Würzburger Kickers gegen HSV

Magath kehrt als Allmächtiger in den Volkspark zurück

Seit Januar leitet Felix Magath (67) die Abteilung „Flyeralarm Global Soccer"

Seit Januar leitet Felix Magath (67) die Abteilung „Flyeralarm Global Soccer"

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der einstige HSV-Held ist der Macher im Hintergrund der Würzburger Kickers. Sein Wirken beim Flyeralarm-Projekt stößt auch auf Kritik.

Hamburg.  Als Bernd Hollerbach noch die Würzburger Kickers trainierte, kam Felix Magath regelmäßig zu Besuch, um mit seinem langjährigen Freund Schafskopf zu spielen. Von Magaths Heimatort Aschaffenburg braucht man nur 50 Autominuten über die A 3. Und so kam es auch, dass Magath häufiger im Stadion der Kickers vorbeischaute. Hollerbach hatte Würzburg von der Regionalliga sensationell in die 2. Bundesliga geführt, wurde nach dem direkten Abstieg 2017 aber wieder entlassen. Doch die Verbindung von Magath nach Würzburg blieb. Der Europapokalsieger von 1983 mit dem HSV lernte den Aufsichtsratsvorsitzenden Thorsten Fischer kennen, der in Würzburg die Onlinedruckerei Flyeralarm leitet und seit Jahren die Kickers als Sponsor unterstützt.

An diesem Sonnabend (13 Uhr/Sky und im Liveticker auf abendblatt.de) tritt der Zweitligaaufsteiger erstmals in seiner Vereinsgeschichte in einem Pflichtspiel beim HSV an. Ob Magath an der Stätte seiner größten Spielererfolge dabei sein wird, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass Magath seit Januar als großer Macher im Hintergrund der Würzburger Kickers die Strippen zieht. Fischer hatte den 67-Jährigen als Head of Global Soccer für das neue Investorenprojekt von Flyeralarm verpflichten können. Magath ist nun nicht nur mitverantwortlich für die Würzburger Kickers, sondern auch für den österreichischen Erstligisten Admira Wacker.

Bei den Würzburger Kickers ist Flyeralarm mit 49 Prozent eingestiegen

„Es ist wirklich eine Sensation, dass wir ihn für uns gewinnen konnten“, jubelte Unternehmer Fischer, der zusammen mit Magath den Fußball-Standort Würzburg groß machen will. Bei den Würzburger Kickers ist Flyeralarm mit 49 Prozent eingestiegen. 20 Prozent der Anteile hält die Firma bei Admira Wacker, das nun offiziell „Fußballklub Fly­er­alarm Admira Wacker Mödling“ heißt. Das Projekt erinnert von seinem Namen und seiner Herangehensweise an Red Bull und seinen Global-Soccer-Kosmos, das wie auch Flyeralarm in Deutschland (Leipzig) und Österreich (Salzburg) begann und mittlerweile Standorte in Ghana, New York und Brasilien betreibt.

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Was Ralf Rangnick als übergreifendes Mastermind bei Red Bull aufbaute, soll Magath nun für Flyeralarm tun. Thorsten Fischer legt sein Vertrauen dafür komplett in Magaths Hände. Und der sagte zu Beginn seiner Tätigkeit auch gleich das, was man als Unternehmer hören will. „Mit Durchschnitt und Mittelmaß kann ich nicht leben. Ich wollte schon immer nach ganz oben, wollte schon immer Titel“, sagte Magath in einem Interview mit der „Welt“. Große Worte, wie man sie von dem ehemaligen Meistertrainer des VfL Wolfsburg und FC Bayern kennt. „Ich werde mich nicht begrenzen und sagen, dass ich zufrieden bin, wenn Würzburg in die Zweite Liga aufsteigt. Nein, ich werde alles dafür tun, dass größere Erfolge kommen.“

Offiziell ist Magath bei Flyeralarm kein angestellter Mitarbeiter

Zehn Monate später spielt Würzburg tatsächlich wieder in der Zweiten Liga. Den unerwarteten Aufstieg verbinden die Würzburger allerdings mit dem Namen Michael Schiele. Der Trainer hatte die Kickers im Juni überraschend zurück in Liga zwei geführt. Nach nur zwei Niederlagen zum Auftakt, davon ein unglückliches 0:1 bei Absteiger Fortuna Düsseldorf mit einem verschossenen Elfmeter in der Nachspielzeit, wurde Schiele aber bereits entlassen. Sein Nachfolger ist Braunschweigs Aufstiegstrainer Marco Antwerpen. Wer sich in Würzburg umhört, der landet schnell bei dem Namen, mit dem diese Entscheidung verbunden wird: Felix Magath.

Offiziell ist Magath bei Flyeralarm kein angestellter Mitarbeiter. Seine Tätigkeit ist im beratenden Bereich definiert. Auch die Länge der Zusammenarbeit ist nicht vertraglich vereinbart. Offensichtlich ist aber bereits das Wirken der HSV-Legende an den beiden Standorten. Bei Admira Wacker installierte Magath seinen früheren Stuttgarter Spieler Zvonimir Soldo schon nach wenigen Wochen als neuen Cheftrainer. Der bot vor vier Wochen aber bereits wieder seinen Rücktritt an. Das renommierte österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“ zitierte mehrere Spieler, die sich über die altmodischen Trainingsmethoden beschwert hatten, die Beobachter auf das Treiben von Felix Magath zurückführten. Vorwürfe, wie man sie immer dort hörte, wo Magath in den vergangenen Jahren einen Verein verlassen hatte.

Magath nimmt stärkere Rolle bei Transferentscheidungen ein

Dabei will sich Magath laut eigener Aussage aus dem Trainingsbetrieb raushalten. Eine stärkere Rolle nimmt er bei den Transferentscheidungen ein. „Ein wichtiger Teil meiner Arbeit wird es zum Beispiel sein, spannende junge Nachwuchsspieler für uns zu entdecken und sie für eine unserer Mannschaften zu begeistern. Ich hatte ja in der Vergangenheit durchaus ein ganz gutes Auge für Talente, und meine Augen sind diesbezüglich nicht schlechter geworden“, sagte Magath selbst.

Gleich in seinem ersten Transfersommer holte Magath in Würzburg 18 Neuzugänge. Die meisten von ihnen sind allerdings fertige Spieler wie der Brasilianer Ewerton (30), der am letzten Tag der Transferperiode vom HSV verpflichtet wurde. Auffällig: Gleich fünf Spieler kamen erst, nachdem Aufstiegstrainer Schiele gehen musste. Von den Kickers-Fans wird Magath kritisch beäugt, es gab bereits Banner gegen seine Person.


Das Magazin „Profil“ bezeichnet Magath als „Allmächtigen“

Magath selbst hat mit Flyeralarm sein „Traumprojekt“ gefunden, das er im Profibereich immer gesucht habe. Das Magazin „Profil“ bezeichnet ihn als „Allmächtigen“. Eine Zuschreibung, mit der Magath gut leben kann. Die er vor allem aber auch gerne ausführen kann. Der „letzte Diktator Europas“, wie ihn Bachirou Salou einmal nannte, trifft gerne Entscheidungen. Und davon wird es bei Flyeralarm Global Soccer in naher Zukunft einige geben. Die Flyeralarm-Arena in Würzburg wird den Anforderungen des Profifußballs nicht gerecht. Nur mit einer Ausnahmegenehmigung kann der Club dort seine Heimspiele austragen. Will sich Würzburg in der 2. Bundesliga etablieren, muss ein neues Stadion gebaut werden. Doch das kostet. Flyer­alarm investiert zwar viel Geld in das Projekt. Mit den Möglichkeiten des Weltkonzerns Red Bull sind diese Summen aber nicht vergleichbar.

Felix Magath will seine Ziele dennoch vorantreiben. Beim HSV scheiterte eine Rückkehr immer wieder, weil man ihm nicht die gewünschten Machtbefugnisse erteilen wollte. Nun kehrt er als Allmächtiger in den Volkspark zurück. Davon hat er immer geträumt.