HSV-News

Terodde klärt über Torjubel und Elfmeterdiskussion auf

Bittersüßer Tag für Gyamerah und Amaechi. Leistner: Schicksalsschlag angedeutet. Neue Jobs für zwei Ex-HSVer. Thioune lobt Fans.

Die HSV-News am Sonnabend, den 19. September 2020:

HSV gibt Sieg gegen Teutonia aus der Hand

Bitteres Déjà-vu für den HSV II: Auch im zweiten Heimspiel der neuen Regionalligasaison hat die U 21 in letzter Sekunde einen Sieg aus der Hand gegeben. Beim 2:2 (1:0) am Sonnabend im Derby gegen Teutonia 05 Ottensen fiel der Ausgleich durch Sinisa Veselinovic sogar erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit – und das per Elfmeter.

Zuvor hatte Profi-Leihgabe Xavier Amaechi die Mannschaft von Trainer Pit Reimers in der 85. Minute erneut in Führung und damit vermeintlich auf die Siegerstraße gebracht. Doch Aufsteiger Teutonia kam wie schon beim 1:1 durch Pascal Eggert zurück. Robin Meißner hatte den HSV in der ersten Halbzeit mit seinem zweiten Saisontreffer in Front geschossen.

Schon am ersten Spieltag hatte der Nachwuchs beim 1:1 gegen Lüneburg mit dem Schlusspfiff zwei sicher geglaubte Punkte verloren. Mit fünf Punkten setzt sich der HSV in seiner Zwölfer-Grupper dennoch vorerst oben fest.

Gyamerah hält 90 Minuten durch

Dennoch gab es für Cheftrainer Daniel Thioune neben dem Amaechi-Treffer noch eine weitere frohe Kunde aus dem Unterbau: Jan Gyamerah spielte bei der U 21 durch und sammelte so wichtige Spielpraxis für sein angestrebtes Comeback bei den Profis.

Thioune hatte angekündigt, den Rechtsverteidiger über Testspiele sowie gegebenenfalls Einsätze in der Regionalliga wieder langsam an die Zweite Liga heranführen zu wollen. Gegen Ottensen hätte Gyamerah sogar beinahe einen Treffer erzielt.

Terodde: Torjubel ist kein Salutieren

Tore schießen ist Simon Teroddes Job, durch seinen ersten Doppelpack für den HSV steht der Stoßstürmer nun bei 120 Treffern in der Zweiten Bundesliga und damit in der ewigen Torjägerliste nur noch einen Treffer entfernt von Sven Demandt und Platz fünf.

Und was hat es mit seinem speziellen Torjubel auf sich? "Da hat mich das Flutlicht geblendet, deswegen musste ich die Hand anlegen", sagte Terodde nach dem Auslaufen am Sonnabend zur flachen Hand an der Stirn, die bislang immer wieder als Salut-Geste interpretiert worden war.

"Das ist nicht der Fall", klärte der 32-Jährige nun noch einmal auf. Vielmehr signalisiere er damit, wahlweise den Vorlagengeber oder die Familie (die am Sonnabend aus dem Hotel in eine Wohnung umziehen wollte) auf der Tribüne zu suchen.

Den Jubel habe er eingeführt, als während eines Spiel einmal die Sonne schien, erinnerte sich Terodde. "Das hat mir damals mal Glück gebracht. Jetzt habe ich das so übernommen, auch wenn es ein Flutlichtspiel war."

Terodde sieht sich als Elfmeterschütze

Zu seinem ersten Treffer per Elfmeter sagte Terodde: "Als Stürmer wird man an Toren gemessen, und da musst du dann auch die Verantwortung übernehmen. Das hab ich in dem Moment getan." Über die Ausführung habe er kurz mit Sonny Kittel gesprochen, der in der vergangenen Saison zwei Strafstöße verwandelt hatte. "Er hat mir auch das Gefühl gegeben, dass ich schießen soll", berichtete Terodde.

Gleichwohl war er bei seinem erfolgreichen Flachschuss ins rechte Eck dann auch mit dem Glück im Bunde, da Düsseldorfs Torhüter Florian Kastenmeier den Ball beinahe pariert hätte. "Das sind die schönsten Tore, wenn der Torhüter dran schnuppert und er trotzdem drin ist", sagte Terodde schon kurz nach dem Spiel.

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Und deshalb kündigte er am Sonnabend an, auch beim nächsten Mal an den Punkt schreiten zu wollen: "Ich fühle mich dafür zuständig, die Elfmeter zu schießen." Ohnehin könne er sich nur an ein Spiel erinnern, in dem er diese große Standardchance einmal an einen Mitspieler abgegeben habe.

Eine Vorgabe von Thioune gebe es jedenfalls nicht. "Wer sich sicher fühlt, soll den Ball nehmen", sagte Terodde, der aber auch anmerkte: "Klar kann auch mal ein Elfmeter verschossen werden." Teroddes bisherige Quote vom Punkt: 17 Treffer, sieben Fehlschüsse.

Leistner dreht alleine seine Runden

Bis Toni Leistner wieder Verantwortung im Stadion übernehmen kann, wird es nach der DFB-Strafe von Freitag mindestens noch zwei Spiele dauern.

Am Sonnabend stand der 30 Jahre alte Verteidiger, der am Freitag das Spiel von der Tribüne aus verfolgt hatte, aber zumindest wieder auf dem Trainingsplatz.

Allerdings agierte Leistner im Schatten des Volksparkstadions noch auf eigene Faust, da er nach seiner Verletzung der Abstandsregel beim Vorfall in Dresden vorsorglich weiter vom restlichen Team isoliert bleibt.

Dass der Abwehrchef ungeachtet dessen in Gedanken bei der Mannschaft ist, demonstrierte Leistner indes auch mit diesem Tweet nach dem Sieg gegen Düsseldorf:

Mutzel zu Leistner: "Haben keinen Stress"

Ob der HSV gegen das Leistner-Strafmaß (drei Pflichtspiele Sperre plus zwei Spiele auf Bewährung) Einspruch einlegt, war Stand Sonnabendnachmittag noch immer nicht entschieden.

"Wir haben noch Zeit, das bis Montag zu prüfen, und deshalb auch keinen Stress", sagte HSV-Sportdirektor Michael Mutzel am Mittag. "Das ist dann Aufgabe unserer Juristen und des Spielers zu klären."

Mattuschka deutet Leistner-Schicksalsschlag an

Entschieden Partei für Leistner ergriff derweil auch noch mal dessen ehemaliger Mitspieler Torsten Mattuschka. "Man kann nicht alles tolerieren", sagte der Ex-Profi am Freitagabend bei Sky über die Reaktion des HSV-Verteidigers auf die Pöbeleien des Dresdner Fans.

Dabei ließ Mattuschka erneut durchblicken, dass der Handgreiflichkeit auf der Tribüne massive Beleidigungen vorausgegangen sein müssen. "Die kann ich alle gar nicht wiedergeben", sagte Mattuschka nach einem persönlichen Gespräch mit Leistner.

Der Fan habe Leistners hochschwangerer Frau Josefin unter anderem eine "Fehlgeburt gewünscht". Für Leistner, bislang Vater einer Tochter, offenbar zu viel des Guten. "Sie haben als kleine Familie schon einen Schicksalsschlag erlitten", deutete Mattuschka an.

"Ich weiß, dass viele Fußballer hinter ihm stehen", sagte der Sky-Experte über das Standing seines ehemaligen Mitspielers bei Union Berlin. Außerdem habe Leistner den pöbelnden Anhänger lediglich "kurz gezupft, da das Trikot nicht richtig saß".

Fans verpassen Thioune "Gänsehaut"

"Endlich wieder im Stadion", riefen die neuen Stadionsprecher Christina Rann und Christian Stübinger den Fans im "ausverkauften" Volksparkstadion zu. Mehr als 1000 Tickets konnte der HSV angesichts der kurzfristigen Zuschauerfreigabe allerdings auch nicht verkaufen. So war es am Freitag zunächst eine etwas merkwürdige Atmosphäre.

Mit der Führung und zu Beginn der zweiten Halbzeit legte das Publikum auf der Westtribüne aber mehr und mehr seine Zurückhaltung ab. Auf den Gassenhauer "Steht auf für den HSV" folgten nach etwas mehr als einer Stunde beim Stand von 2:0 sogar erste "HSV"-Wechselgesänge.

"Das war endlich mal wieder ein bisschen Gänsehaut", sagte Daniel Thioune über die Rückkehr der Fans. "Sie waren ein Antrieb für die Spieler. Wir würden uns freuen, wenn beim Heimspiel gegen Aue in zwei Wochen noch ein paar mehr kommen dürfen."​

Ex-HSVer Arslan geht nach Italien

Eigentlich hatte auch Hannover 96 mit einer Verpflichtung von Tolgay Arslan geliebäugelt, doch nun steht fest, dass der frühere HSV-Profi nicht aus der Türkei nach Deutschland zurückkehren wird.

Stattdessen wechselt der inzwischen 30 Jahre alte frühere deutsche Junioren-Nationalspieler (drei Spiele) von Fenerbahce Istanbul zu Udinese Calcio in die italienische Serie A.

Der gebürtige Paderborner unterschrieb einen Zweijahresvertrag bis Ende Juni 2022. Beim HSV spielte Arslan von 2009 bis 2015 (92 Pflichtspiele), unterbrochen von einer einjährigen Leihe nach Aachen.

Vor fünf Jahren schloss sich Arslan zunächst Besiktas an. Bei Stadtrivale Fener löste er nun kürzlich seinen Vertrag auf. "Arslan ist ein wendiger Spieler mit großer internationaler Erfahrung", so Udineses Sportdirektor Pierpaolo Marino über den Mittelfeldspieler.

Aogo künftig Teil von "Sektion Radioverbot"

Nächste Aufgabe für Dennis Aogo nach seinem Karrierende: Der langjährige HSV-Profi (2008 bis 2015) ist künftig Teil des Onefootball-Video-Podcasts "Sektion Radioverbot". Gemeinsam mit Nico Heymer diskutiert der 33-Jährige künftig als Co-Host über Fußball.

"'Sektion Radioverbot' ist kein herkömmliches Fußball-Talk-Format, sondern definitiv eine Show der etwas anderen Art", sagt Aogo. "Wir werden unseren Zuschauern jede Woche unterhaltsame und informative 45 Minuten liefern, da bin ich mir sicher."

Aogo stand zuletzt bei Hannover 96 unter Vertrag und hatte Ende August seine aktive Laufbahn beendet. Für den HSV hatte er 168 Pflichtspiele bestritten (drei Tore). Seit dieser Saison fungiert Aogo außerdem als fester Sky-Experte.

Choupo in Hamburg – und von Tuchel vermisst

Mit Eric Maxim Choupo-Moting ist ein weiterer, eigentlich noch aktiver ehemaliger HSV-Profi derzeit noch ohne neue Anstellung. Nach seinem Ausscheiden beim Champions-League-Finalisten Paris Saint-Germain hält sich der 31-Jährige momentan in seiner Heimatstadt fit.

Choupo-Moting selbst postete Trainingsbilder vom Elbstrand in Övelgönne mit seinem Vater Just, am Freitag schaute der Stürmer aus Ottensen außerdem bei seinem Jugendverein Altona 93 vorbei.

Am Sonnabend erhielt er wiederum noch einmal ein großes Lob von seinem ehemaligen Trainer Thomas Tuchel. "Er war ein wichtiger Teil unserer Gruppe, weil er perfekt seine Rolle kannte", sagte PSG-Coach Tuchel über den 49-maligen kamerunischen Nationalspieler.

Mit seinem Tor in der Nachspielzeit zum 2:1 gegen Atalanta Bergamo hatte Choupo-Moting Paris ins Halbfinale der Königsklasse geführt. Ein Angebot zur Vertragsverlängerung beim französischen Meister hatte er aber abgelehnt. "Jetzt ist es unsere Aufgabe, eine Lösung zu finden", sagte Tuchel nun.

HSV als Bayern-Prügelknabe abgelöst

Wird der HSV nun endlich als Vorzeige-Opfer des FC Bayern München abgelöst? Mit einem 0:8, wie es Schalke 04 am Freitagabend zum Auftakt der Bundesligasaison widerfahren ist, hat Hamburg jedenfalls auch schon doppelte Erfahrung.

Gleich zweimal verloren die "Rothosen" in der jüngeren Vergangenheit mit eben jenem Resultat in München (jeweils im Februar 2015 und 2017). Unvergessen auch die Mutter aller Demütigungen, das 2:9 am 30. März 2013.

Und auch in der Reihe der seit 2002 durch den amtierenden deutschen Meister bestrittenen Eröffnungsspiele setzte der HSV mit dem 0:5 bei den Bayern am 1. Spieltag der Saison 2015/16 negative Maßstäbe.

Ein Jahr darauf setzte dann immerhin Werder Bremen mit einer 0:6-Schlappe in der Allianz-Arena noch einen obendrauf. Doch mit dem 8:0 gegen Schalke haben die Bayern ihren eigenen Eröffnungsspielrekord (15 Siege, ein Remis seit 2002) noch einmal pulverisiert.

Jungschützen: Arp rutscht weiter ab

Nach dem Eröffnungsspiel ist ein ehemaliges HSV-Talent in einer Statistik wiederum abgerutscht. Denn durch seinen Treffer zum Endstand gegen Schalke hat sich Bayerns Jamal Musiala zum fünfjüngsten Torschützen der Bundesliga-Geschichte gemacht.

Dadurch rutschte Fiete Arp in diesem Ranking auf Platz neun. Der heutige Münchner traf für den HSV am 28. Oktober 2017 im Alter von 17 Jahren, 9 Monaten und 22 Tagen beim 1:2 in Berlin. Musiala zählte bei seinem Tordebüt 17 Jahre, 6 Monaten und 23 Tage.

Adrian Fein trifft für die Bayern

Und noch einmal der HSV und die Bayern: Adrian Fein hat seine Rückkehr zum Rekordmeister am Sonnabend direkt mit einem Treffer gekrönt – allerdings für die Zweitvertretung.

Beim späteren 2:2 zum Drittliga-Auftakt gegen Türkgücü München erzielte er in der 23. Minute das vorübergehende 1:1 für die kleinen Bayern.

Damit hat Fein bereits nach dem ersten Spieltag so viele Treffer auf dem Konto wie in 33 Spielen für den HSV. Auch Arp kam 90 Minuten zum Einsatz, fiel aber mehr oder weniger nur durch eine Gelbe Karte auf.

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