Volksparkstadion

Terodde schimpft über erneuten Aufstiegsrückschlag beim HSV

| Lesedauer: 6 Minuten
Henrik Jacobs und Stefan Walther
HSV-Stürmer Simon Terodde war beim Spiel gegen Darmstadt 98 extrem unzufrieden.

HSV-Stürmer Simon Terodde war beim Spiel gegen Darmstadt 98 extrem unzufrieden.

Foto: Valeria / WITTERS

Routiniers schwer genervt von dem, was in der zweiten Halbzeit gegen Darmstadt 98 passierte. Einige hatten fußballerisch Probleme.

Hamburg. Sven Ulreich und Aaron Hunt schimpften. Auch Simon Terodde fluchte. Die drei HSV-Routiniers waren schwer genervt von dem, was in der zweiten Halbzeit im Volkspark passierte. Vor allem aber waren sie genervt von der Leistung ihrer eigenen Mannschaft. Mit 1:2 (0:0) verloren die Hamburger am Freitagabend ihr Heimspiel gegen Darmstadt 98.

Es war eine Woche nach dem 3:3 von Hannover der nächste Rückschlag im Kampf um den Aufstieg. „Das Spiel wirft uns ein Stück zurück“, sagte Terodde. „Man muss sagen, dass Darmstadt am Ende verdient gewonnen hat.“ Die Hamburger bleiben zwar vorerst auf Platz zwei, aber nur, weil das Spiel zwischen Verfolger Greuther Fürth und Sandhausen abgesagt wurde.

Vor dem Spiel wurde noch einmal dem vor einer Woche verstorbenen Peter Krohn gedacht. Der frühere Präsident und HSV-Macher war am Donnerstag vor einer Woche im Alter von 89 Jahren gestorben. „Visionär, Vater des Erfolgs und HSVer bis zum Schluss. Ruhe in Frieden“, stand auf einem großen Banner vor der Nordtribüne. Auch dem einen Tag zuvor verstorbenen Erwin Piechowiak, Abwehrspieler der Meistermannschaft von 1960, wurde mit einem Transparent gedacht.

HSV spielte mit veränderten Positionen im Volkspark

Die Zuschauer am Fernseher sahen im Volksparkstadion zunächst einen auf drei Positionen veränderten HSV. Terodde (für Bobby Wood) und Jeremy Dudziak (für Jan Gyamerah) kehrten in die Startelf zurück. Zudem ersetzte Klaus Gjasula den gelbgesperrten Amadou Onana. Es dauerte allerdings nicht lange, ehe Gjasula mal wieder an seiner eigenen Gelbstatistik arbeitete (6.). Fortan musste sich der defensive Mittelfeldspieler zurückhalten.

Fußballerisch hatte Gjasula genauso große Probleme wie der Rest des HSV. Von Beginn an verloren die Hamburger ex­trem viele Bälle, viele Pässe landeten bei Darmstadt oder im Nirgendwo. Der HSV hatte den Rückschlag von Hannover, als er eine 3:0-Führung aus der Hand gab, noch nicht abgeschüttelt. Es dauerte bis zur 18. Minute, ehe Sonny Kittel die erste HSV-Chance vergab. Zwei Minuten später hätte Manuel Wintzheimer die beste Kombination über Kittel und Josha Vagnoman zur Führung nutzen können, zielte aber zu ungenau. Auf der Gegenseite vergaben Victor Palsson (24.) per Kopf und Serdar Dursun nach Ulreich-Unsicherheit zwei Chancen.

„Wir müssen vorsichtiger sein mit unseren Ballverlusten"

Es war kein schönes Spiel im Hamburger Nieselregen. Der HSV schaffte es nicht, Tempo auf den Platz zu bringen und Terodde in Szene zu setzen. In der 45. Minute kam der Torjäger erstmals zum Abschluss. Darmstadts Schlussmann Marcel Schuhen stand genauso im Weg wie eine Minute später der Außenpfosten bei einem Lupfer von Aaron Hunt. „Wir müssen vorsichtiger sein mit unseren Ballverlusten und mehr auf Simon flanken, dann sind wir gefährlich“, sagte der verletzte Verteidiger Toni Leistner in der Halbzeit bei Sky. „Ich bin sicher, dass wir noch ein oder zwei Tore schießen werden.“

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Leistner sollte mit seiner Prognose daneben liegen. Zwar hatten Wintzheimer und Terodde, der eine Hereingabe nur um einen Zentimeter verpasste, die ersten Chancen für den HSV. Doch die Tore erzielten die Gäste. Zunächst zog der eingewechselte Mathias Honsak an Stephan Ambrosius vorbei und legte in die Mitte auf Erich Berko, der zum 1:0 für Darmstadt traf (51.). Neun Minuten später stand Dursun plötzlich völlig frei vor Ulreich. Der gebürtige Hamburger schob mühelos zum 0:2 ein – sein erstes Tor auf Hamburger Boden im Profifußball und sein 17. Saisontor, mit dem er Terodde (20) immer näher kommt.

Terodde ärgert sich über zurückgenommenen Elfmeter

Terodde dagegen schimpfte, als Schiedsrichter Robert Kampka einen von Dursun an ihn verursachten Elfmeter nach Videoüberprüfung wieder zurücknahm (74.). „Es hat eine klare Berührung gegeben“, sagte Terodde. Diese war aber auch in der Zeitlupe nicht zu sehen. „Das war auf gar keinen Fall ein Elfmeter“, meinte Dursun, der Terodde am Rücken berührt hatte.

Der HSV gab sich aber noch nicht auf. Dudziak konnte nach einer sehenswerten Vorlage des eingewechselten Bakery Jatta mit der Schulter verkürzen (77.) Drei Minuten später hätte er beinahe das 2:2 erzielt. Aber am Ende reichte es nicht. Auch im fünften Versuch seit 2016 schaffte es der HSV nicht, Darmstadt im eigenen Stadion zu schlagen.

Noch sechs Spiele für den HSV

Sechs Spiele bleiben dem HSV noch, um Platz zwei zu verteidigen. „Ich bin mir 100-prozentig sicher, dass wir am Ende etwas zu feiern haben. Vorher gehe ich hier auch nicht weg“, sagte Terodde. In der Verfassung von Freitagabend wird es aber schwer mit dem Aufstieg.

HSV: Ulreich – Vagnoman (61. Gyamerah), Heyer, Ambrosius, Leibold (89. Narey) – Gjasula (61. Kinsombi) – Hunt, Dudziak – Kittel (74. Jatta), Terodde, Wintzheimer (74. Meißner).

Darmstadt: Schuhen – Bader, Pfeiffer (46. Mai), Höhn, Holland – Palsson, Rapp – Skarke (33. Honsak), Tobias Kempe, Berko (75. Mehlem) – Dursun (75. Platte).

Tore: 0:1 Berko (51.), 0:2 Dursun (60.), 1:2 Dudziak (77.).

Gelbe Karten: Gjasula, Dudziak, Ambrosius, Hunt – Rapp, Berko, Palsson. Schiedsrichter: Kampka (Görlitz).

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