HSV siegt 5:0

Überglücklicher Jatta gibt erstes Live-Interview nach Gala

| Lesedauer: 7 Minuten
Henrik Jacobs und Kai Schiller
HSV-Flügelstürmer Bakery Jatta (3.v.r.) erzielte gegen Osnabrück den ersten Doppelpack seiner Karriere.

HSV-Flügelstürmer Bakery Jatta (3.v.r.) erzielte gegen Osnabrück den ersten Doppelpack seiner Karriere.

Foto: Witters

HSV ist wieder Tabellenführer. Bakery Jatta überragt beim Heimsieg gegen gnadenlos überforderte Gäste aus Osnabrück.

Hamburg. Als Bakery Jatta nach 61 Minuten den Platz verließ, wurde er von allen Mitspielern gefeiert. Der Flügelstürmer des HSV hatte zuvor mal wieder deutlich gemacht, dass er sich von allen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und den wiederkehrenden Berichten um seine Identität nicht von seinem Weg abbringen lassen will.

Jattas Wege führten den HSV am Montag zum 5:0 (2:0)-Sieg gegen den VfL Osnabrück und zurück an die Tabellenspitze der Zweiten Liga. Mit einem Doppelpack führte der Gambier sein Team zudem zum höchsten Sieg seit dem Abstieg aus der Bundesliga.

HSV: Bakery Jatta gibt erstes Live-Interview

„Heute ist ein guter Tag. Es ist der erste Doppelpack in meiner Karriere. Ich freue mich", sagte der 22-Jährige in seinem ersten Live-Interview im Fernsehen. „Baka ist heute der Simon Terodde gewesen", freute sich Trainer Daniel Thioune über die Torjäger-Qualitäten seines Flügelstürmers.

Auch der HSV-Coach feierte gegen seinen Heimatclub den perfekten Abend. Die Geschichten rund um sein erstes Duell als Trainer gegen seine Langzeitliebe Osnabrück wollte er vor dem Anpfiff so klein wie möglich halten. Der 46-Jährige, der 44 Jahre seines Lebens in der Stadt des Gegners verbracht hatte, erlebte ausgerechnet gegen den VfL den wohl entspanntesten Abend seiner bisherigen Amtszeit.

HSV-Kapitän Leibold benennt Knackpunkt

„Es war über 90 Minuten eine bärenstarke Leistung von uns, wir haben auch in der Höhe verdient gewonnen", bilanzierte Kapitän Tim Leibold. „Das 3:0 nach der Halbzeit war der Knackpunkt. Danach war gefühlt jede Torchance von uns ein Treffer."

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Nachdem Thioune an den ersten 14 Spieltagen 14 verschiedene Startaufstellungen ausprobierte, ließ er gegen Osnabrück nun zum dritten Mal in Folge dieselben elf Spieler ran. Gar nicht mit dabei war Lukas Hinterseer. Der Stürmer steht unmittelbar vor einem Wechsel nach Südkorea zu Ulsan Hyundai. Der 29-Jährige soll dort einen Zweijahresvertrag unterschreiben und dem HSV eine kleine sechsstellige Ablöse einbringen. „Ich gehe davon aus, dass Lukas uns verlassen und demnächst in Asien auflaufen wird. Die Gespräche sind weit fortgeschritten“, bestätigte Thioune.

HSV: Jatta und Kittel spielfreudig vs. Osnabrück

Dass die Hamburger es sich erlauben können, den Österreicher in der Offensive abzugeben, zeigten sie in der ersten Halbzeit gegen Osnabrück. Der Angriff des HSV entfachte einen echten Sturm. Vor allem Sonny Kittel und Jatta zeigten sich spielfreudig wie lange nicht. Die harmlosen Osnabrücker boten den Hamburgern von Beginn viele Räume an und machten teils haarsträubende Fehler im Spielaufbau. Und die nutzte der HSV. „Wir waren heute das Kaninchen vor der Schlange, liefen ständig hinterher", klagte Osnabrücks Trainer Marco Grote. „Der HSV war heute gieriger."

Die Tabelle nach 16 Spieltagen

  • 1. HSV: 33 Punkte
  • 2. Bochum: 32 Punkte
  • 3. Düsseldorf: 30 Punkte
  • 4. Kiel: 29 Punkte
  • 5. Fürth: 28 Punkte

Zunächst schloss Kittel einen Angriff über Josha Vagnoman und David Kinsombi zum 1:0 ab (16.), kurz vor der Halbzeit vollendete Jatta eine schöne Kombination über Kittel, Tim Leibold und Jeremy Dudziak zum 2:0-Pausenstand (41.). Für Kittel und Jatta war es jeweils der dritte Saisontreffer. „Es hat Spaß gemacht, den Jungs zuzuschauen. Wenn wir Spaß haben, spielen wir auch guten Fußball“, sagte der am Sprunggelenk verletzte Jan Gyamerah in der Halbzeit bei „Sky“.

HSV-Supporters schalten sich in Machtkampf ein

Der HSV musste im Volksparkstadion natürlich erneut auf die Unterstützung der Zuschauer verzichten. Der HSV Supporters Club meldete sich aber bereits vor dem Spiel zu Wort und kritisierte den „viel zu lange schwelenden Konflikt“ im Vereinspräsidium. „Es wäre so typisch, wenn wir durch Kleinkriege unsere sportlichen Ziele gefährden. Genau dieser Fehler darf nicht noch einmal passieren. Lasst uns endlich wieder um das Wesentliche kümmern“, schrieben die Abteilungsleiter.

Und um das Wesentliche kümmerte sich der HSV am Montagabend wieder mit Erfolg. Es dauerte nach der Pause nur drei Minuten, ehe Jatta schon früh alles klar machte. Eine Kittel-Ecke wuchtete er per Kopf unhaltbar über die Linie (48.). Für Jatta war es der erste Doppelpack in seinem 83. HSV-Spiel. „Baka hat sich das erarbeitet“, sagte Gyamerah. „Am Anfang der Saison hatte er Probleme, war verletzt. Jetzt spielt er richtig stark. „Wir brauchen ihn. Er ist ein guter Typ, ein astreiner Charakter und gut für die Kabine.“

Kurz nach Jattas Doppelpack traf dann auch noch Vagnoman, der auf dem Weg zum 4:0 den bemitleidenswerten Kevin Wolze einfach aus dem Weg räumte (54.). Doch damit nicht genug. Wieder war es Kittel, der den Weg ebnete. Seine Flanke köpfte Osnabrücks Maurice Trapp ins eigene Tor (61.). „Wir waren heute brutal effektiv, vielleicht fällt der Sieg das eine oder andere Tor zu deutlich aus", sagte Ex-Osnabrücker Moritz Heyer.

Osnabrück war zu schwach für den HSV

Nach dem 5:0 konnte es sich der HSV erlauben, in der verbleibenden Spielzeit Ball und Gegner ganz in Ruhe laufen zu lassen. Osnabrück wurde dem Tabellenführer zu keinem Zeitpunkt des Spiels gefährlich. Die Hamburger sparten Kräfte für das nächste Niedersachsen-Duell am Sonnabend in Braunschweig. Für das Torverhältnis hatten sie schon in der ersten Stunde genug getan.

Mit 33 Punkten aus 16 Spielen liegt der HSV an der Ligaspitze nun wieder einen Punkt vor dem VfL Bochum. Zudem hat er den Vorsprung auf die Verfolger Greuther Fürth und Holstein Kiel ausgebaut.

Eines dürfte am Montag aber auch klar geworden sein: So einfach wie an diesem Abend wird es in den verbleibenden 18 Spielen bis zum Saisonende sicher nicht mehr.

Die Statistik:

  • HSV: Ulreich – Vagnoman, Leistner, Ambrosius, Leibold – Heyer (74. Jung) – Kinsombi, Dudziak (70. Hunt) – Kittel (70. Wintzheimer), Terodde (62. Wood), Jatta (62. Narey).
  • Osnabrück: Kühn – Engel, Beermann, Trapp, Wolze (58. Reichel) – Gugganig (46. Taffertshofer), Reis (62. Henning) – Schmidt (58. Ihorst), Blacha (46. Amenyido) – Kerk, Santos. – Trainer: Grote
  • Schiedsrichter: Daniel Schlager (Hügelsheim)
  • Tor: 1:0 Kittel (16.), 2:0 Jatta (41.), 3:0 Jatta (48.), 4:0 Vagnoman (54.), 5:0 Trapp (61./Eigentor)
  • Torschüsse: 7:11
  • Ecken: 9:6
  • Ballbesitz: 58:42 %

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