Heimsieg gegen Regensburg

Videowirbel und schöne Tore: HSV erobert die Tabellenführung

Gleich drei strittige Tore werden überprüft – alle zugunsten des HSV. Jatta und – natürlich – Torjäger Terodde treffen.

Hamburg. Nach einer spielerisch starken Vorstellung und reichlich Wirbel um den Videobeweis hat der HSV die Tabellenführung der 2. Bundesliga zurückerobert. Im ersten Spiel des neuen Jahres siegten die Hamburger 3:1 (2:1) gegen Jahn Regensburg – nach einer zwischenzeitlichen Durststrecke ist es bereits der vierte Sieg in Folge. Beide Mannschaften boten guten Zweitligafußball und schossen sehenswerte Tore – es war schade, dass wegen der Corona-Pandemie keine Fans im Volksparkstadion dabei sein durften.

Wie wichtig der Sieg für den HSV war, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Weil der bisherige Spitzenreiter Holstein Kiel im Parallelspiel zu Hause gegen den VfL Osnabrück (1:2) patzte, stehen die Hamburger erstmals seit dem 8. Spieltag wieder an der Tabellenspitze.

„Ich glaube, dass es ein verdienter Sieg für uns war, aber es gab auch immer Phasen, die das Spiel sehr interessant gemacht haben", sagte Trainer Daniel Thioune, der auf die Verletzten Klaus Gjasula (Innenbandriss im Knie), Jan Gyamerah (Innenbandverletzung im Knöchel) und Amadou Onana (Adduktorenprobleme) verzichten musste. „Kompliment an die Regensburger, sie haben uns über 90 Minuten sehr viel abverlangt“, sagte der Coach. Abwehrchef Toni Leistner ergänzte: „Der Wille, die Tore in der Box zu machen, war heute entscheidend." Die Bilanz von 22:13-Torschüssen verdeutlicht, dass es eine Partie mit vielen Torraumszenen war.

Die Tabelle nach 14 Spieltagen:

  • 1. HSV: 29 Punkte
  • 2. Kiel: 28 Punkte
  • 3. Fürth: 27 Punkte
  • 4. Bochum: 26 Punkte
  • 5. Düsseldorf: 23 Punkte

HSV geht nach schöner Kombination in Führung

Dass es dazu kam, war allerdings ein hartes Stück Arbeit gegen einen spielfreudigen Gegner. Regensburg begann mutig und schien den HSV mit einer offensiven Ausrichtung zunächst zu überraschen. Mehr als ein Freistoß von Wekesser (9.), den Ulreich parierte, kam bei den Angriffsbemühungen der Gäste aber nicht zustande.

Fortan übernahm der HSV die Spielkontrolle und wäre auch beinahe mit der ersten gefährlichen Aktion in Führung gegangen. Nach einem Durcheinander im Regensburger Strafraum kam Stephan Ambrosius zum Abschluss, aber Jan Elvedi, der Bruder von Gladbachs Nico Elvedi, rettete auf der Linie (9.).

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Dann näherte sich Bakery Jatta der Hamburger Führung, doch zunächst konnte Alexander Meyer noch parieren (21.) Weniger Sekunden später war der Torhüter der Gäste dann aber geschlagen: Nach einer sehenswerten Kombination zwischen Jeremy Dudziak und Vorlagengeber Tim Leibold drückte David Kinsombi den Ball über die Linie zum 1:0 für den HSV (21.).

HSV: Terodde kontert Regensburgs Ausgleich

Die Führung währte allerdings nur rund zwölf Minuten. Dann leistete sich HSV-Torhüter Sven Ulreich einen Fehlpass und Besuschkow erzielte den Ausgleich (33.) – ein ebenfalls stark herausgespielter Treffer.

Dem HSV-Spiel gab dieser Gegentreffer allerdings keinen Knacks. Im Gegenteil, die schnelle Antwort folgte durch – na klar – Simon Terodde. Jatta flankte flach vors Tor, Regensburgs Meyer konnte den Ball nicht festhalten und als der Keeper den Arm für eine Sekunde nicht am Ball hatte, stocherte der am Boden liegende Kinsombi die Kugel zu Terodde, der gewohnt souverän zum 2:1 vollstreckte (39.). Sein 15. Saisontor.

Der Treffer wurde intensiv im Kölner Videokeller überprüft, doch nach einiger Beratungszeit stand fest: Das Tor war regulär. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mit der Hand am Ball dran war, muss die Szene aber noch einmal sehen", sagte Torhüter Meyer. „Wenn das nicht der Fall war, dann geht das Gegentor auf meine Kappe."

HSV nach der Pause drückend überlegen

Auch nach dem Seitenwechsel drückte der HSV aufs Tempo und suchte die schnelle Entscheidung. Erst Leibold (47.), dann Jatta (49.) versuchten es mit gefährlichen Abschlüssen im Strafraum. Und es ging munter weiter: Nach schönem Zusammenspiel zwischen Kittel und Vagnoman legte sich Heyer den Ball an der Strafraumkante zurecht – sein Schuss wurde noch zur Ecke abgefälscht (52.).

Nur wenige Minuten später meldete sich Torjäger Terodde mit einer Direktabnahme zu Wort (53.). Es schien in dieser Phase nur eine Frage der Zeit, wann der HSV das 3:1 erzielt, doch plötzlich musste Torwart Sven Ulreich seine Mannschaft vor dem Ausgleich bewahren, als er im eins gegen eins gegen Regensburgs Vrenezi rettete (58.).

Videobeweis wieder zugunsten des HSV

Das 3:1 für den HSV fiel dann aber doch nur wenige Minuten später. Der stark aufgelegte Kapitän Leibold schickte Jatta mustergültig in den Lauf. Dieser spielte seine Schnelligkeit aus, schüttelte seinen Gegenspieler ohne Probleme ab und überwand Meyer mit einem gekonnten Abschluss (61.). Auch dieser Tor wurde wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung Jattas minutenlang überprüft – und zu Recht gegeben. „Es waren klare Situationen, da musste man eigentlich nicht lange überlegen", sagte Leistner. „Genau für solche Szenen haben wir den Videokeller."

Der HSV wollte sich auf der vermeintlich beruhigenden Führung nicht ausruhen und suchte weiter den Abschluss aus nahezu jeder Position. Die beste Chance vergab Terodde, der an einer scharfen Vagnoman-Flanke vorbeirutschte (67.).

Dann meldete auch Regensburg noch einmal eigene Ansprüche an und schoss den vermeintlichen Anschlusstreffer durch Beste (67.). Doch der Flügelspieler hatte zuvor Sonny Kittel gefoult, weshalb das Tor nach Rücksprache mit dem Videoassistenten in Köln aberkannt wurde. Damit wurde auch die dritte strittige Tor-Entscheidung zugunsten des HSV entschieden – allesamt korrekt.

Und so darf sich der HSV über einen verdienten Heimsieg und die Tabellenführung freuen. „Es ist immer schön, von oben zu gucken", sagte Leistner, „aber wir haben noch einen harten Weg vor uns."

Die Statistik:

  • HSV: Ulreich – Vagnoman, Ambrosius, Leistner, Leibold – Heyer – Jatta (90. Wintzheimer), Kinsombi (76. Jung), Dudziak (84. Hunt), Kittel (90. Heil) – Terodde (84. Wood). – Trainer: Thioune
  • Regensburg: Meyer – Hein, Nachreiner, Elvedi, Wekesser – Moritz (79. Schneider), Besuschkow – Vrenezi (66. George), Beste (88. Makridis) – Caliskaner (79. Becker), Albers (79. Kennedy). – Trainer: Selimbegovic
  • Tor: 1:0 Kinsombi (21.), 1:1 Besuschkow (33.), 2:1 Terodde (39.), 3:1 Jatta (61.)
  • Schiedsrichter: Lasse Koslowski (Berlin)
  • Gelbe Karten: Dudziak, Heyer (2) - Albers, Vrenezi (5), Besuschkow (4), Wekesser (7)
  • Torschüsse: 22:13
  • Ecken: 6:7
  • Ballbesitz: 54:46 Prozent

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