Testspiel

Rückkehr zum HSV: Bruno Labbadias heikle Mission

Bruno Labbadia wird von Hertha-Star Matheus  Cunha beobachtet

Bruno Labbadia wird von Hertha-Star Matheus Cunha beobachtet

Foto: imago images/Nordphoto

Erstmals seit dem Aus im September 2016 kommt Labbadia in den Volkspark – als Gegner. Mit Hertha steht er vor einer großen Aufgabe.

Hamburg. Bruno Labbadia versuchte die Situation mit Humor zu nehmen. „Ich hoffe, dass wir elf Spieler zusammenbekommen“, sagte der Trainer von Hertha BSC vor dem Testspiel im Volksparkstadion beim HSV an diesem Sonnabend (17 Uhr/live auf HSVtv). Eine Woche vor dem Pflichtspielstart im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig ist es für Labbadia die letzte Chance, sich vorzubereiten. Gleiches gilt für HSV-Trainer Daniel Thioune und seine Hamburger neun Tage vor dem Auftakt im Pokal bei Dynamo Dresden.

Während Thioune bis auf Jan Gyamerah (Muskelprobleme) und die Länderspielfahrer Klaus Gjasula und Josha Vagnoman bei der Saisongeneralprobe alle Spieler zur Verfügung stehen, fehlt Labbadia die halbe Mannschaft. Neun Nationalspieler sind auf Reisen, ein paar weitere Profis angeschlagen. Es ist eine überschaubare Gruppe, die am Vormittag in Berlin in den ICE Richtung Hamburg steigen wird.

Labbadia kennt die Strecke zwischen den beiden größten deutschen Städten. Noch immer hat der 54-Jährige seinen Lebensmittelpunkt in seinem Werkstattloft in St. Georg. Wer früh aufsteht, trifft den Trainer immer mal wieder bei seinen Läufen um die Alster. Wenn es die Zeit zulässt, ist er zu Hause in Hamburg. Doch seit fünf Monaten ist das nicht mehr so einfach. Seit April ist Labbadia Trainer bei Hertha BSC und lebt in einer Wohnung in Berlin. Obwohl der Fußballlehrer so häufig nach Hamburg kommt, kehrt er heute das erste Mal wieder zum HSV zurück. Zu dem Verein, den er 2015 vor dem Abstieg rettete und der ihn ein Jahr später auf unwürdige Weise vor die Tür setzte.

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Ziemlich genau vier Jahre ist es nun her, dass Labbadia nach einem 0:1 gegen Bayern München schon nach dem fünften Spieltag entlassen wurde. Hinter dem HSV lag die erfolgreichste Saison der vergangenen sieben Jahre, Labbadia hatte den Club stabilisiert und auf einen zehnten Platz geführt. Doch der HSV strebte nach mehr. Während der damalige Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer im Zusammenspiel mit Investor Klaus-Michael Kühne und dessen Beratern Volker Struth und Reiner Calmund nach neuen Stars suchte, um so schnell wie möglich das internationale Geschäft zu erreichen, wollte Labbadia sein Team in kleinen Schritten entwickeln. In diesem Richtungsstreit musste am Ende der Trainer gehen.

Labbadia versucht Erwartungshaltung zu dämpfen

Heute steht Labbadia in Berlin vor einer ähnlichen Aufgabe wie damals beim HSV. Investor Lars Windhorst will Hertha so schnell wie möglich im europäischen Wettbewerb sehen. Dafür hatte er Anfang Juli eine weitere Zahlung durch seine Beteiligungsgesellschaft Tennor von insgesamt 150 Millionen Euro bis Oktober bewilligt. Im Gegenzug hält er nun 66,6 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH Co. KgaA.

Und von Labbadia wird nun erwartet, dass er die Träume und Ziele des Geldgebers umsetzt. „Das hoffen wir alle und glauben, dass wir es schaffen können“, sagte Windhorst, der seine Hoffnungen dabei vor allem auf Labbadias Schultern legt. „Ich glaube, dass er bisher einen sehr guten Job gemacht hat, und ich denke, dass er eine hohe Chance hat, in der neuen Saison sehr erfolgreich zu sein.“

Es waren etwas andere Worte, die HSV-Investor Kühne vor vier Jahren wählte („Abwarten, ob der Trainer die Mannschaft in Form bringt“) – und doch erinnert die Situation in Berlin an Labbadias letzte Monate in Hamburg. Auch beim HSV war man sich sicher, mit Kühnes Investitionen die Eintrittskarte nach Europa zu sichern. Eine krasse Fehleinschätzung, wie sich zeigte. Bei Hertha investiert Windhorst allerdings in einer anderen Größenordnung als Kühne 2016 beim HSV. Trotzdem versucht Labbadia bereits die Erwartungshaltung zu dämpfen.

Die Vorbereitung verlief bislang holprig. Der Verein verzichtete auf ein Trainingslager, in den jüngsten Testspielen gab es zwei Niederlagen. Vor allem das 0:4 gegen die von Roger Schmidt trainierte PSV Eindhoven warf Fragen auf. Labbadia ist auf der Suche nach einer neuen Achse, die nach den Abgängen von Per Skjelbred und Vedad Ibisevic auseinandergebrochen ist. Das Team ist jung, die mangelnde Kommunikation auf dem Platz missfällt Labbadia.

Aus seiner Verbundenheit zum HSV hat er nie einen Hehl gemacht

Seine Erfahrungen in Hamburg und beim VfL Wolfsburg, wo er trotz der Qualifikation für die Europa League nicht mehr erwünscht war, haben ihn im Nachhinein gestärkt. Labbadia ist noch selbstbewusster, aber auch ruhiger geworden. In der täglichen Trainingsarbeit, so beschreiben es Beobachter in Berlin, gibt sich der frühere Stürmer aber leidenschaftlich wie in Hamburg. Er lässt lange trainieren, redet wie in HSV-Zeiten immer wieder zur Mannschaft. In den Einheiten ohne Ball läuft Labbadia noch immer vorneweg, selbst bei den Bergsprints im Olympiapark macht er mit.

Und obwohl er auch in Berlin die ersten Laufstrecken erkundet hat, läuft er am liebsten noch an der Alster. Aus seiner Verbundenheit zum HSV hat er nie einen Hehl gemacht. Auch nicht nach seiner zweiten Entlassung. „Mit mir wäre der HSV nicht abgestiegen“, hat er mal gesagt. Heute kehrt Labbadia als Trainer mit Europa-League-Ambitionen zurück. Und die gute Nachricht gab es beim Abschlusstraining am Freitag: Er kommt sogar mit mehr als elf Feldspielern.