilte Herthas Presseabteilung mit – und kündigte dann überraschend an, dass der Trainings- und Spielbetrieb trotzdem weiterlaufe. Auch das Kellerduell bei Mainz 05 an diesem Sonntag soll – Stand jetzt – ohne das Trio stattfinden. Da auch Co-Trainer Andreas Neuendorf als Kontaktperson in Quarantäne muss, wird Sportdirektor und A-Lizenz-Inhaber Arne Friedrich das Team betreuen.

Ob Götz Bender allerdings nicht auch sehr bald sein Können in der Ersten Bundesliga unter Beweis stellen muss, dürften die nächsten Tage zeigen. Vorerst hat ein 40-Mann-Hertha-Tross sich bis zum 28. April in das Hotel Schweizer Hof einquartiert. Eine wilde Vermutung: Auf Spielplanleiter Bender dürfte schon bald weitere Arbeit zukommen.

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